«Ich bin eigentlich ich, und das reicht mir für den Moment.» Andrew Holland beantwortet nicht alle Fragen gleich wortreich. Am Dienstagabend wurde der neue Direktor der Kulturstiftung Pro Helvetia zunächst von SRF-Redaktorin Karin Salm und später vom Publikum in der Kaserne Basel ausgequetscht. Bereits der Titel der vom Präsidialdepartement Basel organisierten Veranstaltung war als Frage formuliert: «Welche Kultur fördert Pro Helvetia?»

Ja, welche? Holland ist darauf bedacht, nichts und niemanden auszuschliessen, allen Hoffnung zu machen, aber dosiert - denn das Geld ist knapper geworden, auch bei Pro Helvetia. Er wolle weg vom «entweder oder», hin zum «sowohl als auch», sagt er. Besonders am Herzen liege ihm der Nachwuchs: «Es kommen immer mehr Abgänger aus den Kunsthochschulen, doch viele Plätze sind schon besetzt. Wir möchten Jungtalente gezielt fördern und in den Markt reinbringen.»

Auch bei den «Off-Spaces», nichtkommerziellen Kunsträumen, wolle Pro Helvetia prüfen, «was man sinnvollerweise tun kann». Er selber habe in Off-Spaces seine Kreativität entdeckt, erzählt Holland. Und er gab weiteres Persönliches preis: In der St. Galler Grabenhalle legte er Platten auf, neben dem Jura-Studium tanzte er. Doch als später eine Zuhörerin Konkreteres zu den Off-Spaces-Plänen wissen will, kontert Holland: «Zuerst müssen wir definieren, was Off-Spaces sind» - ein alter Diplomatentrick.

Schweizer Gagen oft unbezahlbar

Unbedingt kümmern will Holland sich auch um die rarer gewordenen Auftritte von Schweizer Künstlern im Ausland. Aufgrund der hohen Lebenskosten und der Wirtschaftskrise könnten sich viele ausländische Veranstalter die Schweizer Gagen kaum mehr leisten. Pro Helvetia kam bisher für Kost und Logis auf. Das reiche oft nicht aus. «Das müssen wir unbedingt angehen», verspricht Holland.

Der Kulturbegriff ist in jüngster Zeit stark ausgedehnt worden. Sogar ausgewählte Computerspiele fördert Pro Helvetia, und Holland ist die junge Kategorie Digitale Medien wichtig. Ausserdem hat die Stiftung vor einem Jahr - mit dem Inkrafttreten des neuen Kulturförderungsgesetzes - etliche Aufgaben vom Bundesamt für Kultur übernommen: Namentlich die Nachwuchsförderung, die Kunstvermittlung und das Aufgleisen der Biennale; aber auch die Projektförderung von Medienkunst, Fotografie, Design, Mode und Grafik. Neu ist auch, dass die geförderten Künstler einen fixen Beitrag an die soziale Vorsorge erhalten.

Doch das Budget der Kulturstiftung ist nicht entsprechend aufgestockt worden. Deshalb werde Pro Helvetia die neuen Aufgaben gestaffelt über die kommenden Jahre einführen, wie Holland erklärte. Zudem würden weniger Werkaufträge vergeben und 2014/15 verzichte man auf ein zusätzliches Länderprogramm. Schon jetzt arbeiten Holland und sein Team an der Kulturbotschaft 2016 bis 2019. Bis dahin soll auch dem Parlament klar werden: «Wir brauchen mehr Geld», sagt Holland. «Ich fände es toll, wenn Künstler die gesellschaftliche Anerkennung bekommen würden, die sie brauchen, und so leben könnten, wie sie sollten. Zuwider sei ihm eine Salamitaktik à la: «Zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben.»

Zusammenarbeit mit Kantonen

Die Kantone und Städte unterstützen vor allem kulturelle Infrastrukturen, Pro Helvetia ist für das freie Kunstschaffen zuständig. Basel-Stadts Kulturbeauftragter Philipp Bischof betonte diesen Unterschied. Neu wollen die Kantone und die Stiftung verstärkt zusammenarbeiten. Auch das will Holland anpacken, wie noch vieles mehr. Mal sehen, was er in drei Jahren sagen wird, ob er Änderungen und Erfolge vorweisen kann. Vielleicht ist das Ich namens Andrew Holland dann ein anderes: noch diplomatisch-vager oder - hoffentlich - konkreter.