«Sie, das im Adullam, das stimmt nicht. Ich habe das nicht gemacht. Es ist eine verlogene Gesellschaft», behauptete die 54-jährige Frau mit schriller Stimme. Der Gerichtspräsident konnte ihre Monologe kaum bremsen: Ihr Beistand sei gegen sie, alle Assistenzärzte stellten falsche Diagnosen, die Polizisten seien verlogen und alle Anzeigensteller manisch. Überhaupt ortete sie überall Probleme: Praktisch jeder, der jemals etwas mit ihr zu tun gehabt hatte, ist angeblich «abhängig» oder «manisch». Die zwei Worte fielen gestern im Strafgericht praktisch pausenlos.

Seit einigen Wochen ist die Frau in Haft, weil im Kanton Baselland ein Verfahren wegen gewerbsmässiger Diebstähle gegen sie läuft. Doch gestern musste sie sich zuerst noch wegen diverser anderer Diebstähle verantworten: Ein gestohlenes Portemonnaie im Basler Adullam-Pflegeheim, 28 Franken Bargeld im Pflegezentrum Süssbach in Brugg, wiederum ein Portemonnaie in einer Immobilienfirma im Aargauischen Seon, drei Parfüms im Gesamtwert von 329 Franken in einer Apotheke in Luzern, rund 500 Franken Bargeld im luzernischen Kloster Baldegg und zuletzt auch noch Bündnerfleisch im Wert von 10.90 Franken im Globus in Basel.

«Vergessen zu zahlen»

Vor allem das mit dem Bündnerfleisch verneinte die Frau rigide. «Sie haben gesagt, sie hätten vergessen zu bezahlen», zitierte der Gerichtspräsident aus dem Polizeiprotokoll. «Nein, die wollen mir das anhängen. Der dortige Sicherheitsbeamte ist abhängig», betonte die Frau.

Sie wollte auch nichts mehr davon wissen, dass sie ein Pflegeheim-Bewohner einmal in flagranti erwischt hat, als sie ein Portemonnaie mitnehmen wollte. «Das ist ein alter, manischer Mann», sagte sie dazu lachend. Ins Adullam sei sie bloss gegangen, weil es dort Kuchen zum halben Preis gebe. Lange referierte sie über eine Klosterfrau in Baldegg, die angeblich Psychopharmaka nehme.

Einmal wurde sie auch in der Kirchenverwaltung neben dem Basler Münster erwischt, wie sie zwei Lachsbrötchen aus dem Kühlschrank klaute. «Warum sollen die so was erfinden?», fragte Oser die Frau. Die Antwort war vorhersehbar. «Weil die abhängig sind. Das ist die Sekretärin dort, die ist so manisch. Das sind Tatsachen», kam es wie aus der Pistole geschossen. Auch vom Antrag der Staatsanwaltschaft hielt sie wenig. «Zwölf Monate ins Gefängnis? Das können sie vergessen!», rief sie in den Saal.

Einzelrichter Marc Oser reduzierte das Strafmass leicht auf zehn Monate, betonte aber auch, aufgrund ihrer einschlägigen Vorstrafen sei hier kein bedingter Strafvollzug mehr möglich. «Das ist Freiheitsberaubung. Ich will einen Anwalt und gehe nochmals vor Gericht», antwortete die Frau. Auch diverse Zivilforderungen wurden zugesprochen, die Frau ist allerdings bereits mit über 50'000 Franken verschuldet. Bei ihr fand man rund 60 Uhren, Ringe und Ketten unbekannter Herkunft, sie bleiben beschlagnahmt.

Weshalb die Verfahren in beiden Basel nicht zusammengelegt worden sind, ist unklar. Für die kommende Verhandlung im Baselbiet wurde ihr allerdings ein Verteidiger zugesprochen. Oser betonte auch, die Staatsanwaltschaft solle die Frau in psychischer Hinsicht begutachten lassen. Sie selber erklärte allerdings, sie sei gesund.

Die ehemalige Krankenschwester bezog eine Invalidenrente von monatlich 1600 Franken, diese ist allerdings wegen der Untersuchungshaft sistiert. Zuvor hatte sie bei Verwandten gelebt.