Bei Telebasel kommt es zu einem Wechsel an der Führungsspitze: Geschäftsleiter Dominik Prétôt verlässt Telebasel auf eigenen Wunsch und sucht sich neue Herausforderungen. Laut offizieller Lesart gibt es keinen Streit, Prétôt bleibt auch Geschäftsführer der Stiftung Kabelnetz, der Betreiberin von Telebasel. Die Nachfolge übernimmt ad interim das Stiftungsratsmitglied Michael Bornhäusser.

Die Fragen liegen auf der Hand: Wieso geht Prétôt bereits auf Ende Monat? Und wieso gibt es keine Nachfolgeregelung, wenn das alles so in Minne verläuft, wie man glauben machen will? Prétôt selbst kündigt an, er wolle nun erst einmal kürzer treten, mehr Zeit für die Familie haben und habe bereits ein spannendes Angebot für seine zukünftige berufliche Tätigkeit. Nach neun Jahren bei Telebasel sei es Zeit für einen Wechsel und familienfreundlichere Arbeitszeiten. In der Tat war Prétôt lange Zeit Telebasel-intern als «Der Mann mit dem Schlafsack im Büro» bekannt.

Nachfolger gesucht

Stiftungsratspräsident Roger Thiriet sagt, er sei von Prétôts Entscheid überrascht worden, verstehe aber auch, wenn der Noch-Geschäftsführer nicht mehr lange in operative Entscheide eingebunden sein wolle. Es gehe darum, mit einem neuen Geschäftsleiter die digitale Zukunft zu gestalten. «Wir brauchen möglichst schnell eine dauerhafte Nachfolgeregelung», fügt Thiriet an. Denn Bornhäusser könne nur an einem oder eineinhalb Tagen pro Woche bei Telebasel vor Ort sein und die wichtigsten Entscheide fällen. Aber: «Wir haben eine gut aufgestellte Geschäftsleitung, wir werden diese Übergangszeit gut meistern.»

Der Digital-Stratege

Bornhäusser ist der starke Mann im Stiftungsrat. Der Banker und Medienunternehmer ist der Mann hinter der neuen Strategie, insbesondere hinter dem Ausbau des Digitalangebots des Lokalsenders. Seine Erfahrungen mit Internet-Start-ups und vor allem mit dem Onlineportal «Vice» machen den Deutschen zum Mann des Vertrauens in der Region, wann immer es um digitale Medien geht. Er prägte den Wandel bei Telebasel hin zu kürzeren Newsbeiträgen, forcierte die Abschaffung des ehemaligen Flaggschiffs «7vor7» und kämpfte für die massive Stärkung des Onlineangebots. Bornhäusser war es, der Worte wie «Multi-Channeling» und «Content» am Telebasel-Sitz einführte.

Wobei der Sender bereits wieder einige Korrekturen an der neuen Programmstruktur vorgenommen hat, nachdem die Zuschauerzahlen geradezu weggebrochen waren. Zudem gab es Klagen von «Basler Zeitung» und «Barfi.ch» wegen angeblicher Wettbewerbsverzerrungen. Nichtsdestotrotz teilt Telebasel mit, man ziehe eine positive Bilanz der neuen Strategie. Thiriet sagt, man habe beim linearen Fernsehen Schwierigkeiten, wie alle Lokalsender. Aber es habe «eine Konsolidierung stattgefunden».

Nun soll der geistige Vater der neuen Strategie, Michael Bornhäusser, also auch noch die Geschäftsleitung auf Zeit übernehmen. Die Kennzahlen sehen zu seinem Amtsantritt stabil aus. Telebasel verbuchte einen kleinen Gewinn von 24'000 Franken im letzten Jahr, wie der Sender mitteilt, Einnahmen und Ausgaben liegen einigermassen stabil bei rund 8,5 Millionen Franken.