Basel Tattoo

Was den russischen Tänzern an Basel am besten gefällt

Lumpen- und Matrosenlieder sind ein Markenzeichen der Russen.

Lumpen- und Matrosenlieder sind ein Markenzeichen der Russen.

Das Igor Moiseyev State Academic Ensemble war schon im Rhein – beim Tanzen zieht es aber Trockenheit vor.

Sie sind ohne Frage ein Highlight des diesjährigen Tattoos. In dunkelblauen Matrosenuniformen springen die 36 Tänzer des Igor Moiseyev State Academic Ensemble of Popular Dance über die Bühne. Den Arm über die Schulter gelegt, zeigen die Russen eine bemerkenswerte Kombination von Sprungfiguren, Beinschwüngen und präziser Fussarbeit – eben: Tanzkünste auf höchstem Niveau.

Für die Gruppe ist es der erste Aufenthalt in Basel. Und sie geniessen ihn in vollen Zügen. «Bereits am ersten Morgen kauften die Jungen sich alle einen Wickelfisch und sprangen in den Rhein», erzählt Artistic und Executive Director Elena Shcherbakova. Auch die Altstadt und der Ausblick vom Münster hätten die Russen begeistert. «Basel ist so eine schöne Stadt, das Essen ist grossartig und die Menschen empfangen uns offen und herzlich», erzählt Elena Shcherbakova.

Volkstanz trifft Ballett

Für die Tänzer ist es nicht nur der erste Aufenthalt in Basel, sondern auch die erste Teilnahme an einem Tattoo. Denn das Ensemble entstammt nicht einer Militärkompanie, sondern der renommierten Igor Moiseyev Dance Company.

Neben den 36 anwesenden Tänzern vervollständigen 124 weitere Männer und Frauen das Ensemble. Igor Moiseyev gründete die Tanzschule 1937, auch nach seinem Tod im Jahr 2006 steht die Company weiterhin für ausserordentliche Präzision und Disziplin. Sieben Stunden pro Tag und sechs Tage die Woche trainieren die Profitänzer. «Sie müssen sehr hart arbeiten», sagt die Direktorin. «So gut es für den Zuschauer auch aussieht – wir finden immer Möglichkeiten, uns zu verbessern.»

Herausforderung Regen

Shcherbakova war selbst einmal Profitänzerin des Ensembles. Nach Ende der Tanzkarriere entschied sie sich für die Weiterarbeit als Tutorin in der staatlichen Ballettkompanie. «Meine Aufgabe ist es, das Vermächtnis von Moiseyev zu bewahren», erklärt sie. Denn Moiseyevs Tanzstil ist aussergewöhnlich und weltweit einmalig. Mit Elementen aus dem Volkstanz und aus dem Ballett kreierte der Tanzmeister einen neuen Tanzstil, den er in über 300 Choreografien einfliessen liess.

Die am Tattoo aufgeführte Performance basiert auf einem russischen Seemannslied. «Es war das Lumpenlied der Matrosen vor der Zarenzeit», erklärt Shcherbakova. Es ist zudem eines der Markenzeichen der Kompanie.

Der Auftritt am Tattoo brachte jedoch auch Schwierigkeiten mit sich: Normalerweise tritt die Gruppe auf Bühnen mit Holzböden auf. Nur mit feinen Tanzschuhen bekleidet, fordert der Steinboden der Arena daher erhöhte Konzentration. «So lange es nicht regnet ist alles in Ordnung. Der Regen würde den Boden rutschig machen», so Shcherbakova. «Doch bis jetzt hatten wir grosses Glück.»

Trotz strengstem Regime bleibt zwischendurch auch Zeit für Spass. «Wir sind wie eine grosse Familie», erklärt die Direktorin. Tatsächlich heiraten viele der Tänzer innerhalb des Ensembles. Der Nachwuchs wiederum wird dann häufig an die hauseigene Tanzschule des Moiseyev Balletts geschickt.

Im Zolli waren sie auch schon

Die engen Beziehungen zeichnen sich auf der Bühne ab. Die Tänzer sind perfekt aufeinander abgestimmt und arbeiten harmonisch zusammen. Auch die Freizeit verbringt das Ensemble häufig zusammen. So besuchte es am Sonntag den Zolli und wohnte sogar der Geburt eines Lamajungen bei.

Nach dem Auftritt am Tattoo geht es weiter nach China, Russland und Frankreich, bis die Tänzer am 15. August ihre wohlverdienten Ferien antreten dürfen.

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