Feinstaub

Wegen Klimanotstand: Droht dem Feuerwerk das Aus?

Nur auf den ersten Blick grün: das Basler 1. August-Feuerwerk.

Nur auf den ersten Blick grün: das Basler 1. August-Feuerwerk.

Basler Politiker liebäugeln mit einem Feuerwerksverbot. Nachdem in der deutschen Grenzstadt Konstanz aufgrund des Klimanotstands das Feuerwerk abgesagt wurde, werden auch in Basel entsprechende Forderungen laut.

Konstanz ist Vorbild: Die deutsche Grenzstadt möchte aufgrund des Klimanotstands künftig auf das Feuerwerk am jährlichen Seenachtsfest verzichten. Das erklärte der Konstanzer Oberbürgermeister vor zwei Tagen gegenüber «SRF». Nun werden auch in Basel entsprechende Forderungen laut.

Grünen-Grossrat Thomas Grossenbacher sagt im Gespräch mit der «Schweiz am Wochenende»: «Ich werde sicher ein Verbot privater Feuerwerke in die Fraktion einbringen und auch die beiden offiziellen Feuerwerke an Silvester und am Nationalfeiertag zur Diskussion stellen. Ein Verbot privater Feuerwerke müssen wir uns auf jeden Fall ernsthaft überlegen.»

Bereits letztes Jahr habe er sich darüber genervt, dass das Feuerwerk trotz extremer Trockenheit stattfinden durfte. «Gerade jetzt, wo der Klimanotstand ausgerufen wurde, müssen wir konsequenter und klarer vorgehen.»

Auch Parteikollege Jérôme Thiriet steht einem Verbot grundsätzlich offen gegenüber: «Ich könnte mir ein Verbot durchaus vorstellen», so der Grünen-Grossrat. Das Geld, das üblicherweise fürs Feuerwerk verwendet werde, wäre in mehr lokale Bands und Kultur während der Feier auch gut investiert. Die Forderung sei nicht übertrieben: «Mittlerweile müssen drastische Massnahmen ergriffen werden, um das Klima zu retten.»

«Verbot wäre absolut lächerlich»

In Basel wurde im Februar schweizweit zum ersten Mal der Klimanotstand ausgerufen. Umwelttechnisch sind Feuerwerke problematisch, da sie die Luft stark belasten: Laut dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) entstehen beim Abbrennen von Feuerwerkskörpern schweizweit an die 320 Tonnen Feinstaub jährlich. Das entspricht rund zwei Prozent der jährlichen Feinstaub-Gesamtbelastung.

Dennoch dürfte der Wunsch nach einem Feuerwerksverbot parteiübergreifend wenig Unterstützung erhalten. Bei den Basler Bürgerlichen kommt die Idee ganz schlecht an: «Ein Verbot wäre absolut lächerlich», enerviert sich LDP-Grossrat André Auderset. «Egal, worum es geht: Die Grünen wollen es verbieten. Das ist die konservativste Partei im ganzen Basler Parlament.»

Eine Kritik, welche der Grünen-Politiker Michael Wüthrich bereits kennt: «Ich bin es mir gewohnt, ein Spielverderber zu sein», sagt er gleichmütig. «Aber es ist einfach Zeit, dass die Leute zur Vernunft kommen.»

Privatpersonen im Fokus

In der Frage, was vernünftig ist, scheiden sich momentan allerdings die Geister. Was den Bürgerlichen besonders missfällt: dass Leute bei einem Feuerwerksverbot auf ein freudiges Erlebnis verzichten müssten. «Dieses Vergnügen sollten wir den Leuten gönnen», so Auderset. Und auch LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein findet: «Das Feuerwerk ist etwas, woran viele Leute Freude haben. Ich finde, das ist eine schöne Tradition.»

Ohnehin verfolge ein Feuerwerksverbot den falschen Ansatz: «Andere Massnahmen sollten Priorität haben. Die Leute sollten öfters auf das Auto verzichten und stattdessen den Zug benutzen», so von Falkenstein. Und auch Audersets Fazit fällt klar aus: Die Immissionen von Feuerwerken seien «ein Fliegenschiss im Vergleich zum Grossen und Ganzen.»

Mit ihrer Forderung stossen die Grünen allerdings nicht nur auf Kritik. Bei der Basler Klimajugend kommt der Vorschlag grundsätzlich gut an: «Vielleicht wäre es sinnvoll, nur noch einen grossen Event zu veranstalten und das Gesprenge im Vorgarten zu verbieten», so Philippe Kramer, der die Basler Klimastreiks mitorganisiert. «Es ist nicht sinnvoll, wenn jeder in seinem Garten ein eigenes Spektakel veranstalten kann.» Auch ohne Feuerwerk sei ein Fest möglich.

Doch gerade die Forderung, private Feuerwerke zu verbieten, sorgt bei den Liberalen für Irritation: «Ein Verbot privater Feuerwerke kommt schon gar nicht infrage», so von Falkenstein. Man müsse aufpassen, den Leuten nicht zu viel zu verbieten: «Wenn die Leute Freude daran haben, in ihrem Garten Feuerwerke zu zünden, dann sollten wir ihnen diese Möglichkeit lassen. Sonst kommen wir in übertriebenen Staatsinterventionismus.»

Präsidialdepartement in der Zwickmühle

Trotz grüner Regierungspräsidentin: Das Präsidialdepartement (PD) zeigt wenig Gehör für die Anliegen der Grünen. Auf Anfrage der «Schweiz am Wochenende» schreibt Sabine Horvath von «über 100 000 Menschen, die von den Feuerwerken begeistert sind.»

Dennoch gibt sie zu bedenken: «Die Belastung ist unbestritten und es braucht deshalb immer wieder eine Abwägung zwischen der Tradition und dem öffentlichen Interesse an diesen Feuerwerken und der Feinstaubthematik.» Es ist eine Debatte, die nun erst richtig losgehen dürfte.

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