Der erste Blick fällt auf Hunderte Pet-Flaschen, die die Wand zieren. In ihrer Mitte ist ein Schmuckstück: eine Goldkette aus Timbuktu. Oder doch nicht? Bei genauerer Betrachtung und mit einem Blick in die Ausstellungsbroschüre bestätigt sich: Gefertigt wurde die Kette aus Bienenwachs und Stroh. Das Museum der Kulturen (MKB) stellt in der neuen Dauerausstellung «StrohGold» Gegenstände in den Mittelpunkt. Heute öffnet sie ihre Türen und zeigt: Objekte können Zeugnisse eines Wandels sein — sei es aus religiösen, kulturellen oder wirtschaftlichen Gründen. Sie werden nicht einfach von anderen Kulturen übernommen, sondern neuen Bedingungen und Aufgaben angepasst.

Die Botschaft: Es ist eine Frage der Perspektive, ob etwas wertvoll ist oder nicht. «Ein und derselbe Gegenstand kann für einen Menschen Abfall, für einen anderen ein wertvoller Werkstoff sein.» Die Bezeichnung «StrohGold» soll diese Umbewertung versinnbildlichen.

Dirndl im Afrika-Look

Nur vier Leihgaben zählt die neue Dauerausstellung. Die meisten Objekte stammen aus dem hauseignen Fundus. «Wir merkten, dass fast alle unserer Gegenstände etwas zu Transformation sagen können», sagt Stephanie Lovász, Kuratorin MKB. Ein Material geriet ihr bei der Recherche besonders oft in die Hände: Polyethylenterephthalat — kurz Pet. «Pet zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung und ist eine Art Unterthema», sagt Lovász.

Zehn Stationen umfasst der Rundgang durch die Ausstellung. Eine davon widmet sich beispielsweise dem Thema «Upcycling». Es geht dabei darum, aus einem weggeworfenen Gegenstand wieder ein neues Produkt zu schaffen. In ärmeren Ländern ist die Idee weitverbreitet und hat gar zu neuen Wirtschaftszweigen geführt. Die Station Mode zeigt eines der Juwelen der Ausstellung: ein bayrisches Dirndl aus afrikanischen Waxprint-Stoffen.

Dass auch Religionen nicht statisch sind, wie oft angenommen, zeigt die Ausstellung ebenfalls. In Indien wird beispielsweise ein Gott in männlicher Form — in Japan aber der gleiche als weibliche Göttin verehrt. Nach all den Eindrücken von kultureller Veränderung sind die Besucher eingeladen, über Transformationen in ihrem eigenen Leben nachzudenken: in der Meditationsbox zwischen den Ausstellungsobjekten. Im letzten Raum werden künftig verschiedene Ausstellungen stattfinden, welche einzelne Themen vertiefen oder ergänzen. Aktuell zeigt der Raum das Projekt «21 — Erinnerungen ans Erwachsenwerden» vom Schweizer Künstler Mats Staub.

Umwege sind nützlich

Gemeinsam mit der neuen Dauerausstellung ist gestern der Hofbrunnen eingeweiht worden. «Auch beim Brunnen geht es um Transformation», sagt Museumsdirektorin Anna Schmid, «es hätte nicht besser zusammenpassen können.» Der neue Brunnenstock bildet den Abschluss der Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten des MKB.

Ausgrabungen zeigten, dass an gleicher Stelle früher schon ein Brunnen stand. Dieser wurde nachgebaut und für seinen Brunnenstock ein Wettbewerb ausgeschrieben. Gewonnen hat die in Basel lebende Künstlerin Tina Z`Rotz. Ihr schlauchförmiges Kunstwerk ist aus Bronze gegossen und dunkel patiniert. Es windet sich wie eine Schlange dem Becken entlang. «Umwege sind sehr nützlich. Die Suche generell ist ein produktiver Weg», will Z`Rotz mit ihrem Kunstwerk aussagen. Jetzt sei sie vor allem gespannt, wie sich die schwarze Bronzefigur verändern wird: «Man kann sie anfassen. Das und die äusseren Einwirkungen wie Regen werden sie abnutzen und ihre Oberfläche verwandeln. Ich bin gespannt, wie sie sich entwickelt.»

Dauerausstellung «StrohGold»

Start: 25. Oktober 2014

Museum der Kulturen

Münsterplatz 20