Comic

«Warum tanzt ihr denn nackt?» – ein Denkmal für den Monte Verità im Comix Shop

Die Ziege behält ihre Würde bis zuletzt

Die Ziege behält ihre Würde bis zuletzt

Zeichner Jan Bachmann stellt sein neues Werk im Comix Shop vor.

Am Anfang war die Ziege. Um sie dreht sich alles in Jan Bachmanns Comic über den Monte Verità um 1900. Sie ist der Grund, warum sich zwei Gruppen in die – zum Teil sehr langen – Haare geraten. Da sind auf der einen Seite die Mitglieder der veganen Gemeinschaft, auf der anderen die katholischen Dorfbewohner Asconas, die offen empört und heimlich fasziniert den Lebensstil der Kommune zur Kenntnis nehmen.

«Warum tanzt ihr denn nackt?», würden diese gerne wissen. Und wann gibt Gusto Gräser, Gründungsmitglied, Sonnentänzer und Vielredner, diese Ziege zurück, die er entwendet hat? Gusto allerdings denkt gar nicht daran. Vielmehr will er sie freikaufen, hat aber kein Geld. In seinen eigenen Reihen ein Aussenseiter, sucht er Rat bei den Anarchisten, die ebenfalls in Ascona Zuflucht gefunden haben. Ob aber ausgerechnet die ihm helfen können?

Schmissiger Strich, witzige Nebenfiguren

In «Der Berg der nackten Wahrheiten» verbindet der Basler Bachmann auch in seinem zweiten Comic historische Quellen mit wilder Fantasie. Sein schmissiger Strich, die witzigen Nebenfiguren und das rasche, fast etwas gehetzte Vorantreiben der Handlung bereiten Vergnügen. Sein Spiel mit Licht und Schatten und eine fantastische Farbgebung machen den Band nicht nur zu einem spassigen, sondern auch zu einem ästhetischen Erlebnis.

Nebenbei erfährt man einiges über die Konflikte dieser veganen Kooperative, die Krisensitzungen einberuft, wenn auf dem Gelände Käserinden gefunden wurden. Ida Hofmann, ebenfalls Gründungsmitglied, stellt den Täter an den Pranger. Selbst diese Käseszene, darauf weist Bachmann in einem Kommentar am Ende des Bandes hin, geht auf historische Quellen zurück. Schade, wie wenig wir sonst über Ida Hofmanns Philosophie erfahren. Auch sind einige Persönlichkeiten so gezeichnet, dass sie mehr Witzfigur als witzige Figur sind.

Die Protagonistin, die in der Darstellung am wenigsten ins Lächerliche gezogen wird, ist die Ziege. Sie behält ihre Würde und ihre Souveränität bis zum Schluss und überzeugt mit trockenem Humor.

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