Kommentar

Welche Musik ist wie viel wert?

Darfs noch ein wenig mehr Klassik sein – oder doch lieber Popmusik? (Symbolbild)

Darfs noch ein wenig mehr Klassik sein – oder doch lieber Popmusik? (Symbolbild)

Klassik und Pop sind ein ungleiches Paar. Hier die ehrbare, über Jahrhunderte gewachsene Tradition des Bildungsbürgers, da die einst rebellische Kunstform, die jedoch auch schon gut hundert Jahre alt ist. Die Basler Kulturpolitik muss sich nun mit diesem Paar beschäftigen. Eine Gesamtschau in der Musikförderung ist gefragt. Auch wenn gleichzeitig Entscheidungen getroffen werden müssen, die nur die Klassik betreffen. Auch da gibt es enormes Gefälle in der Verteilung der begehrten Mittel.

Neben dem renommierten Sinfonieorchester sind über die Jahre weitere Orchester herangewachsen, die aus dem Musikleben der Stadt nicht mehr wegzudenken sind. Sie sind gekommen, um zu bleiben. Ihr Erfolg rechtfertigt das Selbstbewusstsein, gleich lange Spiesse einzufordern. Dass damit nicht gemeint ist, dem grossen Orchester die Gelder streitig zu machen, ist klar. Die Politik muss entscheiden, ob sie mehr Geld sprechen will – für den Reichtum an klassischem Angebot.

Präsidialdepartement und Regierungsrat müssen dies nun aber angesichts einer viel grundsätzlicheren Frage entscheiden, die an Strahlkraft gewinnt: 97 Prozent der Basler Musikförderung landen bei der Klassik. Den Rest teilen sich Pop, Jazz, Rock, Hip-Hop und elektronische Musik. Die von der IG für breitere Musikförderung gestellte Frage, ob diese historisch gewachsene Verteilung noch zeitgemäss ist, ob sie dem Bedürfnis der Bevölkerung entspricht, ist wirklich interessant. Denn wieso eigentlich sollte ein Pop-Gitarrist mit Hochschulabschluss weniger verdienen als eine Violinistin? Welche Argumente rechtfertigen die krassen Unterschiede in der Verteilung von Steuergeldern? Geht es um Bildung oder um Erhalt der kulturellen Deutungshoheit? Ist Bowie inhaltlich nicht genauso wichtig wie Brahms? Diese Fragen ohne Scheuklappen zu klären, ist ein Steilpass in die Zukunft. Wenn die Kulturpolitik auf sie eine zeitgemässe Antwort findet, darf sich Basel nicht nur in diesem Jahr, sondern auch in den kommenden Jahrzehnten zu Recht und mit Stolz Musikstadt nennen.

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