Ein Monat ist vergangen, doch der Schreck sitzt immer noch tief in den Knochen der Bevölkerung. Anfangs November gab die Post die Schliessung der Hauptpostfiliale in Basel und somit ihren Rückzug aus dem Gebäude an der Rüdengasse bekannt. Trotz guten Argumenten für den Auszug, wie das hohe Defizit, die teure Miete oder die hohe Filialdichte in der Stadt, war und bleibt die Basler Bevölkerung empört.

Tradition verschwindet

Denn neben dem praktischen Aspekt war die Poststelle vor allem emotional in den Herzen der Städter verankert. Dies sieht auch Pro-Innenstadt-Geschäftsführer Mathias Böhm so: «Man kann sich bei einer solchen Institution kaum vorstellen, dass sie einmal verschwindet». Tatsächlich ist die Post bereits seit 163 Jahren in dem altehrwürdigen Sandstein-Prachtbau zu Hause. 2018 wird diese Tradition vorerst vorbei sein, und damit stellt sich die Frage: Wer oder was zieht ab 2018 in das Hauptpostgebäude ein?

Inzwischen geistern bereits mehrere Ideen durch die Köpfe der Bevölkerung. Baudirektor Hans-Peter Wessels versucht, möglichst die Tradition der Post aufrecht zu erhalten. «Eine Möglichkeit wäre, zum Beispiel im Gebäude nebst dem Postgeschäft auch kantonale Dienstleistungen anzubieten», erklärte er der «Schweiz am Sonntag» Mitte November. Dabei kämen unter anderem die Einwohnerkontrolle oder eine Infostelle für Basel Tourismus als Neunutzungen infrage.

Auch Lidl Schweiz wurde bereits mit der Umnutzung des Gebäudes ins Spiel gebracht. Der zweitgrösste Discounter-Konzern weltweit bezieht in den kommenden Wochen bereits in Zürich das Gebäude der Hauptpost, das im Oktober dieses Jahres frei geworden ist.

Textilriese möglicher Nachfolger

Auch FDP-Grossrat Christophe Haller will das Gebäude umnutzen lassen, wie er anfangs November sagte: «Wenn es eine internationale Kette wäre, wäre es in Ordnung, sofern sie die Attraktivität der Stadt steigert.»

Tatsächlich entspricht dies dem ursprünglichen Zweck des Gebäudes. Seit dem Bau im Jahr 1376 bis zur Übernahme durch die Post im Jahr 1853 war ein Handelshaus im Gebäude an der Rüdengasse untergebracht.

Auch Böhm könnte sich eine mögliche Neubesetzung durch ein Modehaus vorstellen. So sei das Gebäude beispielsweise für den spanischen Textilriesen Inditex interessant, der beliebte Marken wie Zara, Pull & Bear, Bershka oder Massimo Dutti vertreibt.

Klar ist, dass traditionsreiche Gebäude soll von einem attraktiven Ableger besetzt werden. Denn: «Zentral für ein florierendes Geschäft ist, dem Kunden ein Erlebnis zu bieten», erklärt Böhm. Und florierende Geschäfte bedeuten eine florierende Innenstadt. Ganz in diesem Sinne schlägt die bz-Redaktion folgende zehn attraktive Umnutzungen des Hauptpostgebäudes vor.

1. Indoor-City-Beach

Genau das Richtige für kalte Tage wie heute. Eine Strandlandschaft mit Sand, Liegestühlen, Cocktail-Bars und Sonnenbrillen. Von der Decke Wärmelampen, die für Temperaturen wie an einem sonnigen Tag im Süden sorgen. Daneben ein Beachvolleyballfeld für die Sportlichen, und am Strand Muscheln und Schaufeln für grosse und kleine Sandburgenbauer – perfekt für ein bisschen Sommerfeeling auch in der kalten Jahreszeit.

2. Siesta-Betten

Egal ob man Schüler, Handwerker, Büroarbeiter oder Chef ist: Das Leben ist anstrengend. Da schreit es doch nach einer Möglichkeit, sich eine halbe Stunde Schlaf durch den Tag hindurch zu gönnen. Die Lösung: eine Bettenlandschaft mit Hunderten von Betten, verteilt im ganzen Saal. Dazu abgedunkelte Fenster und absolute Ruhe im Saal. Hinzu kommt ein Weckdienst, der einen zu einer bestimmten Uhrzeit wieder aufweckt – sodass man den Tagesablauf gestärkt wieder aufnehmen kann.

