Wenige Quadratmeter nur. Ein kleiner Platz, ein Mikrokosmos inmitten der Stadt. Wahrlich eine kleine Welt, die aber voller Geschichten steckt: Hier begannen feuchtfröhliche Abende mit Freunden, hier fiel der Startschuss unzähliger Liebesgeschichten, wurden Herzen gebrochen, und manchmal brachen gar Welten zusammen, wenn die Verabredung nicht auftauchte. Die «Delifoonkabine» am Barfi, ein Schmelztiegel der Gefühle, der Erinnerungen, galt vier Jahrzehnte lang als der Treffpunkt schlechthin in Basel.

Und nun sollen die Erinnerungen platt gemacht werden. Bis Mai 2019 stellt die Swisscom den Betrieb aller öffentlichen Telefonapparate in der Region ein und plant, die Kabinen abzureissen. Ohne die Viertelkabine mit den AKS-blauen Dächern– AKS stand bis 1999 für das Amt für Kantons- und Stadtplanung – würde zweifellos ein Teil der Basler Ausgangskultur verschwinden.

Gastro- oder Kunstprojekt

Man kann darüber streiten, ob dieses Blau, ob die Architektur des Häuschens ansehnlich ist oder eine Beleidigung für die Augen. Fest steht: Der «Türkentempel»– so werden die Kabinen im Volksmund genannt – gehört 39 Jahre nach seiner Erstellung zum Stadtbild. Könnten die Kabinen in Zukunft etwa für gastronomische, künstlerische oder gewerbsmässige Mini-Projekte genutzt werden? Diese Idee stösst bei Christof Wamister, Obmann des Basler Heimatschutzes, auf offene Ohren.

Er fände es jedenfalls schade, wenn die Telefonkabinen dem Erdboden gleichgemacht würden: «Es handelt sich zwar nicht um ein historisches Bauwerk, aber es ist ein Stück vertrautes Stadtbild.» Wamister würde deshalb eine Umnutzung begrüssen. An der nächsten Sitzung des Heimatschutzes wolle er das Thema einbringen, «ob wir uns für den Erhalt der Kabinen einsetzen werden».

Die Swisscom zeigt sich offen – vorausgesetzt, sie hat nichts mehr damit zu tun: «Dass wir die Publifone abbauen, steht fest. Wenn aber der Grundeigentümer, der Kanton Basel-Stadt, rechtzeitig Interesse daran bekundet, werden wir von einem Abriss absehen,» sagt Sprecherin Esther Hüsler. Die Swisscom würde in dem Fall die Viertelkabine kostenlos an die neuen Nutzer abgeben, «damit aber auch alle Rechte und Pflichten, die der Betrieb des Häuschens mit sich bringt».

Die Chancen, dass der Kanton in dieser Hinsicht aktiv wird, sind indes gering. Wie Nicole Stocker, Sprecherin des Bau- und Verkehrsdepartements, sagt, bestehe vonseiten des Kantons kein Interesse, die Kabinen weiter zu bespielen: Durch den Rückbau der Kabinen ergebe sich mehr Spielraum für eine Umgestaltung, «wie sie über kurz oder lang beim Barfüsserplatz vorgesehen ist». Jetzt gilt es also, den Kanton umzustimmen (siehe Box).