Alles klang recht gut im bz-Interview vom August vergangenen Jahres: Die Berner Fluggesellschaft Skywork, die von Bern via Basel nach London-City fliegt, peilte weitere Destinationen ab Basel an. Jetzt sind solche Pläne in der Prioritätenliste von Skywork-Chef Inäbnit nach hinten gerückt, denn es fehlen zwei Flugzeuge, die der Leasinggeber nicht termingerecht liefern konnte.

Warum nicht einfach andere mieten? So einfach ist das nicht. Die Flugzeuge, in diesem Fall zwei Saab 2000, müssen genügend schnell sein, damit sie täglich mindestens drei Destinationen anfliegen und zurückkehren können. Und sie müssen eine bestimmte Minimalgrösse haben, damit die Rentabilität stimmt. Die aktuellen drei 31-plätzigen Dornier 328 sind für gewisse Destinationen etwas zu klein.

Vertragliche Vereinbarungen

Was ist geschehen? Ende vergangenen Jahres unterzeichnete Inäbnit den Vertrag mit der schwedischen Leasingfirma Rockton. In diesem Vertrag heisst es auch, dass das erste Flugzeug am 22. April geliefert wird, das zweite am 2. Mai. Weiter räumt der Vertrag die Möglichkeit ein, dass Skywork die Flugzeuge schon vor der Ablieferung inspizieren kann, ob die Lieferbedingungen erfüllt sind. «Wir sind deshalb wie mit Rockton abgemacht nach Schweden zum damaligen Betreiber, der Fluggesellschaft Braathens, gereist. Doch Braathens verwehrte uns den Zugang zum Flugzeug,» sagt der in Liestal wohnende Inäbnit.
Rockton wiederum stellte sich auf den Standpunkt, das sei nicht in ihrem Einflussbereich. Am 21. April, also wenige Stunden vor der vertraglich abgemachten Ablieferung, bekam Skywork eine E-Mail, der Ablieferungstermin könne nicht eingehalten werden. Braathens habe die mit Rockton vereinbarten Rückgabebedingungen des Flugzeuges noch nicht erfüllt.

Lange Mängelliste

«Wir konnten das Flugzeug erst etliche Tage später anschauen, aber wir fanden rund 200 Mängel, und zwar technische wie auch solche in der Dokumentation.» Zur Zeit befindet sich das erste Flugzeug bei Saab in Linköping, wo die Mängel behoben werden. Wann die Arbeiten beendet sind und das Flugzeug eingesetzt werden kann, sei noch offen. Das zweite Flugzeug befindet sich in einem sogenannten C-Check, der sehr umfangreich und ebenfalls noch nicht abgeschlossen ist. «Und wir haben dieses Flugzeug noch gar nicht inspizieren können», sagt Inäbnit. Leider gebe es keine vertraglichen Möglichkeiten, den Leasinggeber für Verzögerungen haftbar zu machen. Bei der Leasinggesellschaft Rockton war am Freitag und am Wochenende niemand erreichbar. Die beiden Saab waren übrigens früher mal im Dienst der Crossair.

Eine teure Verzögerung

Betrieblich kostet die Verzögerung Nerven – und Geld. Skywork hatte im Mai einen ersten 50-Plätzer eingeplant und entsprechend Sitze verkauft. London City läuft gut, die Nachfrage ist da. Aber das Flugzeug nicht. Einige Flüge mussten deshalb mit der Dornier doppelt geführt werden. Eine schlecht gebuchte Strecke nach Kroatien wurde gestrichen, die Passagiere umgebucht. Die auf Juni geplante Strecke Bern – Paris wurde auf Eis gelegt. Die ganzen schon für den Mai vorgenommenen Änderungen habe zusätzlich eine grosse Stange Geld gekostet, sagt Inäbnit.

Im Juni prekär

Im Juni wird die Situation noch knapper, weil, wie für den Sommerflugplan schon langfristig geplant, noch mehr geflogen wird. Falls das Flugzeug auf Anfangs Juni nicht kommt, habe er einen Plan B. Diesen will er aber nicht weiter erläutern.

Fakt ist, dass die Piloten und das Wartungspersonal ausgebildet sind. Aber sie sind zum Daumendrehen verurteilt und wurden im Mai zum Teil in die verfrühten Ferien geschickt. Der verstärkte Einsatz der verbleibenden drei Dorniers wird zur Folge haben, dass eines der Dornier-Flugzeuge früher als geplant in eine Triebwerkswartung gehen muss. Nach Plan hätte die Wartung erst im Oktober stattgefunden. Aber auch hier sei schon für genügend Kapazität vorgesorgt.

Generell lässt sich sagen, dass aus betriebswirtschaftlicher Sicht mehr als fünf Flugzeuge sicherlich wünschenswert wären. Denn je mehr Flugzeuge eine Flotte umfasst, desto besser lassen sich die Fixkosten der Verwaltung verteilen. Zudem sind die Risiken besser gesplittet. In jedem Netzwerk hat es die eine oder andere Strecke, die nicht so gut rentiert, die aber aus strategischen Gründen «mitgeschleppt» wird. Eine grössere Flotte erhöht auch die Einsatzflexibilität, wenn etwa ein Kurs aus technischen oder meteorologischen Gründen ausfällt.