Schulanfang

Was die Basler Erziehungsdirektoren Kindern und Jugendlichen mit auf den Weg geben

Die Erziehungsdirektoren beider Basel begrüssen neue und ältere Schüler nach den Sommerferien.

Neugierige Blicke, schüchternes Händchenhalten mit den stolzen Eltern und erwartungsvolles Mustern der neuen Lehrpersonen, während ältere Schüler gewohnheitsmässig lässig über den Schulhof schlendern: Solche Szenen spielten sich am Montag in zahlreichen Schulhäusern und Pausenhöfen in der ganzen Region ab. Rund 1600 Kinder in Basel-Stadt und 5500 in Baselland haben ihren ersten Schultag in der Primarschule angetreten.

Rampenlicht für die Berufsmatur

Im Basler Gotthelf-Schulhaus fand sich unter den Erstklässlern und Kindergärtnern auch der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer, um diese zu begrüssen. Seine Baselbieter Kollegin Monica Gschwind indes verzichtete bewusst darauf, in eine Primarschule oder einen Kindergarten zu gehen. Ihr Besuch fand an der Gewerblich-Industriellen Berufsfachschule Muttenz (GIBM) statt. «Die Berufsmatur liegt mir sehr am Herzen, und aus diesem Grund suchte ich nach Möglichkeiten, diese ins Rampenlicht zu stellen», erklärt die Baselbieter Bildungsdirektorin.

«Wichtig ist, dass unsere Jugendlichen und vor allem auch ihre Eltern alle Möglichkeiten kennen und entsprechend einen passenden Ausbildungsweg für sich auswählen», sagt Monica Gschwind. Die rückläufigen Zahlen von Berufsmaturanden im Kanton Baselland seien bedauerlich, besonders angesichts des Fachkräftemangels, der im Zuge gesellschaftlicher und demografischer Entwicklungen drohe. «Heute zeigt sich, dass leider immer noch viele Eltern, Schülerinnen und Schüler und zum Teil auch Lehrpersonen die Berufsmatur gar nicht kennen oder ihren Stellenwert falsch einschätzen», sagt Gschwind. Dies, obwohl man bereits 2012 die Informationskampagne «Berufslehre plus Berufsmatur» lanciert habe.

Theorie und Praxis verbinden

Auch Christopher Gutherz, Rektor der GIBM, betont die Problematik, dass Eltern ihre Kinder häufig in Richtung gymnasiale Matur und universitäres Studium lenken, «vielfach geprägt von der Vorstellung, das Handwerk sei etwas Minderwertiges, sowieso nur schlecht bezahlt und darum auch nicht zukunftsträchtig. Beides ist falsch.» Die Berufsmatur verbinde theoretisches Wissen und intellektuelle Bildung mit praktischen Fertigkeiten, was sich für schulisch starke Lernende mit praktischer Begabung eigne. «Die Berufsmatur ist eine vollwertige Alternative zur vollschulischen Ausbildung, vornehmlich deshalb, weil später jederzeit ein Studium angehängt werden kann», führt Gutherz aus.

Eine umwerfende Deutschlektion

Der Einführung folgt der Besuch einer Berufsmaturklasse im Deutschunterricht. Die Lehrerin von Scuderi beschäftigt heute die Lernenden des Fachbereichs Applikationsentwicklung und Systemtechnik. Während sie ihre Schüler über die zentralen Charaktere des Werks befragt, freuen sich Bildungsräte, Medienschaffende und vermutlich auch Monica Gschwind, dass von ihnen keine Antworten erwartet werden. Die Schüler zeigen sich umso motivierter und lassen sich vom hohen Besuch nicht beirren.

Auf dem Rückweg zur Aula sorgt Gschwind für eine Schrecksekunde: Sie verliert das Gleichgewicht und stürzt auf der Treppe. Nach einer kurzen Erholungspause kann sie die Veranstaltung jedoch souverän zu Ende führen. Sie schliesst: «Mein Aufruf an alle Jugendlichen, die schulisch stark und praxisbegabt sind: Prüft diesen interessanten Ausbildungsweg. Im Anschluss stehen euch alle Möglichkeiten offen.» Auch für die Erstklässler der Primarschulen haben sich am Montag neue Möglichkeiten eröffnet: Das Abenteuer Schule hat begonnen.

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