3. Service-public-Museum

Sei es die Post, sei es die SBB oder die Swisscom: Alles wird immer teurer – gleichzeitig aber werden Dienstleistungen abgebaut. Die Basler Hauptpost ist nur die Spitze des Eisbergs. Der Service public ist längst nicht mehr das, was er einmal war. Bald können sich nur noch die älteren Semester an die guten alten Zeiten erinnern. Deshalb braucht es jetzt ein Service-public-Museum – bevor schweizweit die letzte Poststelle geschlossen ist.

4. Sheep-Cafe

Das gibt es tatsächlich schon, in einem Coffee Shop in Seoul. Das Sheep-Cafe in der südkoreanischen Hauptstadt bietet seinen Kunden nicht etwa Schaffleisch oder Wollpullis. Nein, zu Kaffee und Kuchen gibt es dort lebendige Schafe. Die Besucher dürfen sie streicheln, mit ihnen kuscheln oder Erinnerungs-Selfies schiessen. Das Sheep-Cafe erfreut sich bei Touristen wie Einheimischen grosser Beliebtheit und würde bestimmt auch in Basel auf Anklang stossen.

5. Hunde-Sitter

Für diese Idee hatte die SP im Sommer nur Spott und Häme geerntet: ein Hundepark mitten auf dem Marktplatz. Deutlich besser geeignet wäre da die ebenfalls zentral gelegene Hauptpost. Der Vierbeiner wäre nicht der prallen Sonne ausgesetzt, und Passanten müssten sich nicht am Dauergekläff stören. Auch könnte der Service gleich mit einem Hundesitting verbunden werden. Der Stadtbesucher kann den Hund abgeben, und sich auf eine Shoppingtour begeben.

6. Urban Gardening

Ein riesiges Gewächshaus mitten in der Stadt. Von der Pilzzucht im Keller, über die Salat- und Karottenbeete im Erdgeschoss, bis zu den Kürbisranken, die sich den Wänden entlang ausbreiten und das Gebäude in eine grüne Oase verwandeln. Eine Anbau- und Erntefläche für alle Stadtbewohner, die ihrem grünen Daumen eine Chance geben wollen.

7. Indoor Kletterpark

Kletterwände, Seilparcours, Zip Lines. Sie alle erfreuen sich grosser Beliebtheit und eignen sich hervorragend als beliebte Ausflugsziele für alle Abenteuerlustigen. Warum also nicht einen Park mitten in der Stadt anbieten? Würde sich auch als Trainingsfläche für alle Parcours-Begeisterten anbieten.

8. Go-Kart-Bahn

Ebenfalls eine beliebte Freizeitbeschäftigung bieten die kleinen, tiefliegenden Karts. Auf den Bahnen können sich Amateure wie GP-Profis fühlen und sich Kopf-an-Kopf-Rennen liefern – und dies relativ ungefährlich. Da der Platz im Gebäude beschränkt ist, könnte man die Bahn mehrstöckig anlegen, mit Extra-Nervenkitzel und Fahrspass.

9. Bälleli-Pool

Für die meisten Kinder ist es das Highlight jedes Indoor-Spielplatzes. Doch erst als Erwachsener merkt man, wie cool sie eigentlich waren: die runden, kleinen Bälle im «Bällelibad». Doch leider dürfen diese meist nur von Kindern unter acht Jahren benutzt werden. Wie wäre es mit einem riesigen «Bällelibad» ohne Altersbegrenzung?

10. Spa-Landschaft

Schnelligkeit, Hast und Stress prägen die heutige Zeit. Wer ist da nicht auf der Suche nach Ruhe und Erholung für Körper und Geist. Was würde sich also besser anbieten, als das Gebäude mit einer Spa-Landschaft zu besetzen? Ein riesiges Wellness-Angebot mit Whirlpools, Thermalbädern, Massage-Angeboten. Eine Oase der Erholung mitten in der Stadt.