Wenn in Basel ein Mensch stirbt und auf dem Friedhof begraben wird, bekommt er einen bestimmten Platz zugewiesen. Dieser Ort der ewigen Ruhe ist einem Sektor zugeteilt, dieser wiederum einer Abteilung. Das Grabfeld ist mit einer Nummer versehen. Wer das Grab eines Angehörigen sucht, muss sich also an kühlen Zahlen und Gliederungssystemen orientieren.

Platz für Individualität bleibt da kaum, gäbe es nicht die Grabsteine in den unterschiedlichsten Variationen. «Mit den persönlich gestalteten Grabsteinen erzählen die Angehörigen nicht nur die Lebensgeschichte des Verstorbenen, sondern prägen auch die Gestaltung des Friedhofs massgeblich mit», sagt Regierungsrat Hans-Peter Wessels bei der alljährlichen Prämierung der schönsten Grabsteine.

Grabsteine für Lebende

Einen der prämierten Steine hat Barbara Seiler geschaffen. Den hellgrauen Kalkstein verarbeitete sie zu einem minimalistischen rechteckigen Kunstwerk. Die Vorderseite ist zweigeteilt. An den Blick auf das weite Meer anmutend, ist der untere Teil mit feinen Rillen versehen, der obere ist glatt. Scheinbar wie als Fortsetzung des Minimalismus sind auf dem Grabstein keine Jahreszahlen zu lesen.

Diesen Umstand kommentierte auch die Jury als bemerkenswert. Doch der Grund ist kein künstlerischer Kniff, sondern pragmatische Planung: Auf Nachfrage erläutert Bildhauerin Seiler: «Auf dem Grabstein stehen keine Jahreszahlen, weil Oskar Erich Wyss noch lebt.» Und siehe da: Herr Wyss ist auch bei der Prämierungsfeier anwesend und kann die Geschichte zu seinem Grabstein gleich selbst erzählen. «In dem Grab mit der Nummer 295 neben meinem liegen schon vier Familienmitglieder», sagt er. Bei der letzten Familienfeier habe man überlegt, wie man mit den Grabplätzen weiterhin vorgehen solle. Leider dürfen in dem Familiengrab nicht mehr als vier Verstorbene begraben werden.

«Anstatt noch stundenlang weiter zu diskutieren, wer aus dem Grab ausziehen muss, haben wir dann beschlossen, ein weiteres Grab mit einem neuen Grabstein zu eröffnen», erzählt Wyss.

Ein anderer prämierter Grabstein ist rund wie ein grosser Kiesel. Er liegt auf einem sogenannten Wiesengrab. Darauf zu sehen sind Reliefs, die an prähistorische Malereien aus Teneriffa erinnern. Die Darstellungen zeigen eine endemische palmenartige Pflanze und eine Sonne. «Mein Vater reiste jedes Jahr nach Teneriffa und brachte unzählige dieser Pflanzen mit nach Hause», erzählt der Sohn des Verstorbenen. Bildhauer Flavian Naber schätzt die kreative Zusammenarbeit mit den Angehörigen sehr. «So können wir gemeinsam eine Form finden, die den Charakter des Verstorbenen wiedergibt.», sagt er.