Seit 1919 ist der Laden an der Freien Strasse angesiedelt. Er wird in der dritten Generation als Familienunternehmen geführt. Doch jetzt ist Schluss: Spira schliesst Anfang 2016.

Das traditionelle Basler Modehaus ist nicht der einzige Laden, der aufgibt. Schlendert man vom Barfüsserplatz zum Marktplatz durch die Gerbergasse, sieht man drei leere Ladenlokale. Der Eckladen am Barfüsserplatz 20 steht schon wieder leer. Läuft man weiter, sieht man das vierstöckige Haus, in dem die Botty AG eingemietet war. Komplett leer. Und auch der Laden von PKZ, Paul Kehl, in der Gerbergasse wenige Meter weiter, hat seine Türen nicht mehr geöffnet. Was ist bloss mit den Läden in der Basler Innenstadt los?

Kleine Läden betroffen

Für François Spira sind die ansteigenden Kosten der ausschlaggebende Grund: «Wir haben 17 Mitarbeiter, sind ein Einzelgeschäft. Wir führen einen kompletten Laden.» Bei Ladenketten seien einige Arbeiten, welche bei ihm anfallen, zentral geregelt. «Eine Ladenkette hätte auf unserer Verkaufsfläche lediglich sechs Mitarbeiter.»

«Pour Elle Brautmode» von Silvia Jauslin muss ihren Standort in Basel ebenfalls aufgeben. Jauslin sieht ein weiteres Problem darin, dass das Angebot in den grenznahen Städten in Süddeutschland auf den zunehmenden Einkaufstourismus reagiert. Aus diesem Grund behält sie ihren Laden in Lörrach. Zudem belasten die teuren Mieten in der Innenstadt vor allem kleine Ladenbesitzer: «Wenn ich nur die halbe Miete bezahlen müsste, würde ich meinen Laden in Basel noch so gern behalten», meint sie.

Dazu kommen weitere Gründe: Das 8er-Tram fährt bald doppelt so oft nach Weil, der Einkaufstourismus nimmt weiter zu, der Franken bleibt stark. Als die bz bei verschiedenen Läden in der Innenstadt nachfragt, kommt ein weiterer Grund zutage: das Internet.

Die Endkunden fehlen

Nachdem Ingeno-Data den kleinen Laden am Barfüsserplatz 20 aufgegeben hatte, mietete sich Sony ein. Keine zwei Jahre später gab Sony wieder auf. Thomas Zitzer, Geschäftsleiter bei Ingeno-Data, hat dafür eine Erklärung: «Der Einkaufstourismus ist nicht unser Hauptproblem. Wir Detailhändler in der Elektronikbranche leiden alle massiv unter dem Internet.» Auch an der Güterstrasse hat Ingeno-Data Probleme: «Wir haben glücklicherweise Geschäftskunden, uns fehlen aber die Endkunden», meint Zitzer. Der normale Kunde schaue sich die Produkte gerne im Laden an und lasse sich beraten, kaufe dann aber im Internet.

Die zunehmenden Käufe im Internet belasten die gesamte Branche. Die Käufe im Internet erfolgen in einem «zollfreien» Gebiet und sind Grund für ein Steuerloch in der Schweiz. Kunden, welche im Internet bestellen, kaufen nicht nur von Anbietern in der Schweiz. Wer im Ausland einkauft, kann die im Ausland höher angesetzte Mehrwertsteuer zurückverlangen und die Schweizer Mehrwertsteuer von 8 Prozent wird auch nicht bezahlt. Ein sozialpolitisches Grundsatzproblem wird immer grösser. Spira nützen die Erklärungen nichts. Nach 97 Jahren schliesst der Laden, und die Freie Strasse verliert ein weiteres Stück Basler Tradition.

Diese Geschäfte haben aus verschiedenen Gründen in den letzten Monaten dichtgemacht oder Filialen aufgegeben: Paul Kehl, Post Finance, Sony Schweiz, Botty AG, Kost Sport, Kohler Mode, Pour Elle Brautmode, Pieces, Deiss, Monn.