Wärmestube

Wegen Verschuldung: Der Kanton stellt Soup & Chill ein Ultimatum

Die Zukunft der Wärmestube von Soup&Chill steht auf der Kippe. Der Verein hat mehrere 10000 Franken Schulden.

Die Zukunft der Wärmestube von Soup&Chill steht auf der Kippe. Der Verein hat mehrere 10000 Franken Schulden.

Die künftige Unterstützung knüpfen der Kanton sowie die Christoph Merian Stiftung und die GGG Basel an Bedingungen. Soup & Chill muss ein Betriebskonzept und einen Sanierungsplan vorlegen, damit es weiterhin Geld gibt.

Soup & Chill hat 45 000 Franken Schulden. Die Präsidentin des Vereins hat dafür eine einfache Erklärung: «Wir bekommen vom Kanton zu wenig Geld», sagt Claudia Adrario. Für das Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt (WSU) hat das Loch in der Kasse jedoch einen ganz anderen Grund: «Soup & Chill hat sein Angebot einfach kontinuierlich ausgebaut, ohne die finanziellen Mittel dafür zu haben», sagt Nicole Wagner, die Leiterin der Basler Sozialhilfe. «Staatsbeiträge sind definitiv nicht dazu da, Vereinsschulden zu sanieren.» Der Kanton hat genug und knüpft das Geld künftig an Bedingungen. Bis Ende April muss Soup & Chill ein Betriebskonzept und einen Sanierungsplan vorlegen, wenn der Verein weiterhin von kantonalen Beiträgen profitieren will.

Die Wärmestube wird seit 2008 unterstützt. Bisher zahlte der Kanton 45 000 Franken pro Jahr. Die restlichen 250 000 Franken sind Spenden. Künftig wird der Beitrag auf 51 000 Franken aufgestockt. Adrario beantragte 100 000 Franken. Das entspreche einem Drittel des Budgets. Ohne dieses zusätzliche Geld könne sie die Wärmestube nicht weiterbetreiben. «Wenn wir nicht mehr Geld vom Kanton bekommen, müssten wir an den Wochenenden, über die Festtage und in der Fasnachtswoche schliessen, um Personalkosten zu sparen», sagt Adrario. Menschen in Not hätten an diesen Tagen keinen anderen Ort mehr, wo sie essen und sich aufwärmen könnten. Die Gassenküche hat an diesen Tagen geschlossen. «Es kann nicht sein, dass man schon wieder auf dem Rücken der Schwächsten spart», sagt Adrario

Im Moment geht es allerdings nicht nur um die langfristige Zukunft der Wärmestube. Die Schulden bedrohen auch den unmittelbaren Betrieb. Damit das Haus an der Solothurnerstrasse 8 überhaupt noch bis Ende März offen sein kann, beantragt das WSU dem Regierungsrat zusätzlich zu den schon ausbezahlten 45 000 Franken weitere 30 000 Franken. «Dieses Geld ist nötig, damit der Verein die Lohnkosten im März bezahlen kann», sagt Wagner.

Für Adrario ist allerdings klar, dass der Kanton dieses Geld nur beantragt, damit ihr Verein den Verantwortlichen aus der Patsche hilft. «Wenn wir bei diesen Temperaturen schliessen müssten, hätte Basel ein sichtbares Problem.» Die Menschen, im Schnitt seien es 100 pro Abend, würden sich irgendwo in der Stadt aufhalten. «Die Polizei müsste ihre Präsenz erhöhen, was massive Kosten verursacht», sagt Adrario. Der Kanton käme unter Druck.

Nicht nur die 51 000 Franken des Kantons stehen auf der Kippe, sondern auch die je 34 000 Franken von der Christoph Merian Stiftung und der GGG Basel. Das Betriebskonzept von Soup & Chill muss diesem finanziellen Gerüst entsprechen und der Sanierungsplan «glaubhaft darlegen, wie bis Ende 2018 alle Schulden getilgt und eine Neuverschuldung vermieden werden kann».

Alternativangebot ausarbeiten

Werden diese Voraussetzungen nicht erfüllt, würden das Sozialdepartement, die Christoph Merian Stiftung und die GGG Basel ein Alternativangebot für Menschen in Not in der Nähe des Bahnhofs ausarbeiten, wie sie in einer gemeinsamen Mitteilung schreiben. Konkrete Schritte seien noch nicht unternommen worden. «Wir warten die Antwort von Soup & Chill ab», sagt Wagner.

Eine Frage stellt sich allerdings noch: Warum hat der Kanton nicht früher regiert? Wagner sagt, die finanzielle Lage des Vereins sei schon immer kritisch gewesen. Darauf sei Soup & Chill hingewiesen worden. «Aber als der jetzige Staatsbeitragsvertrag, der dieses Jahr ausläuft, 2013 erneuert wurde, hat sich noch kein derart gravierendes Bild gezeigt», sagt Wagner. Adrario entgegnet, sie hätte bereits 2013 mehr Geld beantragt oder die Übernahme der Sicherheitskosten: «Wir haben jährlich daraufhingewiesen, dass es irgendwann nicht mehr reichen wird.» Das ist nun passiert.

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