Neudorfgasse

Warum verschmäht das Basler Gewerbe die Werkarena?

Visualisierung des Werkarena-Baus. Links im Bild das Airport Hotel und das Spielcasino.

Visualisierung des Werkarena-Baus. Links im Bild das Airport Hotel und das Spielcasino.

Der geplante Bau an der Neudorfgasse ist massgeschneidert. Aber Mietzusagen gibt es erst für 20 Prozent der Fläche.

Das Projekt wurde als gute Idee gefeiert, als eine Möglichkeit, dass das Basler Gewerbe in einem Haus an verkehrstechnisch fast idealer Lage endlich zum dringend benötigten Entwicklungsraum kommt. Es gab Lob von allen Seiten. «Ein vorbildliches Betriebs- und Gewerbegebäude mit Warenzonen und einer Nutzfläche von rund 25 000 m²», heisst es auf der Website.

Doch irgendwo ist der Wurm drin. Denn erst für 20 Prozent der Fläche bestünden «unterschriftsreife Mietverträge», heisst es bei der Steiner AG, die als Generalplanerin fungiert. Für weitere 50 Prozent befinde man sich noch «in Verhandlungen». Das ist in etwa gleich viel wie vor einem Jahr, als die bz das letzte Mal eine Werkarena-Zwischenbilanz zog.

Wir gehen aktuell davon aus, dass wir bei einem Vermietungsstand von 30 Prozent die Realisierung starten können», sagt Simon Nägeli, Liegenschaftsentwickler bei der Steiner AG. Was noch fehle, sei ein grosser Mieter, ein Ankermieter. Mit dem Bau soll im September/Oktober begonnen werden, die Bauzeit belaufe sich je nach Ausbaustandard auf zwei bis zweieinhalb Jahre.

Massgeschneidert und teuer

Die magere Nachfrage erstaunt und wirft Fragen auf. Denn die Konjunktur, besonders die regionale, ist derzeit so gut wie schon lange nicht mehr, und das nach einem durchaus passablen Vorjahr, wie die BAK Basel in ihrer Frühjahresstudie zeigte. Wegen der Grossinvestitionen im Lifescience-Bereich wird auch für das Gewerbe einiges abfallen.
Auch die Tatsache, dass dieses Haus massgeschneidert ist, also den effektiven Bedürfnissen des Gewerbes entspricht, müsste eigentlich dafür sprechen, dass das Haus grösstenteils vermietet ist.

Denkbar ist, dass die Mieten zu teuer sind. Denn Leerstände sind meist ein Anzeichen zu hoher Preise. Im Vergleich zu durchschnittlichen Gewerbeflächen dürfte der Quadratmeterpreis der Werkarena eher im oberen Bereich liegen. Patrick Erny, Leiter Politik des Gewerbeverbands, meint dazu: «Gut, es ist möglich, dass dieses Preissegment nicht für alle infrage kommt.

Aber wir sind überzeugt, dass die Werkarena einen Bereich abdeckt, für den eine grosse Nachfrage besteht.» Kleinere Gewerbetreibende seien wohl eher erst richtig interessiert, wenn sich das Gebäude im Bau befinde, meint er.

«Es ist ein Pilotprojekt, das in dieser Form noch nicht existiert.» Kleine Firmen hätten zudem einen kürzeren Planungshorizont als grosse und seien risikoscheuer. Im August will der Gewerbeverband informieren, wie man im Fall Werkarena weiter verfahren will.

Ein Flop käme für den Gewerbeverband zu einem schlechten Zeitpunkt. Denn derzeit schiesst er aus allen Rohren gegen die vom Kanton angestrebte Mischnutzung Wohnungen/Gewerbe auf dem Lysbüchel-Areal: Eine Quelle ewiger Lärmklagen, bei der das Gewerbe schliesslich den Kürzeren ziehen würde, fürchtet der Verband. Ihm sind deshalb die geplanten Wohnungen ein Dorn im Auge, er möchte mehr Fläche fürs Gewerbe.

Doch wenn nun nicht einmal ein dem Gewerbe auf den Leib geschnittenes Projekt wie die Werkarena erfolgreich ist, können Forderungen nach mehr Platz auf dem Lysbüchel schwerlich durchgesetzt werden. Freilich muss man einwenden, dass eine Entwicklung von «Volta-Nord», wie das Areal auch genannt wird, eine viel grössere Dimension hat und einen viel längeren Zeitraum betrifft. Wirtschaftsprognosen für zwanzig oder dreissig Jahre sind erfahrungsgemäss wertlos.

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