Coronavirus

«Was für ein Hü und Hott!»: Vertreter des Basler Nachtlebens üben scharfe Corona-Kritik an Lukas Engelberger

Das Nachtleben und Festivals wie «Im Fluss» tragen massgeblich zur Wertschöpfung in Basel bei.

Das Nachtleben und Festivals wie «Im Fluss» tragen massgeblich zur Wertschöpfung in Basel bei.

Neue Coronaregeln für Nordwestschweiz, plötzlich kommuniziert: Gastro- und Kulturszene reagiert entschieden auf die Basler Verordnung – und den Zeithorizont. Immerhin zieht das Stadtcasino seine Eröffnung nach ersten Unsicherheiten wie geplant durch.

Gemeinsam habe man die Coronaregeln in der Nordwestschweiz verschärft, teilten die Regierungen von Basel-Stadt, Baselland, Solothurn und dem Aargau mit. Nur noch 100 Leute sind in Bars und Clubs zugelassen, wenn ausser Kontakterfassen keine weiteren Schutzmassnahmen möglich sind. Nach Bundesverordnung wären es 300. Doch bei den Massnahmen hört die Gemeinsamkeit auf. Basel-Stadt ist am strengsten mit seinen Einwohnern und erlässt die Verordnung gleich bis Ende Jahr.

Das irritiert die Basler Kultur- und Gastroszene. Das Komitee «Kulturstadt Jetzt!», dem parteiübergreifend auch mehrere Basler Grossrätinnen und Grossräte angehören, kritisiert die Basler Regierung und insbesondere Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger (CVP) scharf. Zum einen geht es um die Kommunikation der Regierung, zum andern um eine «angemessene Konsultation» von Branchenvertretern.

Branche in Aufruhr – Stadtcasino zieht Eröffnung durch

Hinzu komme, dass der Erlass der aktuell verschärften Massnahmen den Eindruck von Willkür hinterlasse. So sagt Elias Schäfer von «Kulturstadt Jetzt!»: «Dieses Hü und Hott muss ein Ende haben.» Für die Nachtkultur sei dies verheerend. Erst kam es zu einem Totalausfall wegen des Lockdowns, dann wurde gelockert, jetzt wird wieder verschärft – und das innert weniger Monate. «Das schürt Unsicherheiten und resultiert in einem immensen Mehraufwand und wirtschaftlichen Schaden. Die Betreiber sind frustriert und es entsteht die falsche Wahrnehmung in der Öffentlichkeit.»

Alt FDP-Grossrat Schäfer kennt die Szene, begleitet sie auch ausserhalb von «Kulturstadt jetzt» seit Jahren. Der Kanton verfüge über eine Taskforce zum Nachtleben, habe diese in die neusten Entscheide aber zu wenig mit einbezogen: «Dabei ist die Bereitschaft zur Mitwirkung gross, das Engagement erfolgt oft ehrenamtlich.» Informiert würde stattdessen weitgehend über die Medien und die betroffenen Betriebe müssten sich Informationen erst mühsam zusammenklauben.

«Das sind alles professionelle Wirtschaftsbetriebe», sagt Schäfer. Die Gastronomie sowie das Nachtleben tragen massgeblich zur Wahrnehmung von Basel und damit zur Wertschöpfung bei. Gerade in Krisenzeiten brauche die Branche Planungssicherheit, um das langfristige Überleben zu sichern. Schäfer ist damit nicht der Einzige, der dem Unmut über die Kommunikation des Entscheids Luft macht. Einige Clubs erwägen, vorübergehend wieder zu schliessen. Derweil das Basler Stadtcasino am Donnerstag entschieden hat, die Eröffnung wie geplant durchzuführen. Am Mittwoch herrschte dazu noch Unsicherheit.

Ruf nach Unterstützungen, Verunsicherung zur Vorfasnacht

Ähnliche Kritikpunkte wie «Kulturstadt Jetzt» benennt auch Fasnachtsunternehmer Patrick «Almi» Allmandinger. Während er sein Lokal «Fasnachtsstuube» bereits baulich ausgerüstet hat, um den Betrieb weiterzuführen, stellen sich für ihn vor allem Fragen, was nach dem 31. Dezember gelten wird. Als Vorfasnachtsveranstalter ist er damit nicht allein. Sein «Läggerli» werde er auf jeden Fall durchziehen. Doch die planerischen Unsicherheiten seien angesichts der aktuellen Informationslage eine Herausforderung: «Es braucht eine bessere Kommunikation.»

Mittlerweile wird nun auch in Basel-Stadt der Ruf nach Unterstützung für die entsprechenden Betriebe immer lauter. «Kulturstadt Jetzt» stellt die Frage nach Hilfeleistungen für die Firmen, da die Kosten für das Aufrechterhalten des Betriebs angesichts der Massnahmen laut Schäfer bedeutend sind. «Insbesondere, wenn der Staat das Angebot und damit den operativen Betrieb dermassen stark reguliert».

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