Leerstand

Wegweiser für Besetzer oder für Zwischennutzer?

Ein Ausschnitt aus der Karte der Region Basel.

Ein Ausschnitt aus der Karte der Region Basel.

Ein Haus, eine Lagerhalle oder ein Gelände steht leer und würde sich für eine Zwischennutzung eignen. Doch wie erfährt man davon? Über eine Website, die auch vom Kanton empfohlen wird.

Alternative Zwischennutzungen von leerstehenden Gebäuden sind seit längerer Zeit ein Thema, das in Basel immer wieder für Meinungsverschiedenheiten sorgt. Doch wie erfahren potenzielle Nutzer überhaupt davon, wenn irgendwo Platz frei wird? Zum Beispiel im Internet.

Im Dezember 2010 wurde in Hamburg eine Website lanciert, auf welcher Informationen über leerstehende Gebäude und «Möglichkeitsräume» in der Stadt ausgetauscht werden können. Die freistehenden Gebäude werden jeweils gemeldet, dann auf einer interaktiven Karte mithilfe von Stecknadeln dargestellt und verzeichnet.

Des Weiteren findet man diverse Informationen über die Bauten – von Adresse und Nutzungsart bis zu Angaben über Eigentümer, Daten des Leerstandes und Abriss-Gerüchten. Diese Informationen und Gerüchte können beliebig von privaten Nutzern geändert und kommentiert werden.

Expansion in die Schweiz

Das Interesse an www.leerstandsmelder.de stieg schnell. Weitere Städte zogen nach. Das Netz der Internetseite wurde weiter ausgebaut und durch lokale Initiativen und Betreiber direkt vor Ort verwaltet.

Auch in Basel wurde die Idee kopiert. Als einzige Schweizer Stadt ist Basel auf leerstandsmelder.de zu finden. Von den 55 Einträgen in der Region Basel befinden sich lediglich 16 in der Schweiz – die übrigen verteilen sich auf das nahe Umland. Die Verantwortung für die Webseite trägt der Verein «Neubasel»; er betreibt diese. Ausserdem widmet sich «Neubasel» dem öffentlichen Raum und der grossen, freien Szene, die Basel prägt. Er sucht neue Freiräume und will so Platz für die wachsende, alternative Kulturszene schaffen und bei der Realisierung von Projekten behilflich sein.

Auch die Kantons- und Stadtentwicklung des Präsidialdepartements Basel-Stadt hat unter der Rubrik «Zwischennutzungen» die Webseite der Hamburger verlinkt. Auf Anfrage bei der Stadtteilentwicklung, ob dieser Link nicht zum Besetzen anrege, wird klar verneint. «Der Regierungsrat erachtet die Förderung und die Vermittlung bei Zwischennutzungs-Vorhaben weiterhin als wünschenswert. Dies ist ein wichtiger Beitrag für eine nachhaltige Stadtentwicklung», meint Roland Frank, Leiter der Fachstelle Stadtteilentwicklung. Daraus ist zu schliessen, dass Interesse an Zwischennutzungen vorhanden ist.

Schlechtes Beispiel: Hafenareal

Der Unterschied zwischen Besetzen und Zwischennutzen wird von Teilen der Besetzerszene oft absichtlich fliessend gehalten, indem sie illegale Besetzungen als «Zwischennutzungen» bezeichnen. Dabei ist der Unterschied zwischen einer illegalen Besetzung und einer von der Regierung erlaubten Zwischennutzung folgenschwer.

Das Präsidialdepartement hat eine Stelle für Zwischennutzungen eingerichtet, die legale Nutzungen auf zur Verfügung gestellten Flächen des Kantons oder von Privaten ermöglichen soll. Eines der Beispiele, wo sich illegale Besetzungen mit organisierten Zwischennutzungen vermischen, ist das Hafenareal.

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