Basel-Stadt

Was macht die Feuerwehr, wenn sie keine Brände löscht?

Brände machen nur noch 10 Prozent der Basler Feuerwehreinsätze aus. Andere Aufträge, wie diese Bergung eines Storchennests 2011, füllen die Lücke.

Brände machen nur noch 10 Prozent der Basler Feuerwehreinsätze aus. Andere Aufträge, wie diese Bergung eines Storchennests 2011, füllen die Lücke.

Die Anzahl Brände hat sich in Basel innert eines Jahrzehnts halbiert, Brandopfer gab es seit 2000 auch massiv weniger. Die Basler Feuerwehr hat trotzdem genug zu tun.

186 Haus- oder Wohnungsbrände hat das Statistische Amt Basel-Stadt im vergangenen Jahr registriert – das ist der tiefste Wert seit Messbeginn in den 1980er-Jahren und nur noch halb so viele wie vor einem Jahrzehnt. Und auch die Zahl der Brandopfer konnte im Durchschnitt deutlich verringert werden: Während in den 1980er-Jahren in Basel innert eines Jahrzehnts noch 90 Personen durch Brände verletzt wurden oder gar starben, waren es in den 90er-Jahren noch 50 und im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts noch 30 Personen. Im vergangenen Jahr gab es gar keine Verletzten, die letzten Brandtoten mussten 2010 registriert werden.

«Heute wird dem Thema Brandschutz grundsätzlich ein viel höherer Stellenwert beigemessen als früher», sagt Thomas Wohlrab, Leiter Feuerpolizei bei der Kantonalen Gebäudeversicherung. Allgemein sei die Schweiz in Sachen Brandschutz weltweit führend. Ein Vergleich habe gezeigt, dass es in der Schweiz weltweit am zweitwenigsten Brände pro tausend Häuser gebe. Nur Singapur sei noch sicherer.

«Dazu beigetragen haben auch bessere Baustoffe. Während man früher einem Theater noch vorschreiben musste, dass brandsichere Vorhänge verwendet werden müssen, so gibt es heute gar nichts anderes mehr im Angebot.»

Keine Rauchmelder-Pflicht

Anders als in Frankreich, wo im letzten Jahr eine generelle Rauchmelder-Pflicht für Wohnungen eingeführt wurde, ist in der Schweiz der Einbau von Brandmeldern im reinen Wohnungsbau nicht vorgeschrieben. «Dies auch dank der konsequenten Umsetzung der Vorschriften im baulichen Brandschutz», so der Feuerpolizist. Auch Blitzableiter seien in Basel und in der Schweiz bei Privathäusern keine Pflicht. «Dennoch stelle ich fest, dass immer mehr Architekten auch bei Privathäusern Blitzableiter einbauen – was durchaus Sinn macht, um empfindliche elektronische Geräte im Haus zu schützen», sagt Wohlrab.

Die tiefere Anzahl Brände in Basel wird auch bei den Feuerwehren registriert. «Die Tendenz ist allgemein abnehmend, auch wenn zu den Wohnungsbränden noch eine kleinere Zahl zusätzlicher Brände wie Auto- oder Abfalleimerbrände kommen», sagt Daniel Weisskopf, Leiter Feuerwehr-Inspektorat beim Justiz- und Sicherheitsdepartement. Von den rund 2300 Einsätzen im vergangenen Jahr seien der grösste Teil, nämlich rund 700, Fehl- oder Täuschungsalarme gewesen. Dazu kämen Einsätze bei Wasserschäden, Insektenplagen und Verkehrsunfällen sowie Personenrettungen aus dem Rhein. «Und dann sind wir auch immer noch die schnellsten Handwerker in der Stadt, die auch nachts um 2 nach einem Einbruch das Schaufenster eines Geschäfts verschliessen», so Weisskopf.

Allgemein weniger Brände

Während die Anzahl Gebäude-Brände seit Messbeginn in den 80er-Jahren stark zurückgeht, gibt es bei einigen Brandursachen grosse jährliche Schwankungen. So haben Blitzschläge in den Jahren 2005 und 2006 zu 107 respektive 123 Bränden geführt – mehr als dreimal so viel wie in durchschnittlichen Blitz-Jahren. Auch die Anzahl Brandstiftungen variiert, zwischen 30 Fällen im Jahr 2009 und den zehn bis elf Fällen in den zwei vergangenen Jahren.

Im Vergleich mit anderen Kantonen schneiden die Basler durchschnittlich ab, wobei Rolf Meier, Sprecher der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen davor warnt, solche Jahresvergleiche anzustellen. «Die Feuerschäden variieren von Jahr zu Jahr stark und 2014 war bei den kantonalen Gebäudeversicherungen im Durchschnitt ein sehr tiefes Brandfall-Schadenjahr.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1