Industrielle Werke Basel
Wegen Doppelrolle: Kritik am neuen VR-Präsidenten nimmt zu

Benedikt Weibel übernimmt bis Ende 2018 als Übergangslösung den Vorsitz im Verwaltungsrat der IWB, nachdem der bisherige Präsident Michael Shipton per sofort zurückgetreten ist. Bürgerliche hinterfragen die Doppelrolle des SP-Manns.

Jonas Hoskyn
Merken
Drucken
Teilen
Benedikt Weibel wird ab nächster Woche VR-Präsident der IWB.

Benedikt Weibel wird ab nächster Woche VR-Präsident der IWB.

Urs Lindt

Unter sich sprechen die Genossen nur vom «Beppo». Benedikt Weibel ist die Allzweckwaffe der SP. Seinen Leistungsausweis erarbeitet hat sich der 71-Jährige während seiner 14 Jahre als Generaldirektor der SBB. Nun soll Weibel für seinen Parteikollegen Christoph Brutschin die Krise bei den Industriellen Werken Basel (IWB) lösen. Er übernimmt bis Ende 2018 als Übergangslösung den Vorsitz im Verwaltungsrat des Energieunternehmens, nachdem der bisherige Präsident Michael Shipton per sofort zurückgetreten ist. Weibels Hauptaufgabe: Einen neuen CEO finden. Vom Bisherigen David Thiel haben sich die IWB wenige Tage nach dem Abgang von Shipton ebenfalls getrennt.

Sein Wunschkandidat sei Weibel gewesen, schwärmte der Basler Wirtschaftsdirektor Brutschin. Bei den bürgerlichen Parteien ist die Skepsis dagegen deutlich grösser. So fordert die FDP mit einem Vorstoss Antworten zur Situation bei den IWB und dem von Brutschin eingeschlagenen Lösungsweg. Die Wahl von Weibel bezeichnet Interpellant Stephan Mumenthaler als fragwürdig: «Weibel ist nicht nur branchenfremd, er verfügt auch über zahlreiche weitere Ämter», sagt er. So ist der Berner etwa auch Verwaltungsratspräsident der Rheinhäfen. Dies werfe die FDP die Frage auf, ob er in dieser schwierigen Phase für die IWB die geeignete Person sei.

«Man kriegt den Eindruck, dass der zuständige Regierungsrat die Situation nicht im Griff hat», sagt Mumenthaler mit Blick auf den doppelten Knall an der Führungsspitze. «Ausserdem stelle ich mir die Frage, warum die Öffentlichkeit nicht früher informiert wurde.» Tatsächlich blieben die Abgänge fast einen Monat geheim.

Politische Schwergewichte

Mit Weibel sitzen neben Alt-Nationalrat Rudolph Rechsteiner und dessen Nachfolger Beat Jans drei SP-Politiker im siebenköpfigen IWB-Verwaltungsrat. Gleichzeitig hat Brutschin die vom Grossen Rat gewählten Politiker Aeneas Wanner (GLP) und Bernhard Madörin (SVP) aus dem Gremium gekippt. «Die politische Dimension der neuen Zusammensetzung ist unverkennbar», sagt Mumenthaler.

Dies ist insofern brisant, als dass viele den Verdacht hegen, dass Jans und Rechsteiner ihre Stellung im Verwaltungsrat nutzen, um ihre energiepolitischen Vorstellungen durchzudrücken. Die «Basler Zeitung» verglich den Führungswechsel gestern mit einem Putsch. Tatsächlich scheinen die teils heftigen Diskussionen im Verwaltungsrat entlang der Trennlinie zwischen politischen und unternehmerischen Entscheiden abgelaufen zu sein. Mit der neuen Zusammensetzung fehle künftig das kommerzielle Gegengewicht zu den politischen Schwergewichten Jans und Rechsteiner, so die Befürchtung auf bürgerlicher Seite.