Neue Kommunikationsmittel

Wegen Social Media greift die offene Jugendarbeit immer mehr ins Leere

Kaum Jugendliche am Baselmattweg in Allschwil: Sie treffen sich zunehmend privat und immer seltener im öffentlichen Raum.

Kaum Jugendliche am Baselmattweg in Allschwil: Sie treffen sich zunehmend privat und immer seltener im öffentlichen Raum.

Seit Menschengedenken haben sich Allschwiler Jugendliche Abends im Gemeindepärkli getroffen. So waren sie für die mobile Jugendarbeit einfach aufzufinden. Doch diese Zeiten sind vorbei. Wegen WhatsApp und Co. verschwinden traditionelle Treffpunkte.

«Wir haben seit einiger Zeit keine Probleme mehr mit Jugendlichen an Orten wie dem Pärkli», sagt die Allschwiler Gemeinderätin Franziska Pausa (SP). Denn die Jugendlichen würden sich immer seltener dort aufhalten. Darum hat das Allschwiler Jugendhaus die mobile Jugendarbeit stark reduziert. Die Streetworker gehen nur bei speziellen Ereignissen auf die Strasse, etwa nach der Schulabschlussfeier.

Der abtretende Allschwiler Jugendhaus-Leiter Heinz Kraus gab der «Basler Zeitung» eine Erklärung für diese Entscheidung: Viele Jugendliche würden am Samstag gar nicht mehr ausgehen. Stattdessen würden sie über Social Media abmachen, zu wem nach Hause sie gehen würden. Deshalb gebe es keine «Dorfjugend» mehr im eigentlichen Sinne.

Frank Awender, Jugendarbeiter in Oberwil, Bottmingen und Binningen, stellt eine ähnliche Entwicklung fest. Und er erklärt die Folgen für seine mobile Jugendarbeit: Bereits seit längerem machen die Jugendlichen per Facebook ab, wo sie sich treffen. Ein Problem ist das nicht, denn die Jugendarbeiter können das verfolgen. «Oft sind wir sogar Facebook-Freunde der Jugendlichen», sagt Awender. «Facebook ist für uns Streetworker angenehm, denn online und offline gehen fliessend ineinander über.»

Doch seit einiger Zeit verschiebe sich die Kommunikation der Jugendlichen von Facebook auf WhatsApp, einem kostenlosen Kurznachrichten-Dienst auf dem Handy. «Sie bilden geschlossene Gruppen, die für uns nicht einsehbar sind.»

Wenn Facebook wegbreche, müssten sich mobile Jugendarbeiter eine neue Strategie ausdenken. «Wir müssen den Jugendlichen vermehrt unsere Bereitschaft zeigen, dass wir immer für sie da sind.»

Trend nicht überall gleich

Der Wandel im Ausgehverhalten scheint aber nicht überall so dramatisch zu sein. Kein Thema ist das Abdriften in private Social Media jedenfalls in Muttenz. Der Leiter des Jugend- und Kulturhauses Fabrik, Christoph Kühne, hat noch nie davon gehört. «Wir haben eine Streetworkerin, und die hat viel zu tun.» Facebook sei für die Jugendlichen zwar wichtig. «Aber mobile Jugendarbeit ist und bleibt ein wichtiger Arbeitszweig für uns.»

Ähnlich klingt es in Basel, wo viele Baselbieter Jugendliche ihre Freizeit verbringen. Laut Malika Abd'Rabbou von der mobilen Jugendarbeit Basel gehen im Kleinbasel die Zahlen der kontaktierten Jugendlichen im öffentlichen Raum nicht zurück. «Dabei läuft bei uns viel über Facebook.»

Auf Plätzen weniger toleriert

Albrecht Schönbucher, Geschäftsführer der Jugendarbeit Basel (einst Basler Freizeitaktion), hat auch von Jugendhaus-Betreibern gehört, dass sie ihre mobile Arbeit reduziert haben. Er ist aber nicht überzeugt, dass die gewandelten Kommunikationsmittel der Hauptgrund dafür sind.

Erfahrungsgemäss hätten vor allem Secondos zu Hause keinen Platz, um sich mit anderen Jugendlichen zu treffen. Er betont zwei Punkte: Die Toleranz gegenüber Jugendlichen im öffentlichen Raum sei «sicher nicht grösser» geworden. Und die Plätze seien in Basel immer öfter von Events belegt, etwa die Kaserne.

Schönbucher sieht aber auch Positives in der Tendenz der Jugendlichen, sich zugunsten von Social Media aus dem öffentlichen Raum zurückzuziehen: «Sie suchen kreativ einen eigenen Weg. Das ist gut so.»

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