Weinherbst 2021
Für die Winzer in der Region Basel ist es ein Jahr der Herausforderungen

Frost, Regen, Hagel, Sonnenmangel und Schädlinge setzten den Trauben zu: Heuer kommt in der Region Basel und Solothurn Qualität vor Quantität.

Boris Burkhardt
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Die Qualität der Trauben ist besser, als es die Menge ist.

Die Qualität der Trauben ist besser, als es die Menge ist.

Archiv bz

Man muss kein Winzer sein, um zu ahnen, dass das Jahr 2021 eine besondere Herausforderung für die hiesigen Rebbauern war und ist.

«Ich habe in 20 Jahren noch nie so ein Wetter erlebt»,

sagte Thomas Engel von der Kellerei Siebe Dupf an der Medienkonferenz des Verbands der Weinproduzenten Region Basel-Solothurn und des Ebenrain-Zentrums gestern auf dem Kienberghof oberhalb von Sissach.

«Man muss psychisch stark sein als Winzer»,

ergänzte Urs Jauslin vom gleichnamigen Weingut in Muttenz.

Lauter Negativrekorde

Rebbaufachmann Urs Weingartner vom Ebenrain listete als Negativrekorde dieses Jahres den kältesten April seit 20 Jahren auf, 14 Frosttage mit Temperaturen bis minus fünf Grad nach Ostern in Aesch, die bis zu 70 Prozent der Hauptknospen hätten absterben lassen, und schliesslich der nasseste Sommer seit Messbeginn 1864 mit Hagelschäden in Rodersdorf, Tenniken, Wintersingen, Muttenz und Maisprach, die beiden letzteren die jeweils viert- und zweitgrösste Rebbaugemeinde im Verbandsgebiet.

Dank der hohen Feuchtigkeit haben die Winzer heuer vor allem mit der Pilzkrankheit Falscher Mehltau zu kämpfen: Laut Weingartner war der Boden oft so vernässt, dass je steiler der Hang, desto schwieriger Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden konnten. Auch der Echte Mehltau habe in einigen Rebbergen zu Schäden geführt. Die Fruchtfäulnis und der Wespenfrass seien im Gegensatz zum Vorjahr jedoch kaum aufgetreten.

Wegen des Lockdowns weniger Wein konsumiert

Das Ebenrain-Zentrum überwacht weiterhin die Kirschessigfliege, die Amerikanische Rebzikade und den Erreger der Goldgelben Vergilbung. Zu all dem wurden in der Schweiz 2020 wegen des Lockdowns in der Gastronomie 15 Millionen Liter oder sechs Prozent weniger Wein konsumiert als im Vorjahr. Immerhin stieg der Anteil des Schweizer Weins an diesem Konsum weiter auf 39,5 Prozent.

Doch wer so wetterabhängig ist wie die Winzer, bleibt optimistisch: Der Jahrgang 2021 werde sich durch Qualität statt Quantität auszeichnen, ist sich Weingartner sicher. Mit dem September sei nun auch endlich der «Sommer» in die Nordwestschweizer Rebberge eingezogen:

«Die warmen Tage können die Trauben jetzt noch gut gebrauchen.»

Engel, der Trauben von 90 Winzern keltert, hat laut eigener Aussage bisher die unterschiedlichsten Reben «von Totalausfällen durch den Mehltau bis zu den herrlichsten Parzellen» gesehen. Er erwartet vor allem ein gutes Weissweinjahr. In den niedrigen Lagen dürfte die Lese bald beginnen; die Winzer in den höheren Lagen müssten aber noch zuwarten.

Der Öchsle-Wert der roten Trauben liegt laut Weingartner derzeit bei 81 Grad, rund 30 Prozent weniger als 2018. Paul Leisi, Präsident des Verbands der Weinproduzenten, wies darauf hin, dass Wein kein industrielles Produkt sei:

«Man merkt jeder Flasche ihren Jahrgang an.»

Und Weingartner mahnte an, dass Produzenten und Konsumenten in den vergangenen Jahren mit sehr viel Sonne verwöhnt worden seien: «2021 wird im Ergebnis eigentlich ein durchschnittliches Jahr sein.»

Eher kleine Rebfläche

Der Weinproduzentenverband Region Basel-Solothurn vertritt die eher kleine Rebfläche von insgesamt 132 Hektaren und produziert vor allem für die Region selbst. Im Verhältnis zur Grösse der Anbaufläche erhalten die hiesigen Weine gemäss Urs Weingartner überdurchschnittlich viele Prämierungen. Die verbreitetsten Rebsorten sind der Blauburgunder beziehungsweise Pinot Noir (64,1 ha) und der Riesling-Silvaner (15,2); die grösste Rebbaugemeinde ist Aesch mit 22,3 Hektaren.

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