Immobilien

Wegen Homeoffice: Coronakrise verursacht Büro-Leerstände in Basel

Die Eröffnung neuer Bürogebäude, beispielsweise des Baloise Park, verschärft das Phänomen.

Die Eröffnung neuer Bürogebäude, beispielsweise des Baloise Park, verschärft das Phänomen.

Experten fürchten, dass die Auswirkungen der Pandemie auf den Basler Immobilienmarkt noch Jahre spürbar sein werden.

Basel drohen bedrückende Bilder: Leere Büros, verschwundene Läden, Restaurantflächen ohne Mieter. Die Coronakrise könnte jahrelange Leerstände bei Geschäftsimmobilien bewirken, befürchten Experten.
Der Corona-Lockdown hat den Geist aus der Flasche gelassen. Arbeiten aus dem Homeoffice hat sich schweizweit etabliert. Mehrere Firmen haben bereits angekündigt, ihre Mitarbeitenden mindestens teilweise nach Corona von zu Hause weiterarbeiten zu lassen. Also brauchen die Firmen weniger Bürofläche – und sparen Kosten.

«Ich gehe davon aus, dass es bei Büroflächen in Basel zu signifikant mehr Leerständen kommt», sagt Richard Schlägel, Leiter Immobilienkunden Nordwestschweiz bei der Basler Kantonalbank. «Vor allem grosse Flächen über 100 Quadratmeter werden deutlich schwerer zu vermieten sein als zuvor». Andreas Biedermann, Präsident des Verbandes der Immobilienwirtschaft (SVIT) beider Basel, bestätigt die Einschätzung: «Wir werden das spüren.» Da Basel einen besonders ausgeprägten Dienstleistungssektor hat, dürfte die Region stärker betroffen sein als andere Gebiete.

Auswirkungen werden bis zu zehn Jahre spürbar sein

Biedermann ist Geschäftsführer der Berger Liegenschaften AG. Er sagt: «Wir haben gerade mehrere grosse Büroflächen ausgeschrieben. Auf diese erhalten wir null Resonanz.» Dass die Veränderungen kurzfristig sein werden, glauben beide Experten nicht. «Wir reden hier von einem Zeithorizont von fünf bis zehn Jahren», sagt BKB-Experte Schlägel. Biedermann geht von bis zu fünf Jahren aus, sofern sich alles wieder etwas normalisiere.

Die baldige Eröffnung mehrerer grosser Bürokomplexe und Hochhäuser, vor allem des Roche Turm 2 und des Baloise Park, verschärft in Basel das Phänomen. Die neuen Gebäude erhöhen auf einen Schlag die verfügbare Bürofläche. Schlägel sagt: «Durch Bürohochhäuser, welche derzeit an guten Lagen am Entstehen sind, wird in anderen Quartieren sehr viel Fläche frei, die jetzt vielleicht niemand anderes belegt.» Bereits heute sind 90 Prozent der Flächen im Baloise Park vermietet, teilt eine Sprecherin auf Anfrage mit. In den letzten Jahren hat sich gemäss Zahlen der Basler Kantonalbank der leer stehende Anteil von Gewerbeflächen erhöht. Von knapp sechs Prozent im Jahr 2010 auf über acht Prozent im 2019.

Für die Auswirkungen der Krise gilt die alte Immobilienweisheit «Lage, Lage, Lage». Heisst: Weniger gefragte Standorte, vor allem in der Peripherie, werden zuerst betroffen sein. Zudem nennen die Experten den Bereich um die problemgeplagte Messe. «Diverse Betriebe dort sind vom Messebetrieb abhängig. Das wäre schon ein Quartier, wo es zu brachen Flächen kommen könnte», sagt Biedermann.
Um zu verhindern, dass Bürogebäude leer bleiben, sind Umnutzungen nötig: «Büros könnte man zum Beispiel in Loftwohnungen, Clusterwohnen oder andere innovative Wohnformen umnutzen», sagt Nicole Wirz, die in Basel ein Raumplanungsbüro betreibt. «Dafür muss man raumplanerisch flexibel sein. Die Trennung in Wohn- und Arbeitszonen ist überholt. Der Staat sollte Möglichkeiten schaffen für flexi­ble Umnutzungen», so Wirz. «Denn Leerstände sind in niemandes Interesse, nicht nachhaltig und schaden dem Stadtbild.» Besonders wenn es eine Pleitewelle unter Restaurants und kleinen Läden gäbe, würde sich das mit leeren Parterreflächen besonders bemerkbar machen. Dort wären dafür Mischformen zwischen Wohnen und Arbeiten interessant. Wenn in Quartieren mit hohem Büroanteil plötzlich mehr Menschen wohnen, «braucht es mehr Grünräume, Spielplätze, Apotheken und Läden zur Quartierversorgung im unmittelbaren Wohnumfeld», sagt Wirz.

Eine hohe Hürde für Umnutzungen bleiben die Kosten: «Vor allem Büros zu Wohnungen umzubauen, ist eine teure Sache. Nicht überall sind die richtigen Voraussetzungen dafür gegeben, damit es sich für den Eigentümer lohnt und es ist auch von der Zone abhängig», sagt Biedermann.

Mindestens einen positiven Effekt hat die Büroflaute aber auf jeden Fall: Die Mietzinsen für Büros- und Gewerbeflächen werden sinken, sind sich die Immobilien-Experten einig. Biedermann sagt: «Bei Neu- und Wiedervermietungen kommen die Mieten auf jeden Fall unter Druck.»

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