An Silvester 2015 fuhr Anfang Nachmittag ein gemieteter BMW beim «Rhypark» im Basler St. Johann-Quartier vor. Zwei als weisse Affen maskierte Personen stürmten das Lokal und versprühten Buttersäure. Das vorbereitete Galamenü war damit verdorben, der Anlass musste abgesagt werden.

Der Hintergrund des Anschlags ist offensichtlich bei den Auseinandersetzungen um das Partylokal Fame beim Claraplatz zu suchen. Dieses war über Monate durch wiederholte Schlägereien nicht aus den Schlagzeilen geraten. Der damalige «Rhypark»-Mitbesitzer war zuvor beim «Fame» involviert gewesen und zwischen die Fronten zweier rivalisierender türkischstämmiger Banden geraten. Er meint, einen den Täter an dessen Gang erkannt zu haben.

Schleppende Ermittlungen

Trotz reichlich vorhandenen Spuren inklusive Videoaufzeichnung kamen die Ermittlungen der Basler Staatsanwaltschaft nicht voran. Die Baselbieter Staatsanwaltschaft ermittelte gleichzeitig in denselben Kreisen, da drei Monate zuvor in Muttenz einer der mutmasslichen Bosse nur knapp einem Mordanschlag entkommen war. Die Basler beantragten deshalb, ihre Baselbieter Kollegen sollten die Verfahren vereinen und auch den «Rhypark»-Überfall übernehmen. Doch diese stellten sich quer mit dem Argument, die Basler Vorermittlungen hätten keinen «genügenden Tatverdacht» zutage befördert.

Nachdem Monate ohne erkennbare Fortschritte ins Land gezogen waren, wollte die Basler Staatsanwaltschaft das Verfahren einstellen. Die Verteidigung des mutmasslichen Täters wurde bereits aufgefordert, die Schadensersatzansprüche für die kurze Untersuchungshaft ihres Mandanten zu beziffern, die aus der Staatskasse hätten bezahlt werden sollen. Doch der geschädigte Lokalbesitzer liess nicht locker und deckte die Basler Staatsanwaltschaft mit Informationen und Beweisanträgen ein. Statt wie geplant das Verfahren einzustellen, sahen sich die Strafverfolger dadurch verpflichtet, erneut tätig zu werden. Nach weiteren, kaum dokumentierten Ermittlungen kamen sie tatsächlich zum Schluss, zahlreiche Indizien sprächen doch für eine Beteiligung des Verdächtigten am Anschlag.

Der grösste Baselbieter Drogenfall

Ein zweites Mal traten die Städter auf die Landschäftler zu mit der Bitte, sie sollen doch das Verfahren übernehmen. Ihr neues Argument: Die Baselbieter Mordanschlagsermittlungen hatten sich mittlerweile zum grössten Drogenfall des Kantons ausgeweitet. 40 Kilogramm Heroin soll die «Fame»-Bande verdealt haben, fünf Personen wurden im März 2018 verhaftet, zwei von ihnen sind weiterhin in Untersuchungshaft.

Die Baselbieter lehnten standhaft ab. Zusätzlich zum Dauer-Argument, es bestehe kein genügender Tatverdacht gegen den Verdächtigen, hatten sie ein neues gefunden: Der «Fame»-Komplex komme frühestens 2020 vor das Baselbieter Strafgericht und deshalb verlange das Beschleunigungsgebot, dass der Überfall auf den «Rhypark» gesondert vor dem Basler Strafgericht beurteilt werde.

Da sich die beiden Basler Justizbehörden nicht über den Gerichtsstand einigen konnten, musste das Bundesstrafgericht in Bellinzona den Schiedsspruch fällen. In einem heute publizierten Urteil rügt das Gericht einerseits die Baselbieter. Ihr zweifach vorgetragener Vorbehalt, der Tatverdacht sei nicht genügend erhärtet, sei juristisch irrelevant.

Andererseits verpflichtet das Gericht die Basler Staatsanwaltschaft, den Überfall fertig zu ermitteln. Alleine durch die Tatsache, dass sie das Verfahren einstellen wollte und dann doch wieder aufnahm, habe sie anerkannt, die zuständige Behörde zu sein. Daran ändere auch die vorgebrachte, zeitliche Überforderung der zuständigen Staatsanwältin nichts.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft erklärte auf Anfrage, die Ermittlungen seien praktisch abgeschlossen, in den nächsten Wochen werde die Anklageschrift bei Gericht eingereicht.