Birsig-Wasser ist ein begehrtes – und bei Trockenheit wie aktuell auch ein knappes Gut. Entsprechend umfangreich ist im Baselbiet die Wasserentnahme geregelt, und der Zolli, ganz am Ende des Birsig, muss entsprechend hinten anstehen.

Denn seit im Juli 2010 im renaturierten Fluss Fische verendet sind, hat der Kanton Baselland im Jahr 2013 dem Zolli mit einer Gesetzesanpassung bei Trockenheit das Wasser abgedreht. Und dies trotz eines Wasserentnahmerechts biblischen Alters, das bereits im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt worden ist.

Nun aber gilt: 180 Liter pro Sekunde müssen durch den Birsig fliessen, und nur den Überschuss, falls vorhanden, darf durch den Zolli geleitet werden.

Entnahmestellen für Bewässerung

Um dieser Forderung nachzukommen, hat Immobilien Basel-Stadt vor rund zwei Jahren oberhalb des Zollis ein automatisiertes Wehr in Betrieb genommen, das den geforderten Birsig-Durchfluss jederzeit gewährleistet. Seither ist der Zolli-Zufluss lediglich wenige Male versiegt, doch in der aktuell prognostizierten Hitze- und Trockenphase könnte es wieder so weit sein.

«Es ist gut möglich, dass wir in den nächsten Tagen das Grundwasser anzapfen müssen, um unsere Bäche und Teiche mit genügend Frischwasser zu versorgen», sagt Thomas Schönbächler, Leiter Bau, Unterhalt und Werkstätten des Zoo Basel. Und fügt an, dass es sich der Kanton Baselland mit der einseitigen Verfügung einfach gemacht habe. «So ist es an uns, dafür zu sorgen, dass genügend Wasser zur Verfügung steht – und die Rechnung für die Grundwasser-Entnahme zu bezahlen», sagt Schönbächler. Und weist darauf hin, dass auch die Zoo-Gewässer zahlreiche schützenswerte Fischarten leben, darunter auch Arten auf der Roten Liste der Schweiz wie Bachforellen, Barben und Dreistachlige Stichlinge.

Entlang des Birsigs und seiner Zuflüsse gibt es zumindest zwei Entnahmestellen, die noch vor dem Zolli zum Zuge kommen, wenns knapp wird mit dem kühlen Nass. Das ist einerseits die Gemeinde Therwil, die am Birsig-Zufluss Marchbach für eine kurze Zeit 15 Liter pro Sekunde zur Gartenbewässerung entnehmen darf, wie Marin Huser, Leiter der Abteilung Oberflächengewässer beim Baselbieter Amt für Umweltschutz und Energie, bestätigt. «Auch das Schloss Bottmingen darf dem Birsig Wasser entnehmen, und zwar 1,5 Liter pro Sekunde für Bewässerungszwecke – theoretisch sogar dann noch, wenn es für den Zolli ganz knapp nicht mehr reicht, beim weiter oben gelegenen Schloss hingegen gerade noch.»

Schönbächler will diesen Umstand nicht kommentieren. Für den Fall der Fälle seien die Zolli-Mitarbeiter jedoch bereit, die Feuerwehrschläuche auszurollen und die wichtigsten Gewässer mit Grundwasser zu alimentieren. «Wir kennen das Prozedere und können jederzeit eingreifen.»

Noch sei es nicht so weit, und dennoch wird bereits jetzt Wasser gespart, wo auch immer möglich. «Im Löwengehege haben wir den Zufluss bereits abgeriegelt – dort geht das, weil der Graben mehrere Meter tief ist und die Fische auch ohne Frischwasserzufuhr überleben.» In anderen Gehegen sei der Wasserverbrauch aufs Minimum reduziert worden.

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Rümelinbach gilt als Kanal

Hintergrund des Wasserstreits ist die unterschiedliche Definition der beiden Gewässer, die im und am Zolli vorbeifliessen. So ist der vorbeifliessende Birsig gemäss Gesetz ein natürliches Gewässer, der Rümelinbach genannte Zolli-Fluss hingegen ein Kanal – weil er ursprünglich vom Birsig abgezweigt wurde und durch die Stadt, am Rümelinsplatz vorbei, zur Energieversorgung diverser Mühlen und anderer Betriebe genutzt wurde.

Zu seiner Blütezeit 1866 gab es auf Stadtgebiet 350 Wassernutzungsrechte. Das letzte dieser Rechte galt dem Zoo Basel, erteilt bei dessen Eröffnung 1874, zumindest teilweise entzogen: 2013.