Spitalgruppe

Was bedeutet die Spitalfusion für die Patienten?

Nach der Fusion wird es am Bruderholz keine Notfallstation mehr geben.

Nach der Fusion wird es am Bruderholz keine Notfallstation mehr geben.

Was passiert mit den Krankenkassenprämien, und wie können die Patienten von der Umgestaltung profitieren? Der Überblick über Leistungsangebote, Abbaupläne und Auswirkungen der Spitalfusion für den Prämienzahler.

1. Das Universitätsspital Basel (USB) und das Kantonsspital Baselland (KSBL) werden zu einer neuen Spitalgruppe zusammengelegt. Wo bietet diese künftig was an?

Das grösste Angebot ist für den Standort Basel geplant: Neben der Notfall- und Intensivstation (24 Stunden) übernimmt Basel die hoch spezialisierten Eingriffe. Es entstehen diverse Fachzentren, unter anderem ein Tumor- und ein Herz-/Gefässzentrum.

Am Standort Liestal bleibt die Notfall- und Intensivstation (24 Stunden) erhalten. Zusätzlich wird dort die gesamte Innere Medizin angesiedelt. Es entstehen diverse Fachzentren, unter anderem ein Bauch- und ein Adipositas-Zentrum.

Am Standort Bruderholz sind eine ambulante Tagesklinik, eine Permanence (Ärztehaus mit verlängerten Öffnungszeiten: meist 7 bis 22 Uhr), die ambulante und stationäre Rehabilitation mit einem Bettenhaus und der Zusammenzug der Orthopädie angedacht.

Am Standort Laufen sind eine Permanence mit Sprechstunden, die stationäre Schmerztherapie und die Reha von Alterskrankheiten vorgesehen.

2. Werden Leistungen abgebaut?

Viele Leistungen werden verlagert. Einiges fällt auch weg, etwa die Notfallstationen am Bruderholz und in Laufen. Auch bei der Bettenzahl wird abgebaut: Ohne gemeinsame Spitalgruppe rechnen die Gesundheitsdirektoren Lukas Engelberger (BS) und Thomas Weber (BL) für 2035 mit einer Kapazität von 1560 Betten. Kommt die Spitalgruppe, sind es etwa neun Prozent oder 147 Betten weniger. Der Abbau geschieht hauptsächlich am Bruderholzspital, dessen altes Gebäude in einem mehrstufigen Prozess abgerissen werden soll.

3. Von der Umgestaltung am Bruderholz sollen die Patienten profitieren. Wie?

Der Fokus in der neuen Tagesklinik am Bruderholz wird auf ambulanten Behandlungen liegen. Die Trennung von stationären Aufenthalten soll «schlankere Prozesse» für Patienten zur Folge haben. Ausserdem versprechen Engelberger und Weber mehr Kundenfreundlichkeit, weil die kleineren ambulanten Operationen einfacher zu planen sind. Das soll möglich werden, weil die Notfälle und zeitintensiven Eingriffe mit der Notfall- und Intensivstation vom Bruderholz verschwinden.

4. Was passiert nun mit den Krankenkassenprämien?

Die beiden Gesundheitsdirektoren heben hervor, dass die Spitalfusion mittel- bis längerfristig die Versicherungen und Prämienzahler finanziell entlastet. Dafür nennen sie zwei Gründe: Die Verlagerung von Leistungen vom stationären in den ambulanten Bereich sowie den Bettenabbau.

5. Was bedeutet die Verlagerung von ambulant zu stationär?

Dank des medizinisch-technischen Fortschritts führen Ärzte laufend mehr ambulante statt stationäre Behandlungen durch. Das trägt zur Kostenreduktion bei, insbesondere durch die wegfallende Übernachtung im Spital.

6. Wer spart durch die Spitalgruppe wie viel Geld ein?

Die zusammengeschlossenen Spitäler werden dank der engeren Zusammenarbeit 70 Millionen Franken pro Jahr einsparen. Laut den Gesundheitsdirektoren ist das konservativ geschätzt. Und in den Kassen der beiden Kantone werden jährlich insgesamt 10 Millionen Franken mehr liegen bleiben.

7. Bedeutet die neue Spitalgruppe, dass USB und KSBL privatisiert werden?

Nein. Als Rechtsform ist eine gemeinnützige Aktiengesellschaft (AG) vorgesehen. Basel-Stadt und Basel-Landschaft bleiben Mehrheitsaktionäre zu mindestens 70 Prozent.

8. Wird es eine Abstimmung über die Spitalgruppe geben?

Das ist wahrscheinlich. Die Parlamente der beiden Kantone entscheiden wohl bis Mitte 2018 über die konkrete Ausgestaltung des Projekts. Das Volk könnte abstimmen, sofern das Referendum gegen den Parlamentsbeschluss ergriffen würde oder eine Volksinitiative zustande käme. Bis Mitte 2017 kommt zudem die Initiative «Ja zum Bruderholzspital» an die Baselbieter Urnen. Sie bekämpft den Abbau am Bruderholzspital. Die beiden Gesundheitsdirektoren erachten dieses Begehren als matchentscheidend für das gesamte Projekt.

9. Wie geht es jetzt weiter?

In den nächsten vier Jahren wird sich für die Patienten erst einmal nichts ändern. Nun wird das Vorhaben konkretisiert und die Umsetzung vorbereitet. Zeitgleich läuft der politische Prozess. Falls das Projekt durch die Parlamente kommt und allfällige Abstimmungen übersteht, soll die neue Spitalgruppe spätestens Anfang 2020 gegründet werden. Das Ende der gesamten Zusammenführung ist für 2026 geplant.

10. Wo finden sich Informationen zur neuen Spitalgruppe?

Die wichtigsten Informationen finden Sie unter www.spitalgruppe.ch.

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