Umzug

Wegen Umzug des Naturhistorischen: Verschwinden Giraffe und Mammut?

70 Jahre hat die Basler Giraffe unter Licht, Temperaturen und Insekten gelitten. (Archivbild)

70 Jahre hat die Basler Giraffe unter Licht, Temperaturen und Insekten gelitten. (Archivbild)

Das Naturhistorische Museum zieht in den Neubau im Quartier St. Johann. Doch der Umzug macht nicht alle glücklich. Für einige beliebte Präparate des Museums bedeutet er das Ende.

Neugierig schaut die Giraffe über den Sims der Treppe, die wie um sie herum gebaut scheint. Seit Jahrzehnten verharrt ihr Blick genau so. Das hohe Alter ist ihr anzusehen: Generationen von Kindern kennen die Giraffe im Naturhistorischen Museum. Nicht nur viele Besucher identifizieren sich mit ihr, auch für das Museum ist das alte Präparat längst zum Wahrzeichen geworden.

Das könnte sich bald ändern. Nämlich dann, wenn das Naturhistorische Museum vom jetzigen Standort an der Augustinergasse in den Neubau im St. Johann zieht. «Diese Giraffe ist ein Ausstellungsstück, von dem wir uns mit grosser Wahrscheinlichkeit trennen müssten», bestätigt Sprecherin Yvonne Barmettler auf Nachfrage, «ich sehe schwarz für sie».

Fressinsekten fallen über Tiere her

Der Grund dafür: Bei der Giraffe handelt es sich um ein historisches Präparat. 1934 reiste der Basler Industrielle René Clavel nach Tansania. Auf einer Grosswildjagd erlegte er die Massaigiraffe (lateinisch: giraffa camelopardalis tippelskirchi) und schenkte sie nach seiner Rückkehr dem Museum. Der Stuttgarter Präparator Adolf Haug nahm sich des Tieres an und versuchte sich dabei in ganz neuen Methoden. Verpackt in ein Gerüst fuhr die Giraffe schliesslich auf einem Lastwagen nach Basel. «Das würde heute ganz anders gemacht», sagt Barmettler.

Bereits seit einiger Zeit steht die Giraffe unter Beobachtung. Die Präparatoren beurteilen immer wieder neu, ob sie etwas flicken müssen. Die postmortal entstandenen «Narben» sind deutlich zu erkennen, etwa am Bauch des stolzen Tiers. Die Schäden entstehen unter anderem aufgrund der baulichen Bedingungen an der Augustinergasse. «An manchen Tagen im Sommer ist es so heiss, dass wir die Fenster aufmachen müssen», sagt die Museumssprecherin. Dies wiederum öffne Fressinsekten Tür und Tor, die über Haut und Haar der ausgestopften Tiere herfallen. «Manche Präparate reinigen wir immer wieder. Doch bei so grossen Exponaten ist das nur zum Teil möglich», sagt Barmettler.

Auffrischungskur für das Mammut

Vom Umzug bedroht ist deshalb auch das Mammut. «Wir wollen es aber unbedingt möglich machen, dass das Mammut auch am neuen Ort eine Bleibe findet», sagt Barmettler. Wahrscheinlich ist, dass der Publikumsmagnet eine «Auffrischungskur» durchmache – oder ein neueres Objekt an seine Stelle tritt. Man möchte es dem treuherzigen Vieh gönnen. Schliesslich haben in den vergangenen Jahren unzählige Kinderhände sein zotteliges Fell gestreichelt und wahrscheinlich waren nicht alle davon sauber.
Noch ist nichts spruchreif. Derzeit laufen im Naturhistorischen Museum die Abklärungen, wie die Ausstellung am neuen Ort aussehen wird. Eines ist aber bereits jetzt klar: Der Höhlenbär linst künftig aus dem Santihans. «Er kommt sicher mit», sagt Yvonne Barmettler. Das erstaunt nicht, gehörte der Bär doch schon im Abstimmungskampf um den Neubau zu den Maskottchen des Ja-Komitees.

Gut möglich, dass der Neubau seine eigenen Ikonen erhält. «Wir hoffen schon, dass wir noch einige Überraschungen bereithalten können», sagt Barmettler optimistisch. Allerdings, gibt sie zu bedenken, sei gerade das Beschaffen solch grosser Objekte mit einigen Schwierigkeiten verbunden.

Selbst für die Giraffe besteht noch eine kleine Chance. Dann nämlich, wenn ihre Präparation selbst zum Thema gemacht wird. «Man müsste es sicher einbetten, warum man dieses Objekt noch weiter ausstellt», sagt Barmettler. Der gemeinsame Neubau des Naturhistorischen Museums und des Staatsarchivs wird voraussichtlich ab 2023 bezugsbereit sein.

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