Basler Strafgericht

Wegen einer Busse soll Autofahrer Polizist mitgeschleift haben

Ein genervter Autofahrer soll einen Polizisten wegen einer Parkbusse zehn Meter weit mitgeschleift haben.(Symbolbild)

Ein genervter Autofahrer soll einen Polizisten wegen einer Parkbusse zehn Meter weit mitgeschleift haben.(Symbolbild)

Ein genervter Autofahrer soll einen Polizisten wegen einer lächerlichen Busse zehn Meter weit mitgeschleift haben. Das Basler Gericht konnte die Geschichte nicht restlos klären.

«Der Fall ist beweistechnisch nicht ganz einfach», sagte Einzelrichterin Felicitas Lenzinger am Mittwoch: Es stand Aussage gegen Aussage, und im Zweifel ging sie von einer für den angeklagten Autofahrer günstigeren Variante aus. Das ändert allerdings nichts daran, dass für den Angeklagten aus einer Ordnungsbusse von 40 Franken nun Kosten von über 2000 Franken entstehen. Der 49-jährige Mann hatte im vergangenen November sein Auto am St. Alban-Ring in der blauen Zone ohne Parkscheibe abgestellt. Als er zu seinem Auto zurück kam, war ein uniformierter Polizist gerade dabei, eine Busse über 40 Franken zu erstellen. Der Fahrer stieg wutentbrannt in sein Auto und raste davon.

Der Polizist sagte allerdings vor Gericht aus, der Fahrer habe ihm ein Zeichen gegeben, er solle ihm den Bussenzettel durch das Fenster reichen. Als der Polizist genau dies tun wollte, sei er am Arm festgehalten worden: Der Autofahrer habe ihn rund zehn Meter mitgeschleift. Laut Arztbericht zog sich der Polizist dabei eine Bänderzerrung im Fussgelenk und an der Schulter zu. Der Autofahrer hingegen bestritt, den Polizisten festgehalten zu haben.

«Er hat sich wohl mit der rechten Hand an der Mittelsäule des Autos selbst festgehalten», meinte er, vielleicht aus Ehrgeiz, weil er ihm die Busse direkt habe überreichen wollen.

Angst vor Dunkelhäutigen

Kurios an der Geschichte ist, dass der Autofahrer offenbar auch deshalb so ausgerastet ist, weil es sich bei dem Polizisten um einen dunkelhäutigen Mann handelt. «Ich hatte schon mehrmals Probleme mit dunkelhäutigen Mietern in meiner Hausgemeinschaft, einmal hat mir einer gar die Türe aufgebrochen. ‹Jetzt schon wieder ein Dunkelhäutiger›, habe ich mir gedacht, als ich den Polizisten mit dem Bussenblock gesehen habe», schilderte der Autofahrer vor Gericht. «Ich bin aber kein Rassist. Und es entspricht auch nicht meiner Art, gewalttätig zu sein», sagte er. Der Verteidiger sagte, sein Mandant habe eine Kurzschlussreaktion gezeigt, weil der Polizist ihn nicht freundlich angesprochen habe, bevor er die Busse ausstellte. Die Administrativbehörde hatte dem Fahrer direkt nach dem Vorfall den Führerausweis entzogen. Das Gericht prüfte DNA-Spuren und Fingerabdrücke, die Lage des Bussenblockes und des Erfassungsgerätes -- doch laut Lenzinger blieben einige Zweifel.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine bedingte Freiheitsstrafe von 12 Monaten sowie eine Busse von 840 Franken unter anderem wegen Körperverletzung, Gewalt gegen Beamte, Nötigung und einer Verkehrsregelverletzung verlangt.

Felicitas Lenzinger sprach den Autofahrer vom Vorwurf der Körperverletzung und Nötigung frei, fällte aber einen Schuldspruch wegen Gewalt gegen Beamte und der Verkehrsregelverletzung. Auch sei ein rasantes Losfahren derart nahe bei einer stehenden Person klar eine Störung des Verkehrs. Es blieb indes bei einer bedingten Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu 30 Franken sowie der unbedingten Busse von 40 Franken. Allerdings muss der Autofahrer auch die Verfahrenskosten von rund 2600 Franken tragen. Sowohl er wie auch die Staatsanwaltschaft können das Urteil noch weiterziehen.

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