Seit Wochen hat es in Basel nicht mehr richtig geregnet. Auf den Hitzesommer folgt ein sonniger, trockener Herbst. Während sich die einen am Rheinufer sonnen, bereitet anderen der Blick auf den niedrigen Wasserstand vor ihnen Sorgen, oder hat sogar direkte Konsequenzen. Bei der Schweizer Vereinigung für Schifffahrt und Hafenwirtschaft (SVS) hofft man auf Regen. «Wegen der lang anhaltenden Trockenheit brauchen wir mehr Schiffe, um den Bedarf an Öl zu decken», sagt der Geschäftsführer der SVS André Auderset.

Bei normalem Pegel transportiert ein Tanker 2500 bis 3000 Tonnen Öl. Im Moment ist das bei weitem nicht möglich: «Wenn es im Rhein zu wenig Wasser hat, kratzt der Tanker irgendwann am Grund, weil er zu schwer ist», erklärt Auderset.

Vier Schiffe für gleiche Menge Öl

Deshalb sind die Tanker, die momentan auf dem Rhein unterwegs sind, nur mit rund 600 Tonnen Öl beladen. Am Bedarf an Öl ändert sich allerdings nichts. «Um die gleiche Menge Öl zu transportieren, brauchen wir deshalb im Moment etwa vier Schiffe statt eines», sagt Auderset. Dazu komme, dass die Pegel nicht nur in Basel tief sind, sondern auch andernorts in Europa mehr Schiffe benötigt werden, weil sie nicht voll beladen werden können. Die Tanker können deshalb nicht einfach beliebig leichter werden. Erstens passen nicht unendlich viele Schiffe in den Hafen, zweitens würden irgendwann vor allem auch Tanker fehlen.

Pflichtlager angezapft

Um einen Engpass bei Treib- und Brennstoffen zu verhindern, mussten bereits jetzt die Öl-Pflichtlager zu einem kleinen Teil freigegeben werden. Diese sind seit der Ölkrise 1973 nicht mehr angezapft worden. Das hat aber nicht nur mit dem tiefen Pegel im Rhein zu tun. Die einzige Schweizer Raffinerie in Cressier musste Ende Oktober ihre Produktion wegen technischer Probleme stoppen. Diese Ausfälle konnten wegen des tiefen Wasserstandes nicht vollständig durch zusätzliche Schiffstransporte kompensiert werden.

Günstiges Heizöl gefragt

In Basel hofft André Auderset aber auch noch aus einem anderen Grund auf baldigen Regen: «Wir erwarten auf Ende Jahr noch einmal einen Boom in Sachen Heizöl.» Der Bund erhöht per 1. Januar 2016 nämlich die CO2-Abgabe auf 84 Franken pro Tonne CO2. Es dürften deshalb noch einige geben, die ihren Heizöltank noch vor Jahresende bis auf den letzten Tropfen auffüllen möchten, bevor es für sie teurer wird.