Stadthühner

Was ist noch trendiger als Tomaten aus dem Balkonkistli? Frische Eier vom Basler Flachdach!

Alex Reiner bringt die Hühner in die Stadt und erschliesst damit ein ganz neues – beziehungsweise uraltes – Feld urbaner Rohstoffproduktion.

Die Bewilligung für den ersten Basler Flachdach-Hühnerhof enthält eine Auflage: Nur Bewohnerinnen dürfen einziehen, ein krähender Hahn ist verboten. «Damit können wir leben, uns interessiert primär das Zusammenleben mit den Tieren und natürlich die Eier», sagt Neo-Hühnerhalter Alex Reiner. Er wohnt im obersten Stock eines Mehrfamilienhauses an der Gundeldingerstrasse.

Das Flachdach, auf dem nun drei Seidenhühner und ein Appenzeller Spitzhaubenhuhn gackern, gehört anteilmässig allen zehn Stockwerk-Eigentümern. «Wir haben natürlich nachgefragt und werden uns mit frischen Eiern erkenntlich zeigen», sagt Reiner.

Doch bis es soweit ist, müssen die erst drei Monate alten Hennen noch wachsen. «Ich rechne damit, dass sie nächsten Frühling mit dem Legen beginnen und wir danach pro Huhn und Jahr zwischen 80 und 120 Eier erhalten.»

Er und seine Partnerin hätten das Ziel, möglichst viel Natur in die Stadt zu bringen, sagte Reiner im vergangenen Oktober zu «Onlinereports». Damals war die Baupublikation ausgeschrieben. Denn Reiners Hühner sind nicht nur seidig, sondern ein Präzedenzfall. «Wir hatten mit geschätzt zehn verschiedenen Behörden zu tun, niemand wusste genau, ob für ein Flachdach-Hühnerstall eine Bewilligung nötig ist», sagt der Jurist. Was hingegen seit der Vogelgrippe verlangt wird, ist eine Meldung der Anzahl Tiere beim Ebenrain-Zentrum in Sissach.

Jetzt kommen die Stadthühner

Jetzt kommen die Stadthühner

Schutz vor Greifvögeln und dem «Gundeli-Marder»

Den Stall und das Gehege für seine vier Mitbewohnerinnen hat Reiner selbst gebaut. Vom ursprünglichen Plan, die von Natur aus flugunfähigen Seidenhühner frei auf dem Flachdach herumspazieren zu lassen, sei er abgekommen. «Die Gefahr, dass die Hühner von einem Greifvogel geschnappt werden, ist zu gross. Auch mindestens ein Marder soll hier im Gundeli zu Hause sein und könnte, als exzellenter Kletterer, das Flachdach erreichen.»

Deshalb hat Reiner nebst des selbst gezimmerten Stalls einen Hundezwinger als Voliere installiert. «Den ersten Regensturm haben sie unter dem Stall verbracht und gut überstanden», sagt Reiner. Und nachts fänden sie den Weg die Hühnertreppe hinauf in den Stall bereits ganz alleine.

«Es ist allgemein lustig zu beobachten, wie die vier ständig zusammen sind. Und wie friedlich sie sind.» Das war auch beim Besuch der bz so – einzig am Blitz des Fotoapparates hatten die Hennen keine Freude.

Gegenüber «Onlinereports» schilderte Reiner, dass es schon zu Streitereien gekommen sei. «Mit dem Frieden ist es vorbei, wenn statt Körner gelegentlich auch Tomaten auf dem Menuplan stehen: Dann geht der Streit los», sagte er. Doch genau das – das sinnvolle verwenden von Speiseresten – sei ein weiterer guter Grund, Hühner zu halten. «Zu viel davon darf man ihnen aber nicht geben, das vertragen sie schlecht.»

Ein paar Dächer weiter schwärmen Bienen aus

Der Kontrast zwischen der idyllischen Stadtoase hoch oben auf dem Flachdach und der Durchgangsstrasse unten könnte grösser nicht sein. Und dabei sind Reiners Hühner nicht die einzigen Nutztiere entlang der Gundeldingerstrasse. Nur einen Steinwurf entfernt hält ein Dach-Imker zwei Bienenvölker und produziert Honig, wie Reiner sagt.

Und – mehr zum Spass – fügt er an, dass ein Freund ihm schon geraten habe, zu den Hühnern noch ein paar Mini-Pigs zu halten. Noch winkt er ab, aber wer weiss: Es wären bestimmt auch die ersten Dach-Schweine der Stadt.

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