Steinentorstrasse: Das romantische Diner im «Besenstiel» wird erheblich beeinträchtigt, wenn das Bouquet des Grand Crus plötzlich von einer Kloakenduftwelle überspült wird. Der Schauspielhausbesucher ist bisweilen froh, wenn er das Ticket nicht noch an der Abendkasse beziehen muss, sondern vor dem Gestank direkt an die Garderobe und in den Zuschauerraum flüchten kann. Der «Atlantis»-Gast kann die Geruchsemission aus der Dohle am Klosterberg nicht mal mit Zigarettenrauch vertreiben und verbringt gereizt einen gesunden Abend drinnen.

Schuld daran ist aber nicht der Birsig, der an der Heuwaage in den Kanal eintritt, unter der Stadt durchfliesst und beim Trois Rois in den Rhein mündet. Vielmehr kann es laut André Frauchiger, Mediensprecher des Tiefbauamtes, bei schwülem Wetter geschehen, dass Ablagerungen in der Kanalisation zu stinken beginnen, wenn wenig Wasser durchfliesst.

Die Kloake der Stadt

Das Gerücht, der Birsig stinke, beruht auf der Zeit, als der Bach offen durch die Steinenvorstadt und die Falknerstrasse floss oder eher waberte, während er von den Anwohnern als Abfallhalde genutzt wurde und die Exkremente aus über 100 Abtritten, «Orgelpfeifen« genannt, direkt hineinfielen. Zusätzlichen Gestank verbreiteten damals Tierkadaver und Schlachtabfälle, die einfach im Birsig entsorgt wurden.

Die Kloake bildete einen idealen Verbreitungsherd für Seuchen. Cholera und Abdominaltyphus rafften auch im 19. Jahrhundert noch Hunderte von Baslern dahin. Die Abfälle erhöhten zudem das Risiko, dass bei Hochwasser die Stadt überschwemmt würde.

Um die Jahrhundertwende begann die Sanierung des Grabens und die Überdachung zunächst im Bereich der heutigen Falknerstrasse. In einer zweiten Etappe um 1948 wurde dann der Abschnitt der Steinenvorstadt überdeckt. Die Überdachung bildet heute den Birsigparkplatz.

Schutz vor Hochwasser

Die heutige Baustelle am Einlass des Birsigs in den Kanal bei der Heuwaage führt das Tiefbauamt Hand in Hand mit der Stadtgärtnerei, die das Nachtigallenwäldeli umgestaltet. «Wir verstärken den Hochwasserschutz», erklärt Frauchiger. Bei einer sehr grossen Flut, wie sie die Statistiker nur für alle 300 Jahre erwarten, könnte der Birsig die ganze Talsohle Basels überspülen und einen Schaden in Milliardenhöhe verursachen, falls der Birsigkanal ab der Heuwaage mit Schwemmgut verstopft würde.

Damit das Wasser ungehindert in den Kanal eintreten und abfliessen kann, wurden beim Dorenbachviadukt Auffanggitter installiert. In der aktuellen Phase werden die Bachsohle und das Abflussprofil angepasst. Deshalb fliesst der Birsig dort jetzt durch eine Röhre.

Die Arbeiten werden die Stadt zuverlässig vor Hochwasser schützen, nicht aber vor dem Gestank, der bisweilen in der Steinentorstrasse und am Barfüsserplatz die Passanten und Restaurantgäste belästigt. Denn der schlechte Geruch entsteigt nicht dem Birsig, sondern der Kanalisation. Das Basler Abwasser fliesst natürlich nicht mehr via Birsig in den Rhein, sondern es wird in der Kläranlage gereinigt. Gegen die Geruchsemission aus den Abwasserkanälen hilft laut Frauchiger nur eine schnelle Meldung, damit eine Kanalreinigungsequipe ausrücken und sofort Abhilfe leisten kann. Der Auslöser des Gestanks sei aber nicht immer einfach zu eruieren und zu bekämpfen. Und so bleibt den Anwohnern, den Betrieben, den Gästen und Passanten der Trost, dass die olfaktorische Belästigung nur sporadisch auftritt und spätestens mit dem nächsten Regen weggeschwemmt wird.