Massimiliano Iuliano gibt Gas. Hinten auf dem Lederpolster seines Jaguars sitzt Rafael Nadal. Dieser ist eben am Flughafen angekommen – und nimmt natürlich nicht den Linienbus, um nach Basel zu fahren. Ist der spanische Tennisstar durch den Zoll gegangen und hat seine Sporttasche vom Laufband genommen, wartet ein «Driver» auf ihn. Iuliano, der während der Swiss-Indoors-Woche so prominente Passagiere wie Nadal, Stanislas Wawrinka oder Milos Raonic herum kutschiert, ist Leiter des Transportation-Service. Sein Job ist es, dafür zu sorgen, dass Spieler, deren Trainer und die Schiedsrichter abgeholt, pünktlich auf Spielbeginn zur St. Jakobshalle und nach dem Match wieder ins Hotel gefahren werden. Ein Job, bei dem er so einiges erlebt – und den er nicht missen möchte.

Iuliano sitzt mittlerweile nicht mehr oft hinter dem Steuer. Er organisiert den Einsatzplan für seine 30 Fahrer. Sein Team funktioniere wie eine Taxizentrale, erklärt er. Mit dem Unterschied, dass nicht jeder mit irgendeinem Auto in der Stadt unterwegs ist, sondern – eben – mit der englischen Nobelmarke. «Die Erwartungen der Tennisspieler an Basel sind sehr hoch», erzählt er. Immerhin wird hier hinter Schanghai und Paris-Bercy das drittgrösste Hallenturnier des Jahres ausgetragen. Bedeutet für Iuliano: Die 18 Autos und 6 Vans werden täglich gewaschen, sauber gemacht und innen gesaugt.

Doch nicht nur die Jaguare müssen glänzen, auch die Fahrer sollen einen guten Eindruck machen. Ein gepflegtes Aussehen ist Pflicht: schwarze Socken, schwarzer Gürtel und ein gebügeltes Hemd. «Wir sind die Ersten, denen die Officials begegnen. Wir sind die Etikette der Swiss Indoors.»

Sie holen Saiten aus Belgien

Der 39-Jährige nimmt seit 20 Jahren während der Swiss Indoors Ferien, um als Fahrer zu arbeiten. Mit 20 habe er angefangen. In seiner Chauffeur-Karriere sind ihm denn auch mehrere skurrile und witzige Geschichten passiert. Fragt man danach, muss Iuliano nicht lange überlegen. «Andy Roddick hat vor seinem Match bemerkt, dass er seine Turnschuhe im Hotelzimmer vergessen hat.» Roddicks Coach Brad Gilbert eilte zu Iuliano und sagte nervös: «We need to fly». «Also sind wir ins Hotel gerast.» Ein anderes Mal mussten die Fahrer Saiten für das Racket eines heute noch in den Top Ten Spielenden besorgen. Und zwar nicht irgendwo: «Seine Saiten kann man nur in Belgien kaufen.»

Dass Spieler Starallüren aufweisen, dementiert Iuliano. Allerdings sei der Umgang mit ihnen früher lockerer gewesen. Die Sportler seien mit den Fahrern am Abend in den Ausgang gegangen. Der Australier Mark Philippoussis habe sie vor einigen Jahren nach seinem Ausscheiden aus dem Turnier in Sissach ins «CH» zum Bier eingeladen. Häufig wollen die Spieler nach den Matchs in die Stadt essen oder ins Kino gehen. Der indische Doppel-Spieler Leander Paes hat dieses Jahr seinem Chauffeur beim «Steine-Grill» sogar einen Kebab spendiert.

Neben dem Kutschieren löst Iuliano, der selber Tennis spielt, auch andere Probleme der Tennisspieler. Buchen von Flügen gehört dazu: Nachdem der Lette Ernests Gulbis Anfang der Woche bereits in der ersten Runde ausgeschieden war, wollte der in der Weltrangliste als Nummer 13-Platzierte nach München fliegen. «Er packte und fragte um 18 Uhr, ob wir ihn nach Zürich fahren können, weil um 20 Uhr seine Maschine fliegt.» Iuliano prüfte den Flugplan in Basel und stellte fest, dass auch hier ein Flugzeug nach München startet. «Wir haben dann für Gulbis den letzten Sitz reserviert.»

Musiker haben mehr Starallüren

Neben den Spielern holen die Driver auch die Sänger ab, die jeweils am «Super Monday» die Swiss Indoors eröffnen. Dieses Jahr besuchte Paul Anka Basel, letztes Jahr war es Udo Jürgens und 2009 die Opernsängerin Montserrat Caballé. Die Musiker von A nach B zu bringen, sei etwas ganz anderes als die Spieler. «Sie haben andere Erwartungen. Meistens überbringt deren Manager Unterlagen, welches Auto sich die Künstler wünschen und so weiter.»

Iuliano freut sich jedes Jahr auf die Tenniswoche im Herbst. Um zum Driver-Team zu stossen, kann sich jeder bewerben. Man müsse seit fünf Jahren einen Führerschein haben und mindestens 23 Jahre alt sein. Die meisten seien alte Hasen, aber es habe auch einige Studenten unter ihnen. Klar ist: «Wegen des Gelds macht man diesen Job nicht.» Es gehe um den Spass an der Freude: «Wer als Transporter arbeitet, tut dies, weil er tolle Autos liebt, sich für Tennis interessiert und auf Tuchfühlung mit den Sportlern geht. Das ist es, was unseren Job attraktiv macht.»