Statt unzählige Container vom Basler Rheinhafen aus per Bahn oder auf der Strasse weiterzutransportieren, soll der Rhein als Wasserstrasse genutzt werden. 2013 schlug SVP-Nationalrat Hansjörg Knecht vor, den Rhein bis zum Container-Terminal in Rekingen schiffbar zu machen, und reichte beim Bundesrat eine Interpellation ein. Er argumentierte, der Transport auf dem Wasser sei ökologischer, brauche am wenigsten Energie pro transportierte Tonne, mache keinen Lärm und verursache keine Bauten – abgesehen von den Schleusen bei den Wasserkraftwerken. Er ging von täglich acht Schiffen zwischen Augst BL und Full AG aus. Damit könnten 280 Eisenbahnwagen täglich oder 75'000 pro Jahr ersetzt werden. Auf der Strasse wären es 452 Lastwagen täglich oder 120'000 Fahrten im Jahr, rechnete er vor.

Kosten von fast einer Milliarde

Doch die Antwort des Bundesrats fiel negativ aus: «Mangelndes wirtschaftliches Interesse, aber auch der wachsende umwelt- und landschaftsschützerische Widerstand lassen die Schiffbarmachung der Teilstrecke ab Rheinfelden bis zur Aaremündung heute politisch wie wirtschaftlich als nicht mehr machbar erscheinen.»

Knecht gab daraufhin bei der Fachhochschule Nordwestschweiz eine Studie in Auftrag. Diese bestätigte im Februar 2015 die Einschätzung des Bundesrats. Die Autoren kamen zum Schluss, dass die Investitionen von 960 Millionen Franken die Einsparungen von 157 bis 367 Millionen Franken weit übertreffen würden. Ihr Fazit: «Die Zahlen zeigen, dass eine Weiterführung der Rheinschifffahrt im Moment aus volkswirtschaftlicher Sicht wenig Sinn machen würde.»

Rheinschifffahrt bis in den Aargau unrentabel – eine Studie beerdigt die Träume von SVP-Nationalrat Hansjörg Knecht.

Rheinschifffahrt bis in den Aargau unrentabel – eine Studie beerdigt die Träume von SVP-Nationalrat Hansjörg Knecht. (4. Februar 2015)

Idee für einen neuen Hafen

Stattdessen brachten die Studenten eine andere Lösung ins Spiel. Statt den Rhein für fast eine Milliarde Franken bis Rekingen schiffbar zu machen, schlugen sie ein neues Hafenterminal im Raum Rheinfelden oder Kaiseraugst vor. Bis dorthin ist der Rhein für Transportschiffe befahrbar, die Ausbaukosten wären viel geringer. Knecht kündigte danach an, er werde mit dem Bundesamt für Verkehr diskutieren, welche Möglichkeiten sich für einen neuen Hafen bieten.

Heute sagt der SVP-Nationalrat, der in Leibstadt eine Mühle betreibt: «Um sagen zu können, ob sich ein neuer Hafen in Rheinfelden oder Kaiseraugst volkswirtschaftlich lohnt, wären weitere Detailabklärungen nötig. Ich habe das Thema seit der Publikation der Studie nicht weiterbearbeitet, wichtig ist aus meiner Sicht aber, dass wir uns die Möglichkeit nicht verbauen, den Rhein künftig allenfalls weiter flussaufwärts schiffbar zu machen.»

Im neuen Richtplan wollte der Kanton Aargau festlegen, dass weder der Rhein noch die Aare für grosse Transportschiffe ausgebaut werden sollten. Dies lehnte der Bundesrat ab, zumal der Hochrhein als mögliche Wasserstrasse im Entwurf des nationalen Sachplans Verkehr enthalten sei.

Nationalrat will Ausbau der Rheinschifffahrt prüfen lassen

Nationalrat Hansjörg Knecht will Ausbau der Rheinschifffahrt prüfen lassen (30. April 2014)

Hafenprojekte in 60er-Jahren

Vor mittlerweile 57 Jahren rechnete man im Aargau schon damit, dass der Hochrhein schiffbar wird. «Der Aargau wird sich entscheiden müssen, wo er seinen Aarehafen anlegen will», hiess es 1960 in der Schweizerischen Zeitschrift für Vermessung, Kulturtechnik und Photogrammetrie. Diskutiert wurden drei Standorte: Koblenz, Turgi-Brugg, oder der Klingnauer Stausee. «Während für den Hafen Turgi-Brugg je eine Schleuse bei Klingnau und Beznau von zusammen 32 Millionen Franken zur Schiffbarmachung des Aare- unterlaufs angelegt werden müsste, käme der Hafen im Stausee mit einer einzigen Schleuse bei Klingnau für 19,1 Millionen Franken aus», hiess es im Artikel zu den Kosten. Der Regierungsrat gab schliesslich ein Vergleichsprojekt für einen Hafen im Stausee Klingnau in Auftrag – realisiert wurde dieses allerdings nicht, zumal der Hochrhein bis heute nicht schiffbar ist.