Sie währte nur kurz. Aber als sich der Tross um Bundesrätin Doris Leuthard aufmachte, den Stand von Chopard an der Baselworld zu entern, entstand so etwas wie Aufregung. Ein Journalist meinte, vor einer halben Stunde habe sich hier ein gewisser Colin Firth blicken lassen. «Was? Der Schauspieler? Dieser sexy Brite?» Das Blut gewisser Ladies geriet augenblicklich in Wallung. Und auch Eva Herzog liess sich zu einem «Oh!» hinreissen. «Den hätte ich gerne gesehen, der ist toll.»

Die Basler Finanzdirektorin verschob extra eine Sitzung mit der Finanzkommission, damit sie am offiziellen Eröffnungsrundgang mit Polit- und Wirtschaftsprominenz, angeführt von einer frühlingshaft gekleideten Messeleiterin Sylvie Ritter, teilnehmen konnte. Lohnt sich das überhaupt noch, jetzt, da die Uhren- und Schmuckmesse merklich geschrumpft ist? «Jetzt erst recht. Es ist wichtig, hier präsent zu sein und damit zu signalisieren, dass die Baselworld nach wie vor ein enorm wichtiger Anlass für die Industrie und die Stadt Basel ist», sagte Herzog. Sympathische Aussage der Regierungsrätin, die weiss Gott schon einen genug vollen Terminkalender hat. 

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Halb so gross und zwei Tage kürzer – Bundesrätin Doris Leuthard eröffnet die Baselworld

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Ihr gleich taten es Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin und sein Pendant vom Lande, Thomas Weber. Die Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann glänzte derweil mit Abwesenheit, was allerdings nur unter den wenigen Fotografen und Journalisten zur Kenntnis genommen wurde. Sie hechelten wie jedes Jahr der illustren Gruppe am Donnerstagmorgen kreuz und quer durch die Halle 1 nach, der Ablauf des Rundgangs ist identisch mit jenen der Vorjahre: Besuche bei Rolex, Patek Philippe, Omega, Harry Winston, Blancpain, Tag Heuer, Chopard. In der Rekordzeit von einer Stunde – nur die ganz grossen Player erhielten die Ehre. «Business as usual», meinte dazu Ueli Vischer, Präsident der Messe Schweiz. «Die wichtigsten Vertreter der Branche wollen wir nicht auslassen. Das ist eine ziemlich strenge Hierarchie.»

Hoffen auf stabile Zahlen

Zur Tatsache, dass die Messe im 2018 mit nur halb so vielen Ausstellern aufwartet – rund 650 sind es –, sagte Vischer: «Wir hoffen, dass diese Zahl in den kommenden Ausgaben stabil bleibt. Die Zeichen dafür stehen gut, es hängt aber vom Erfolg der Aussteller an der diesjährigen Messe ab. Wir müssen jetzt das Beste daraus machen, um die Ausstrahlung der Baselworld zu bewahren.»

Das klingt bescheiden, und so war die Stimmung auch auf dem Rundgang. Abgesehen von der Aufregung um Colin Firth herrschte eine fast schon andächtige Ruhe unter den Teilnehmenden. René Kamm, Chef der Messe Schweiz, strahlte gar eine Prise Demut aus. Dies kam in seiner Ansprache zur Eröffnung zum Ausdruck, als er sich «herzlich» für die Anwesenheit von Bundesrätin Leuthard bedankte, was die Wichtigkeit dieses Anlasses zum Ausdruck bringe. «Wir setzen alles daran, die Qualität der Messe zu maximieren», so Kamm.

Leuthard wiederum setzte bei ihrer Rede auf Durchhalteparolen: «Die Baselworld wird Bestand haben. Veränderungen sind immer eine Chance, Altes zu überdenken; sie sind eine Chance, noch besser zu werden». Die Bundesrätin sorgte nicht nur mit ihrer Ansprache für ein kleines Highlight, sondern auch mit ihrer Garderobe. Zum dezenten Hosenanzug trug sie ein orangefarbenes Foulard und ein knallrotes Täschchen aus Lackleder, «cross body» getragen, wie es die Fashionistas heute tun. Gut beraten, die Frau.

Gewisse Herren dürften dies neidisch zur Kenntnis genommen haben, haben sie doch nur begrenzt die Möglichkeit, modische Akzente zu setzen. Und da wären wir wieder bei den Uhren und bei Christoph Brutschin, denn wie er richtig festhielt, stellten diese eines der wenigen Mittel dar, sich als Mann ein wenig zu schmücken. Der Wirtschaftsdirektor outete sich als Uhrenfan: «Es ist immer wieder spannend, die Neuheiten der Branche zu entdecken. Ich werde sicher auch noch privat durch die Messe streifen. Uhren faszinieren mich.» Er selbst trage einen Chronographen von Louis Erard. Ein stilvoller und zeitloser Begleiter.