Bilanzsanierung
Wegen finanzieller Probleme: Les Trois Rois nimmt Kapitalschnitt vor

Das Fünfsternhotel Les Trois Rois reduziert das Aktienkapital von 30 auf 20 Millionen Franken. Das geht aus der neusten Ausgabe des Kantonsblatts Basel hervor. Damit werde die Unterbilanz teilweise beseitigt, heisst es.

Stefan Schuppli
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Beim Grandhotel Les Trois Rois wurde ein Kapitalschnitt nötig.

Beim Grandhotel Les Trois Rois wurde ein Kapitalschnitt nötig.

KEYSTONE

Es ist wohl eines der schönsten Hotels der Region, an bester Lage, renoviert mit viel Liebe zum Detail, schöne Zimmer, eine Fünf-Sterne-Bar, die den Namen verdient.

Doch das Grandhotel Les Trois Rois, wie das «Dreikönig» offiziell heisst, ist seit einiger Zeit in finanzieller Schräglage. Der Verlust für das Jahr 2015 habe zwei Millionen betragen. Und in den vergangenen fünf Jahren habe sich der Fehlbetrag auf 20 Millionen Franken erhöht, schreibt die «Handelszeitung», die sich auf einen Prüfbericht der Basler Treuhandfirma Tretor beruft.

Gemäss dem soeben erschienenen Kantonsblatt Basel-Stadt hat das Hotel jetzt einen Kapitalschnitt vorgenommen: Das Aktienkapital wird von 30 auf 20 Millionen Franken reduziert, 10 Millionen Aktien werden vernichtet – «zur teilweisen Beseitigung der Unterbilanz», wie es wörtlich heisst. Was bedeutet das konkret? Das Hotel ist (oder war) überschuldet, das Aktienkapital hat nicht mehr den effektiven Wert von 30 Millionen.

Gemäss dem Treuhänder-Bericht stehen einem Vermögen von 103 Millionen Franken Verbindlichkeiten von 125 Millionen Franken gegenüber. Das bedeutet eine Überschuldung von 22 Millionen.

Doch im Normalfall erfolgt bei einem Kapitalschnitt auch eine Refinanzierung: Es muss frisches Geld in die Kasse. Von einer Kapitalaufstockung ist aber im Kantonsblatt nicht die Rede. Möglich ist im Prinzip, dass ein Darlehen von 26,5 Millionen Franken von Thomas Straumann, dem Besitzer des Hotels, als Quasi-Eigenkapital angeschaut wird. Straumann möchte sich zu seinem privaten Engagement nicht äussern. Im Dunkeln bleibt auch, dass die Überschuldung 22 Millionen beträgt, der Kapitalabschreiber aber nur 10 Millionen.

Gerüchte um einen Verkauf

Finanzfachleute meinen, dass ein Kapitalschnitt meist auch die Steuern reduziere. «Aber ein solcher Prozess ist extrem knifflig», sagt ein Rechnungslegungs-Spezialist. Denkbar sei auch, dass das Hotel in eine «übernahmefähige Form» gebracht würde.

Immer wieder gab es Gerüchte, Straumann wolle verkaufen. Erst eben habe er es zwei sehr reichen Baslern angeboten, lautet das jüngste. Straumann dementiert: «Ein Verkauf steht nicht zur Debatte».

Operativ sei das Hotel «in den schwarzen Zahlen und kann auch laufende Investitionen selbst finanzieren», lässt er über seine Mediensprecherin ausrichten. Das Hotel erfreue sich bei den Gästen und den Einwohnern grosser Beleibtheit und laufe in einem anspruchsvollen Umfeld gut.

Er habe immer gesagt, dass er das «Les Trois Rois» zum wohl der Stadt Basel betreibe. Das Hotel wurde 2004 bis 2006 für rund 100 Millionen Franken aufwendig renoviert.

Dass das Hotel bezüglich den Gästezahlen recht gut unterwegs ist, bestätigt der Basler Tourismusdirektor Daniel Egloff. «Wir haben Einblick in gewisse Zahlen wie etwa die Auslastung», sagt er, ohne Details zu nennen. Auch die Restauration (inkl. Drei-Sterne-Restaurant) laufe gut. «Es ist ein Riesenglück, dass wir in Basel ein solches Flaggschiff haben», meint er weiter. Prestige und Luxus hätte an Bedeutung gewonnen. Das Restaurant «Le Cheval Blanc» hat im vergangenem Jahr einen dritten Michelin-Stern erhalten, der Chefkoch Peter Knogl wird mit Lob und Awards überhäuft.

Letztes Fünfsternhotel in Basel

Es ist übrigens das letzte Fünfstern-Hotel in Basel (das Hilton wurde abgerissen, Ramada und Swissôtel verzichteten angeblich freiwillig auf den fünften Stern). Viele Fünfsternhotels in der Schweiz sind im Besitz von Multimillionären, die Hotels sozusagen als Hobby betreiben, wie etwa Urs Schwarzenbach das Grandhotel Dolder oder Thomas Schmidheiny das «Bad Ragaz». Es ist ein sehr teures Hobby. Die Besitzer buttern sehr oft Millionenbeträge in die Firma. Ob sie betrieblich – also bevor überhaupt Zins oder Dividende bezahlt wird – rentieren, ist eine andere Frage. Luxushotels haben überdurchschnittliche Personalkosten, weil gewisse Dienste rund um die Uhr besetzt sein müssen.