Die CVP ist sicher eines: die gebildetste Fraktion im Grossen Rat. Von ihren neun Mitgliedern haben sieben einen Universitätsabschluss, fünf tragen einen Doktortitel. Trotzdem und vor allem im Vergleich zu anderen bürgerlichen Fraktionen, tritt die Gruppe aber meist ziemlich geschlossen auf. Einzig bei Verkehrsfragen ist die CVP ein unzuverlässiger Partner: Hier stimmen Parteipräsident Markus Lehmann und ein, zwei andere meist für die Automobilisten ab, während die Velo-Abteilung um Helen Schai und Oswald Inglin eher dem Langsamverkehr zugeneigt ist.

Eine Erfolgsbilanz der CVP zu ziehen, ist relativ schwierig. Sie gewinnt meist dann, wenn die bürgerliche Mehrheit gewinnt – und verliert auch mit dieser. Interessante Ausnahmen waren immer wieder Sicherheitsfragen, wo die CVP oft zusammen mit der SVP für mehr Polizei kämpfte und verlor. Ein prominenter Vorstoss kam gar aus den Reihen der CVP, nämlich jener, der sechzig zusätzliche Polizisten forderte. Daraus resultierte dann der Kompromiss von 45 Stellen, die der Kantonspolizei bewilligt wurden. Die CVP ist deshalb auch meist ausgenommen, wenn die SVP im Wahlkampf auf die bürgerlichen Parteien eindrischt.

Eigentlich unerwartet, war es doch neben der LDP vor allem auch die CVP, die einen gemeinsamen Wahlkampf aller vier bürgerlichen Kräfte bei den Ständeratswahlen verhinderte. Offenbar steht der grundsätzlichen Ablehnung der «neuen» bürgerlichen Kraft SVP eine gewisse Nähe in politischen Sachfragen entgegen. Aber dennoch ist die CVP ihrer traditionellen Vermittlerrolle nicht untreu geworden.

Lukas Engelberger setzte sich als Präsident der Wirtschafts- und Abgabekommission immer wieder gekonnt in Szene, wenn es um das Finden von Kompromissen ging. Auch in Bereichen, die nicht zu seinem eigentlichen politischen Kerngeschäft gehören. So kommt ihm eine zentrale Rolle bei der letztendlich erfolgreichen Suche nach einem Modell zur Sanierung der staatlichen Pensionskasse zu.

Aber auch bei der Spitalauslagerung stärkte die CVP nicht nur ihrem Regierungsrat Carlo Conti den Rücken, sondern suchte und fand für alle akzeptable Lösungen in den strittigsten Fragen. Bei der Verlängerung der Ladenöffnungszeiten standen die Christdemokraten mit ihren bürgerlichen Partnern auf der Siegerseite. Bei der Volksabstimmung zu diesem Thema wird die CVP auch eine Hauptrolle spielen: Es muss ihr nämlich, anders als beim Sonntagsverkauf, gelingen, die kirchlich-sozialen Kreise zu überzeugen.

Spannend wird am 28. Oktober vor allem der Kampf um die CVP-Sitze in Grossbasel-West. Dort treten mit Helen Schai, Markus Lehmann und André Weissen drei profilierte Urgesteine der Christdemokraten an. Aber auf der Liste figuriert noch ein Bisheriger, nämlich der ehemalige SVP-Politiker Felix Meier, der zur CVP gewechselt hat. Die Christdemokraten sind verhalten in den Wahlkampf gestartet. Ihnen fehlt offenbar der Kampf um ein Regierungsmandat, der den Kampagnen der übrigen Parteien wenigstens ein Minimum an Würze verleiht.