Feminismus

«Was müssen wir nun eigentlich tun?» – «Wir müssen alles einreissen»

Wie weiter mit Feminismus, Sexismus und «MeToo»? Ein Podium in Basler Unternehmen Mitte suchte Antworten.

Etwas Kämpferisches lag am Dienstagabend in der Mitte in der Luft, als sich zahlreiche Interessierte beim Podium zu Sexismus, Feminismus und «MeToo» versammelten. Moderatorin Franca Schaad fragte die vier Podiumsteilnehmerinnen zu Beginn: «Wieso wurdet ihr zur Feministin?»

Die Antwort von Domenica Priore kam schnell und klar. Bei der lesbischen Transsexuellen, die sich für die Rechte von Frauen und Transsexuellen einsetzt, hatte die Entscheidung einen familiären Hintergrund: «Bei mir zu Hause war die Rollenverteilung sehr klassisch. Mein Vater hatte das Sagen. Das hat mich dazu bewogen, etwas ändern zu wollen.»

Auch bei Franziska Schutzbach, Geschlechterforscherin, prägt die familiäre Situation ihre Einstellung. Bei ihr sei es ein schleichender Prozess gewesen. Das Mutterwerden habe ihr endgültig die Augen geöffnet. «Die Betreuungsmöglichkeiten sind spärlich vorhanden und vor allem sehr teuer.» Es sei nicht vorgesehen, dass eine Frau Kinder habe und daneben noch berufstätig ist.

«MeToo» hat etwas verändert

Bei den anderen zwei Teilnehmerinnen erwuchs die Haltung vor einem anderen Hintergrund. Rahel El-Maawi, die als soziokulturelle Animatorin arbeitet, wurde vor allem durch den Frauenstreik aufgeschreckt und passte früh ihren Wortschatz an, um Sexismus dort zu vermeiden, wo er täglich vorkommt: In der Sprache.

Auch Jolanda Spiess-Hegglin achtet heute darauf, wie sie Dinge ausdrückt. Sie war Kantonsrätin im Kanton Zug und geriet 2015 unfreiwillig in die nationalen Schlagzeilen. Nach einer Politikerparty warf sie einem Parlamentskollegen vor, sie sexuell missbraucht zu haben. Davor sei ihr gar nicht klar gewesen, dass es Feminismus heute in der Schweiz noch brauche.

Spiess-Hegglin äusserte sich auch eingehend zur sogenannten Hate Speech. Vor allem im Internet wurde sie mit Hasskommentaren und Drohungen überschüttet. «Kein einziges Mal kam jemand persönlich zu mir und griff mich verbal an.» Schutzbach sagte klar: «Wir müssen dafür kämpfen, dass diese Hate Speech im Internet, die Minderheit nicht zum Schweigen bringt.» Lautes Geklatsche und Zurufe.

Für El-Maawi sieht die Situation anders aus. Als lesbische, dunkelhäutige Frau kämpft sie auf verschiedenen Ebenen gegen Diskriminierung. «In der Schweiz können die Menschen einfach nicht akzeptieren, dass sich andere diskriminiert fühlen», fasste sie zusammen.

Das bestätigte auch ein Votum aus dem Publikum. Eine ältere Frau meldete sich: «Bereits nachdem das Frauenstimmrecht 1971 eingeführt wurde, führten wir Diskussionen zum Thema Sexismus. Sie ähnelten dieser heute sehr.»

Alle waren sich einig: Der Hashtag «MeToo», mit dem Frauen weltweit sexuelle Belästigung und Übergriffe thematisierten, hat etwas verändert. Priore sagte: «Die beste Taktik ist der Angriff.» El-Maawi wies darauf hin, dass es aber auch wichtig sei, ausserhalb der Filterblase Aufmerksamkeit zu erregen.

«Doch was müssen wir nun eigentlich tun?», fragte Schaad zum Schluss. «Wir müssen ein neues Haus bauen und das alte einreissen», antwortete El-Maawi. Tosender Applaus.

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Autor

Olivia Meier

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