Ein Eklat, der zurzeit Deutschlands älteste Universitätsklinik, das Universitätsklinikum Heidelberg (UKH), durchschüttelt, könnte sich auch auf das Basler Unispital (USB) auswirken. Denn im USB-Verwaltungsrat sitzt mit Irmtraut Gürkan die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Heidelberger Institution.

Wie das Branchenportal «Medinside» berichtet, sieht sich Gürkan zusammen mit der Vorstandsvorsitzenden Annette Grüters-Kieslich intern mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. «Sie können weiteren substanziellen Schaden von uns allen, der Fakultät und dem Klinikum abwenden, wenn Sie im Sinne eines Rücktritts die Verantwortung übernehmen, die Ihnen mit Ihren Positionen anvertraut wurde», schrieb ein Klinikdirektor des UKH an die beiden Frauen, wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» aufdeckte. Die Reputation des Klinikums sei «substanziell beschädigt».

Verstoss gegen die Wissenschaftsethik

Was ist geschehen? Ende Februar kündigte das UKH einen neuartigen Bluttest zur Früherkennung von Brustkrebs an. Die renommierte Klinik tat dies aber auf eine Weise, die die Klinikleitung drei Wochen später zu einer öffentlichen Entschuldigung bewegte: einem Exklusiv-Deal mit der «Bild»-Zeitung.

Das Boulevardblatt überschlug sich mit Superlativen und schrieb von einer «Weltsensation». Bloss: Die Ankündigung war verfrüht. Bis heute fehlt eine wissenschaftliche Studie zum Bluttest, und auch in keiner renommierten Fachzeitschrift wurde etwas publiziert.

Laut der «FAZ» seien dies aber unabdingbare Voraussetzungen, um medizinische Forschungsergebnisse glaubwürdig öffentlich zu machen. Der Fall schlägt hohe Wellen. Die deutsche Wissenschaftsministerin Theresia Bauer spricht von «einem Verstoss gegen die Wissenschaftsethik». Die Staatsanwaltschaft Mannheim ermittelt zudem wegen Insiderhandels und Betrugs.

Basler Unispital hält zu Gürkan

Irmtraut Gürkan betrifft dies, weil die «FAZ» anhand interner Mails aufdeckte, dass der UKH-Vorstand «ein hohes Mass an Mitverantwortung» trägt, da er das Vorgehen abgesegnet hatte. Ob Gürkan so noch als Verwaltungsrätin des Basler Unispitals tragbar ist, wollten gestern auf Anfrage der bz weder das USB noch das Gesundheitsdepartement sagen.

Sie verweisen auf die unabhängige Fachkommission des UKH, die den ganzen Fall und eventuelles Fehlverhalten der involvierten Personen nun untersucht. Nur so viel teilt das USB mit: «Wir sind ausserordentlich froh, mit Irmtraut Gürkan eine ausgewiesene Expertin in Gesundheitsökonomie und universitärer Medizin im Verwaltungsrat zu haben.»