Meine Schuhgrösse? Die kenne ich nicht. Anprobieren? Im Laden herumlaufen? Spüren, ob der Schuh drückt? Habe ich noch nie gemacht. Neue Schuhe? Neuland.

Bruno* war bereits 13 Jahre alt, als er vor gut einem Jahr erstmals neue Schuhe bekam. Der Basler stand bis zum Teenager-Alter tatsächlich noch nie vor einem Schuhregal in einem Laden. Und wenn, dann nur, um zu träumen. Von eigenen Schuhen, die vor ihm niemand getragen hatte. Davon, die ausgelatschten Turnschuhe der grossen Brüder wegwerfen zu können.

Bruno ist kein Einzelfall: Eines von fünf Kindern in der Schweiz ist von Armut betroffen, wie das Bundesamt für Statistik 2016 bekannt machte und diesen Herbst bestätigte. Bereits vor der Veröffentlichung dieser Studie war für den pensionierten Gemeindeverwalter von Therwil, Theo Kim, klar: «Da will ich was machen!»

Kleidung, Lebensmittel, Freizeit

Eine befreundete Sozialarbeiterin hatte ihm kurz vorher erzählt, dass sie einen Jungen betreue, der nicht ins Lager dürfe, weil er keine anständigen Schuhe habe. Das war die Initialzündung für die spätere Vereins-Idee: «Ich war schockiert und beschloss, dem Jungen ein Paar Schuhe zu kaufen.» Kurz darauf standen sie zu dritt in einem Laden. Bruno entschied sich für ein rotes, robustes Modell. Als die Frau an der Kasse «mit oder ohne Schachtel?» fragte, antwortete der Junge: «Mit Schachtel.» Er wolle die Schuhe jeden Abend verräumen und unter sein Bett stellen.

Nach diesem Erlebnis erzählte Theo Kim am Stammtisch mit Kollegen von der Idee, Kindern in Not bei Bedarf unbürokratisch und direkt mit einer kleinen Soforthilfe zu helfen. Kleidung, Lebensmittel, Freizeit. Was auch immer. Die Männer zückten spontan das Portemonnaie, jeder legte 50 Franken auf den Tisch. Das Geld reichte für Weihnachtsgeschenke für sechs Heimkinder. Ein paar Wochen später war der Verein «eins vo fünf» gegründet. Inzwischen zählt er über 100 Mitglieder. Sie alle sind Patinnen und Paten ohne grosse Verpflichtungen.

Das Prinzip: Eine Lehrerin, ein Arzt, ein Sozialarbeiter oder sonst eine Person, die ein Kind kennt, das dringend Handschuhe, einen Schulsack oder sonst etwas Notwendiges braucht, wendet sich an den Verein. Der Vorstand kümmert sich dann darum, dass das Kind möglichst rasch erhält, was es braucht. Mit einer vom Verein gestalteten Merci-Postkarte kann sich das Kind beim meist anonymen Gönner bedanken. Zahlreichen Kindern konnte inzwischen geholfen werden.

Geschenke für Heimkinder

Ab diesem Samstag stehen in drei Geschäften (siehe unten) der Innenstadt Weihnachtsbäume und -dekorationen, die mit Wunschkarten von Kindern aus dem Kinderhaus Gellert und dem Kinderheim auf Berg geschmückt sind. Die Geschenke kosten alle weniger als 50 Franken. Kunden können eine Karte aussuchen, das Geschenk selber kaufen oder das Geld dafür hinterlassen.

«Wir können das Armutsproblem nicht lösen», sagt Kim, «aber wir können und wollen das schwächste Glied in der Kette, das Kind, mit dem dringend Nötigsten unterstützen oder kleine Wünsche erfüllen.»

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Was sich Michaela, Irena oder Loris zu Weihnachten wünschen, lesen Sie auf den Wunschkarten in folgenden Geschäften: Mercedes Spot Caffè, Schneidergasse 28 / Naked/Schritt für Schritt, Henric Petri-Str. 26 / Spinnler+Schweizer AG, Marktplatz 11.

*Name der Redaktion bekannt

Weitere Infos unter: www.eins-vo-fuenf.ch