In Spitzenzeiten sind auf der Rheintalstrecke zwischen Karlsruhe und Basel laut Deutsche Bahn (DB) täglich bis zu 200 Güterzüge unterwegs, auch wenn es saisonal bedingt derzeit etwas weniger sind. Dennoch: Die Auswirkungen der Sperrung der Strecke auf den Gütertransport sind erheblich. Weil die Gleise sich am Samstag bei Rastatt, 170 Kilometer nördlich von Basel, um bis zu einem halben Meter abgesenkt haben, geht hier bis voraussichtlich 26. August überhaupt nichts mehr.

Kritik an Deutscher Bahn

Manche Logistik- und Transportunternehmen sind deshalb gelinde gesagt ungehalten. Kein Wunder, betrifft die Sperrung doch «die zentrale Achse für den Güterverkehr zwischen Nordsee und Mittelmeer», wie Stefanie Burri, Leiterin Kommunikation BLS Cargo, betont.

«Deshalb sind die Auswirkungen auf den Güterverkehr und die Branche massiv und der finanzielle Schaden und Reputationsverlust ebenso. Es darf nicht sein, dass eine solch wichtige Strecke für 14 Tage gesperrt ist, ohne dass von Seiten DB Netz ein Umleitungskonzept besteht.»

Von wöchentlich 400 Güterzügen der BLS Cargo sind 140 von der Sperrung betroffen. Das Unternehmen untersucht jetzt Ausweichrouten über Frankreich. Dies prüft auch Rhenus Alpina mit der Contargo AG. Mediensprecherin Claudia Bracher warnt aber vor: «Die Trassen werden in den kommenden Tagen noch stärker belegt sein.»

Transporte per Binnenschifffahrt seien für die Importe für die nächsten 14 Tage «restlos» ausgebucht, für Exportfahrten gelte das für diese Woche. Schwierig sei auch das Chartern von zusätzlichem Schiffraum für Container.

Probleme hat auch die Hupac. Die Firma organisiert im Auftrag von Transport- und Logistikunternehmen Transporte von Terminal zu Terminal auf der Schiene. 70 Prozent der Kunden sind betroffen von der Sperrung. Mediensprecherin Irmtraut Tonndorf verweist darauf, dass in Italien nach der Sommerpause nächste Woche die Produktion wieder aufgenommen wird. «Ein Unterbruch der Güterströme hat gravierende Folgen für die Endkunden.»

Die Hupac will für mindestens 50 Prozent der Volumen Alternativen bereit stellen und sucht diese bei der Rheinschifffahrt oder unterschiedlichen Umleitungen. Ein Umsteigen auf Camions sei problematischer, wenn die erforderlichen Ressourcen wie Fahrzeuge oder Chauffeure nicht sofort zur Verfügung stehen. «Das grösste Risiko sehen wir in einem Vertrauensverlust seitens der Kunden in den Verkehrsträger Schiene.»

Autobahn wird voller

Mehr Camions dürfte man auf der Autobahn Karlsruhe–Basel spüren. «Wenn es den Bahnen nicht gelingt, den Verkehr auf der Schiene zu halten, muss mit erhöhtem Verkehrsaufkommen und auch Staus gerechnet werden», ist BLS-Cargo Sprecherin Burri überzeugt. Rhenus Alpina organisiert Camiontransporte, wenn der Kunde dies ausdrücklich wünscht.

Die SBB teilten mit, dass die DB in den nächsten Tagen ein Umleitungskonzept erarbeiten werde. SBB Cargo habe einzelne Züge über Frankreich umgeleitet. «Die Sperre hat derzeit keine Auswirkungen auf die nationale Landesversorgung in der Schweiz.»