Jedes dritte neue Auto in der Schweiz ist ein SUV, also eine Geländelimousine. Manche dieser Autos sind breiter als zwei Meter, zum Vergleich: Ein 2 CV ist 1,48 Meter breit. Aber wer fährt heute noch 2 CV? Cayenne und Tuareg heissen die Autos der Stunde. Was tun? Strassen verbreitern. Das verlangen Verkehrsexperten in der «Sonntagszeitung». Grund: die Sicherheit.

«Wenn die Fahrzeuge breiter werden, muss auch die Strasse breiter sein, sonst erhöht sich die Gefahr von Unfällen», lässt sich Jean-Marc Jeanneret zitieren. Der Präsident des Verbandes für Verkehrsfachleute Schweiz erhält Unterstützung von oberster Stelle: Auch das Bundesamt für Strassen Astra denkt über eine Verbreiterung der Strassen nach. Die Rede ist von zehn bis fünfzig Zentimeter mehr pro Fahrbahn.

Auf Kosten Tausender Parkplätze

Basler Verkehrspolitiker können da nur lachen – oder weinen. Und Politiker sind es, die letztlich entscheiden müssen. Das sagt nicht nur der Baselbieter SP-Ständerat Claude Janiak, der wenig Sinn in breiteren Strassen sieht, sondern auch sein politischer Gegenspieler, der Aargauer FDP-Nationalrat Thierry Burkart. Und eben weil es eine politische Frage sei, habe man sich im Bau- und Verkehrsdepartement bisher keine Gedanken zum Thema Strassenverbreiterung gemacht, sagt Sprecher Marc Keller. Zwar werde die Missionsstrasse voraussichtlich demnächst saniert und stellenweise verbreitert, indem Parkplätze aufgehoben würden. «Diese Entscheidung ist aber nicht wegen der vielen SUVs gefallen, sondern aus Sicherheitsüberlegungen.»

Noch steht die Missionsstrasse-Debatte im Grossen Rat aus. Sicher ist: Sie wird heftig – wie immer, wenn Parkplätze auf dem Spiel stehen. Das weiss auch Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels. Und bringt Parkplätze in Zusammenhang mit breiteren Strassen: «Die Anpassung der Strassennormen an immer breiter werdende Fahrzeuge führt zwangsläufig dazu, dass Tausende Parkplätze aufgehoben werden. Vor allem in dicht bebauten Städten, wo Strassen nicht einfach verbreitert werden können», sagt er – wohl im Wissen, dass Parkplätze in Basel ein emotionales Thema darstellen, wie die Reaktion von LDP-Grossrat André Auderset zeigt: «In einem teilweise so engen Stadtgebiet wie Basel kann man keine breiteren Strassen bauen. Die Verwaltung nützt aber die breiten Fahrzeuge gerne als Ausrede, Parkplätze abzubauen.»

Einigkeit von links bis rechts

Auderset ist sich im Kern jedoch ausnahmsweise einig mit dem grünen Präsidenten der grossrätlichen Verkehrskommission (UVEK). Michael Wüthrich würde zwar einen weiteren Parkplatzabbau gutheissen, dennoch findet auch er, die Strassen müssten nicht verbreitert werden – zumindest nicht wegen der Geländewagen: «Man könnte Strassen für Velospuren, Bus- und Trameigentrassen verbreitern. Der volkswirtschaftliche Nutzen wäre um ein vielfaches höher.» Besser solle die Breite von Personenwagen beschränkt werden. Von dieser Idee hält Auderset nichts, an Beschränkung denkt aber auch er: «In schmalen Strassen mit LKW-Fahrverboten könnte man auch Autos, die breiter als zwei Meter sind, per Signal verbieten.»

UVEK-Kollegin Daniela Stumpf (SVP) befürchtet nicht nur einen Parkplatzwegfall: «Eine Verbreiterung würde auch auf Kosten von Velostreifen und Trottoirs gehen», sagt sie. Einen anderen Aspekt bringt Kommissionsmitglied Jörg Vitelli (SP) ein, der ebenfalls gegen eine Verbreiterung ist: «Breitere Autospuren animieren zu schnellerem und aggressiverem Fahren. Diese riskante Fahrweise gefährdet schwächere Verkehrsteilnehmer, sprich Velofahrende.»