Das Grossprojekt Hafenumgestaltung polarisiert in Basel, noch bevor Entscheidungen gefallen sind. Seit vergangener Woche treten die Gegner der Planung und einer mit Hochhäusern überbauten Rheininsel mit einer gemeinsamen Homepage in Erscheinung. Ihr gemeinsamer Nenner ist die Ablehnung aller Modelle wie «Rheinhattan» und der «Vision 3Land».

«Wir wollen nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden» und «Der Boden am Klybeckquai darf nicht an private Investoren verkauft werden», heisst es im Originalton auf der Seite.

Quartiervertreter ohne Namen

Statt einer Ansprechperson sind auf www.klybeckinsel.ch die Träger der Homepage angegeben. Diese sind die Wohngenossenschaft Klybeck, die Promotoren von Greenhattan, die Betreiber des Blogs «Rheinhattan versenken» und die Befürworter einer Vogelinsel sowie «viele Einzelpersonen». Vereint sind in dieser Trägerschaft fundamentale Gegner jeglicher Veränderung sowie die Promotoren eines sozialen und ökologischen Wohnquartiers mit dem Namen «Greenhattan».

Die Vogelinsel-Befürworter hoffen, dass bis 2040 die Rheininsel bewaldet ist und nur noch Zwischennutzungen bestehen. Dies illustrieren sie mit einer Schwarz-Weiss-Luftaufnahme von 1893. Fundamentalen Widerstand spiegelt der Blog «Rheinhattan versenken». Dezidiert heisst es dort: «Aufwertung ist Verdrängung.» Die Betreiber warnen vor Gentrifizierung, die im Quartier schon heute im Gange sei und wollen sich «gegen die drohende Verdrängung aus unserem Lebensraum» wehren.

Der Blog dokumentiert sämtliche Protestaktionen, und das waren bisher etliche. Am Klybeckfest im August schlugen Rheinhattan-Gegner den Basler Stadtentwickler in die Flucht (die bz berichtete). Bei einem Podium zur Stadtentwicklung im September verteilten sie Flyer, und am Stadtgespräch des Regionaljournals Ende November störten sie lauthals und mit tragbaren Alarmen die Liveübertragung.

Sehr konkrete Vorschläge

«Hinter der Homepage steht primär das Quartier mit seiner Vielfalt», erklärt Tonja Zürcher. Sie ist Geschäftsführerin von WWF Aargau, Mitglied des Jungen Grünen Bündnisses und unterstützt als Mitglied von Greenhattan den gemeinsamen Auftritt der Gegner. Wichtig sei, dass es eine Möglichkeit gebe für die Bewohner, sich in die Diskussion einzubringen, sagt Zürcher. «Wir wünschen uns, dass die Bevölkerung stärker einbezogen wird.» Als Mitglied von Greenhattan fordert Zürcher «ein grünes, genossenschaftliches Ökoquartier». Als Vorbild für Greenhattan dient zum Beispiel das Quartier Vauban in Freiburg.

Dieser schon ziemlich konkrete Vorschlag stösst bei den Basler Behörden auf offene Ohren: «Der Vorschlag liegt eigentlich auf der Linie des Kantons», sagt Thomas Waltert, Projektleiter der Hafenentwicklung beim Bau- und Verkehrsdepartement. Einzig der Anspruch auf eine zu hundert Prozent genossenschaftliche Nutzung sei nicht im Sinne der Behörden: «Wir wollen ein gemischt genutztes Quartier.» Auf weniger Verständnis stossen bei ihm die fundamentalen Gegner: «Sie haben uns entweder falsch verstanden oder wollen den Status quo bewahren», glaubt Waltert.

Er betont, dass in Bezug auf die Planung Klybeck/Kleinhüningen noch nichts beschlossen sei, und es sich bei der Visualisierung, die heute als Rheinhattan bezeichnet wird, lediglich um eine Testplanung handle. «Behördenverbindlich festgesetzt ist erst die Richtplanung von 2009, nicht aber deren Ausgestaltung.»

«Ängste ernst nehmen»

Es sei natürlich, dass eine anstehende Veränderung - und diese komme in jedem Fall - Ängste auslöse. «Wir suchen den Dialog mit der Bevölkerung, das läuft schon seit einem Jahr.» Eine Herausforderung sei nun, mit den fundamentalen Gegnern eine Basis für die Kommunikation zu finden. Denn: «So wie es momentan läuft, wird nur verhindert», sagt Waltert.