Nach dem Ja zum Ratschlag für die Entwicklung des Lysbüchel-Areals war klar: Ende Dezember 2020 ist für die Zwischennutzer von Volta Nord Schluss. In der Zwischenzeit schafft das südliche Lysbüchel-Areal Platz für Kultur und Freizeit – im ehemaligen Verteilzentrum von Coop an der Elsässerstrasse 209 und 215.

Doch wer wird im Herbst 2020 in die zwei neugestalteten Gebäude zwischen Voltaplatz und Saint-Louis Grenze ziehen? Zum Beispiel das Projekt BandSpace. «Unsere Vision ist ein Co-Sharing-Living-Working-Space. Der Hub-Gedanke ist zentral», erklärt Tara Hill. Die Medienfrau ist Mitgründerin des Vereins Lucubra und eine von fünf Initianten von BandSpace.

Auf 860 Quadratmetern sollen in der ehemaligen Coopbäckerei elf Proberäume für Bands, ein Co-Working-Space für Tüftler elektronischer Musik sowie ein Performanceort entstehen. Ebenfalls wird BandSpace eine Mediathek und die Möglichkeit von Instrumenten-Sharing anbieten. «Das Ziel ist, dass sich die Leute vor Ort vernetzen», sagt Mitinitiant Maurits de Wijs. «Wir möchten eine Community aufbauen. BandSpace ist wie der Werkraum Warteck – einfach für Musiker.»

Kletterhalle und Kunstmessen

Eine Absichtserklärung, als Hauptmieter eine grössere Fläche im ehemaligen Verteilzentrum von Coop zu übernehmen, haben auch die Boulderpension GmbH und die Eventzentrale GmbH unterzeichnet. Erstere plant eine 1500 m2 grosse Halle zum Bouldern. Bei diesem Sport handelt es sich um Klettern auf Absprunghöhe ohne Seil über weichen Matten. Der Ausgang des Wettbewerbs zur Namensgebung der Boulderhalle ist noch nicht kommuniziert. Aber ab Herbst 2020 wird sie laut Betreiber ihre Tore öffnen und eine Trainingsfläche, ein Kinderparadies, Platz für Gruppenkurse und ein Bar-Bistro beherbergen.

2018 und 2019 fand die Volta im Rahmen der Art Basel im ehemaligen Verteilzentrum statt. Aber: «Unser Vertrag läuft nach dieser Ausgabe aus», sagte Kommunikationsverantwortlicher Brian Fee im Juni zur bz. Die Kunstmesse hoffe, einen Langzeit-Untermietvertrag an der Elsässerstrasse 215 abschliessen zu können. Interessant: Laut Recherchen der bz verbirgt sich hinter der Eventzentrale GmbH unter anderem Chris de Angelis, Managing Director der Volta.

Vor drei Jahren musste der Basler Technoclub Nordstern unfreiwillig ins Kleinbasel zügeln. Die IWB beendete die Zwischennutzung am Voltaplatz nach 15 Jahren. Nächster Halt hiess Schiff. Doch der Nordstern-Kapitän ist mit dem aktuellen Standort nicht vollends zufrieden. «Der Hafen ist nicht wirklich eine attraktive Gegend», sagte Agron Isaku 2018 zur bz. «Keine Frau läuft nachts gerne von der Tramhaltestelle zum Schiff.»

Die Gerüchte in der Kulturszene verdichten sich, dass der «Nordstern» seine Partys künftig im ehemaligen Verteilzentrum von Coop feiert. Mediensprecher Alex Flach wollte sich dazu nicht äussern, erklärt lediglich, dass ursprünglich geplant war, das Schiff nicht am Hafen, sondern bei der Dreirosenbrücke anzulegen.

Auch Immobilien Basel-Stadt hält sich bedeckt. Auf Anfrage der bz sagt Geschäftsleiter Rolf Borner: «Mit einigen anderen Interessenten sind wir derzeit noch im Gespräch für Mietflächen. Mit diesen sind wir aber noch nicht so weit, dass entsprechende Vereinbarungen abgeschlossen werden konnten.»

Bis vor Kurzem betrieb unter anderem das Sinfonieorchester Basel einen Proberaum auf dem Lysbüchel-Areal. Ob Franziskus Theurillat und sein Team Interesse an den im Umbau stehenden Liegenschaften haben, ist nicht bekannt. Der Orchesterdirektor war für ein Statement nicht erreichbar. Und Maurits de Wijs hat gehört: «Im Erdgeschoss der Liegenschaften ist Gastronomie angedacht.» Mehr weiss der Mitiniator von BandSpace aber nicht.

Zwischennutzer müssen Ende 2020 gehen

Während die Kulturschaffenden auf dem südlichen Lysbüchel-Areal Zukunftspläne schmieden, ist für die Zwischennutzer auf dem Gebiet der SBB bald Schluss. «Unsere Zwischennutzung dauert bis Ende Dezember 2020», bestätigt Anita Abegglen vom Verein Unterdessen. Dann müssen Ateliers, Paddelhalle oder Harley-Davidson-Garage und auch der obdachlose Dänu, der auf dem Areal für soziale Kontrolle sorgt, Wohnungen für bis zu 1900 Menschen Platz machen.

«Die Zukunft ist ungewiss», sagt auch Martin Kocher, Wirt der Säulikantine an der Lysbüchelstrasse 330. «Der Vertrag läuft im August 2021 aus. Dann müssen wir schliessen.» Ob nach dem Ja zum Ratschlag für die Entwicklung des Lysbüchel-Areals günstiger Wohnraum entstehen wird, bezweifelt er.