Rheinschifffahrt

Wegen Nachtsperrungen: zwischen dem Elsass und Basel tobt ein Schleusenstreit

Der Güterverkehr der Rheinschifffahrt ist wegen der Schleusensperrungen in der Bredouille.

Der Güterverkehr der Rheinschifffahrt ist wegen der Schleusensperrungen in der Bredouille.

Französische und deutsche Rheinschleusen sind in der Nacht gesperrt. Basler Schifffahrtsfirmen beklagen die hohen Kosten. Eine Einigung ist nicht in Sicht.

Die Basler Rheinschifffahrt ist gerade nicht gut auf die Elsässer Schleusenbetreiber zu sprechen. Grund: Wegen der Coronakrise werden die Schleusen während der Nachtstunden nicht mehr betrieben. Zwischen 21 Uhr abends und 5 Uhr morgens können seit dem 1. April Schiffe die Strecke zwischen dem französischen Kembs und dem deutschen Iffezheim nicht mehr passieren. Erklärt wurde die Sperrung mit Krankheitsfällen in der eigenen Belegschaft – das Elsass ist äusserst stark vom Corona­virus betroffen. Die Betreiber wollten zudem die «langfristige Aufrechterhaltung des Schleusendienstes» sicherstellen.

Es ist eine auf den ersten Blick kleine Massnahme, die bei den Basler Transportfirmen aber hohe Kosten verursacht. Ihrem Unverständnis verschaffte die Schweizerische Vereinigung für Schifffahrt und Hafenwirtschaft (SVS) in ihrem aktuellen Verbandsheft mit einigen Ausrufzeichen Luft. «Die Nachtschliessung behindert uns massiv», sagt André Auderset, ­Geschäftsführer der Schifffahrtsvereinigung zur bz. «Warentransporte verzögern sich pro Fahrt um einen ganzen Tag, weil die Schiffe vor den Schleusen warten müssen.» Deshalb mussten die Fahrpläne angepasst werden und die Frachtunternehmen mehr Schiffe auf die Strecke schicken. «Die Schleusenbetreiber haben sich gedacht: In der Nacht läuft auf dem Rhein eh nichts. Aber das ist ein Irrtum. Da läuft eben gerade sehr viel», sagt Auderset.

Heinz Amacker, CEO der Containertransport-Firma Danser Switzerland, erläutert im Verbandsheft den Schaden: Man habe in der Niederlande einen Hub einrichten müssen. «Das bedeutet hohe Zusatzkosten. Die Transitlaufzeiten verlängern sich um bis zu zwei Tage.»

Franzosen fürchten sich vor den Gewerkschaften

Die Nachtsperrungen kommen zu einer Zeit, in der die Rheinschifffahrt ohnehin in der Bredouille ist. Das zeigen die neusten Zahlen der Schweizerischen Rheinhäfen. Der Güterverkehr ist in den ersten drei Monaten des Jahres um 20 Prozent eingebrochen. Die Exporte sanken sogar um 34 Prozent. Und der vom Lockdown geprägte April ist im ersten Quartal noch gar nicht enthalten.

Zurück zum Schleusenstreit: Die Fronten sind verhärtet, eine Einigung ist nicht in Sicht. An einer Videokonferenz vom Donnerstag forderten die Schweizer die rasche Aufhebung der Nachtsperre – «zumindest für die verkehrsreichen Nächte von Donnerstag bis Samstag», so Auderset. Alternativ wollten sie eine Wiederaufnahme des 24-Stundenbetriebs für zwei der acht Schleusen durchsetzen. Die Betreiber gingen darauf nicht ein. Laut Auderset mit der Begründung, die momentan kooperativen, aber sonst sehr streitlustigen Gewerkschaften, könnten sich querstellen. Die Schifffahrtsvereinigung ärgert sich über die wechselnden Begründungen der Franzosen: Während es am Anfang um erkrankte Mitarbeiter ging, sei dann die Ausgangssperre von Präsident Macron als Grund angeführt worden.

Am 11. Mai läuft diese aus. Ob es dann zur Öffnung kommt, ist unklar: Die französischen Behörden antworteten nicht auf eine Anfrage der bz. Auderset: «Wir hoffen sehr auf die Aufhebung der Sperre zum 11. Mai.»

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