Es sind aktuell nur rund 50 Elektro-Trottinettes, die der US-Anbieter «Lime Bike» in Basel stationiert hat. Und dennoch ist bereits jetzt klar: Es werden weitere kommen. Denn die bisherige, restriktive Praxis der Basler Behörden ist vorbei, seit die BLT die Stadt nicht nur mit gelben Drämmlis, sondern auch mit mietbaren Elektro-Velos versorgt. Denn diese hätten, nach damals gültiger Auslegung des Gesetzes, von der Basler Polizei eingezogen werden müssen – so lautete zumindest die Argumentation, als asiatische Anbieter mit ihren Mietvelos europäische Städte fluteten. 

Martin Dolleschel, zuständig für Zweirad-Verleih beim Basler Amt für Mobilität, sagt: «Wir haben die Auslegung des Gesetzes überprüft und neue Regeln für Anbieter von Verleihsystemen erstellt. Demnach brauchen kleine Anbieter mit weniger als 200 Fahrzeugen auf Stadtgebiet keine Bewilligung mehr, sondern müssen lediglich die Einhaltung der Regeln bestätigen.» Die Vermutung, dass das Amt sich die Gesetzesauslegung so zurechtgebogen hat, dass Pick-e-Bike zulässig ist, verneint Dolleschel. Er sagt: «Wir haben uns vielmehr an anderen Städten orientiert, und den Marktzugang für kleinere Systeme liberaler ausgelegt. Und am Grundsatz, künftig ein grosses, niederschwellig zugängliches Velo-Verleihsystem zu haben, halten wir fest.»

Weitere Anbieter in den Startlöchern

Die kleinen, zum Minutentarif von 15 Rappen mietbaren E-Trottinettes, sind aus zahlreichen europäischen Städten nicht mehr wegzudenken. In Paris beispielsweise stehen tausende solcher Flitzer in der Stadt herum - und zwar von mehreren Anbietern, die sich einen gnadenlosen Verdrängungskampf liefern. Das wird auch in Basel geschehen, denn bereits jetzt sind zwei weitere E-Trotti-Anbieter beim Amt für Mobilität vorstellig geworden. Und Dolleschel sagt: «Wir werden diese genau gleich behandeln wie die Firma Lime - wer zuerst kommt, mahlt zuerst, gilt hier nicht.» Allerdings gehe er davon aus, dass sich der Markt mittelfristig selbst regulieren wird. 

Für städtische Verkehrsplaner hat die aktuelle Situation allerdings auch etwas gutes: Der extrem dynamische Markt erlaubt es, ohne Kosten neue Mobilitätskonzepte zu testen – beispielsweise den Einsatz von überall abstellbaren Elektro-Trottinettes. Dolleschel sagt: «Wenn wir merken, dass der öffentliche Raum durch abgestellte E-Trottinettes übermässig beansprucht wird, dann können wir die Bestimmungen neu beurteilen und auch wieder verschärfen. Die Firma Lime und zwei weiteren Firmen aus diesem Segment haben das Gespräch mit uns gesucht und eine gute Zusammenarbeit angestrebt. Die Situation ist also nicht vergleichbar mit asiatischen Velo-Verleihern. Diese haben gewisse Städte wie Zürich ungefragt und quasi über Nacht mit hunderten Leihvelos vollgestopft haben.» Basel vertraue nun darauf, dass sich die Anbieter an die Spielregeln halten und kann diese bei Nichteinhaltung ermahnen und sanktionieren. 

Rund 50 E-Tretroller befinden sich derzeit in Basel. Weitere werden folgen.

Rund 50 E-Tretroller befinden sich derzeit in Basel. Weitere werden folgen.

Ein Zurück auf Feld 1 allerdings – also die restriktivste Auslegung des Gesetzes, der eine gebührenpflichtige Bewilligung für die Nutzung des öffentlichen Raus vorsieht, scheint allerdings schwierig. Denn damit würde das BLT-Startup Pick-e-Bike ebenfalls bewilligungspflichtig – was allerdings nicht geht, da die Regierung explizit ein einziges, bewilligtes Velo-Verleihsystem vorsieht und dieses im nächsten Jahr ausgeschrieben werden soll.