Jeder regelmässige Zoobesucher wird sich irgendwann fragen: Wie geht es den Tieren in Gefangenschaft? Dieser nahezu philosophischen Frage ist auch der Schweizer Tierschutz (STS) nachgegangen. Im noch unveröffentlichten Zoobericht des vergangenen Jahres werden dem Basler Zolli gute Noten ausgestellt. Samuel Furrer von der STS-Fachstelle Wildtiere zählt ihn zu den drei besten der Schweiz. Doch auch in Basel gibt es Tierhaltungen, die den Anforderungen des STS entsprechen. Aber dazu später mehr.

Den Sprung vom Mittelmass an die tierschützerische Spitze hat der Basler Zolli in den vergangenen Jahren geschafft. Die Haltung mehrerer Tierarten wurde aufgegeben; unter anderem die des Brillenbären, des kanadischen Otters und der grünen Meerkatze. Diesen Raum hat der Zoo für die Erweiterung der bestehenden Anlagen genutzt.

Der STS lobt hier den Willen, den Tieren «bessere Gehege zur Verfügung zu stellen». Er hebt vor allem das geräumige Affengehege, das 2012 fertiggestellt worden ist, hervor. Bei der Primatenhaltung spiele der Zoo eine «wegweisende Rolle». Im Affenhaus werde den Gorillas, Orang-Utans und Schimpansen im Gegensatz zum alten Affenhaus aus den 60er-Jahren genügend Abwechslung geboten. Doch findet der Schweizer Tierschutz, dass die Haltung von Menschenaffen «prinzipiell» hinterfragt werden dürfe. Für einen weitgehenden Ausbau der Rechte der Primaten sind derzeit auch politische Initiativen hängig.

Zoo Basel: So buhlt Elefantenbulle Jack um die Weibchen

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Beschränkte Urteilsfähigkeit

Bei anderen neuen Gehegen wie denjenigen für die Löwen, Wildhunde, Panzernashörner sowie Geparde habe man es versäumt, auf einzelne Arten zu verzichten und den einzelnen mehr Platz einzuräumen. Wobei sich, gerade was die Platzverhältnisse angeht, nicht alle Tierschützer einig sind.

Welche Einengung ist zumutbar, welche nicht? Furrer sagt dazu: «Wenn man sich auf den Standpunkt stellt, dass die Tiere die gleiche Bewegungsfreiheit wie in der Natur haben sollen, muss man sämtliche Zoos infrage stellen.» Der STS räumt in seinem Kriterienkatalog für die Schweizer Zoos ein, dass er nur bedingt über die Lebensfreude der einzelnen Tiere urteilen könne. «Wir Menschen wissen schlichtweg nicht, welches Leben ein Tier vorziehen würde: das gemütliche, aber leider häufig wegen zu geringem Platz und wenig Abwechslung auch langweilige, aber sichere Leben im Zoo, oder den anstrengenden und oft leidvollen Nervenkitzel eines manchmal nur kurzen, aber intensiven Lebens in der Wildbahn?»

Zu beurteilen sei deshalb nicht die Artgerechtigkeit, denn die gäbe es ohnehin nicht, sondern die Tiergerechtigkeit. So sollten die Zoos ihren Tieren Lebensbedingungen bieten, an die sie sich «problemlos anpassen» können und sie zugleich vor den Gefahren schützen, die das Leben in der Wildnis mit sich bringe. Ob es den Tieren gut gehe oder nicht, könne man am besten anhand des Verhaltens beurteilen: Typische Leidenszeichen seien stereotypes Verhalten; wenn die Tiere etwa manisch die gleichen Wege liefen.

Betagte Wölfe und Malaienbärin

Explizit positive Erwähnung findet die Haltung der Elefanten, die seit dem Bau der neuen Anlage Tembea doppelt so viel Platz zur Verfügung haben wie früher, sowie diejenige der Erdmännchen und Stachelschweine. Hier gibt es gemäss Zoobericht 2016 genügend Höhlen und Baumstrunke sowie Felsen, die den Tieren Rückzugs- und Fluchtorte ermögliche.

Auch die Kattas, die in der Etoscha-Anlage auf einer natürlichen Halbinsel zuhause seien, hätten es dank der zahlreichen Kletter- und Versteckmöglichkeiten sowie dem geschützten Stall gut. Ebenfalls positiv hervorgehoben wird die Gemeinschaftsanlage im Etoscha-Haus, wo unter anderem der Klippschliefer und die Siedelweber-Vögel zuhause sind.

Kernargument der Tierschützer ist, dass die Vögel ausreichend Platz vorfinden. Diese Forderung erfüllt das Vogelhaus, wo hauptsächlich kleinere Vögel am Nesten sind. Die Vögel könnten sich im Zolli natürlich fortbewegen – und etwa wie im Etoscha-Haus gar im Besucherraum herumfliegen.

Lob mit kleineren Abstrichen gibt es für die Haltung der Brillenpinguine. Wichtig ist dem Tierschutz allgemein, dass die Zoo-Tiere eine Privatsphäre haben. Mit einem etwas geschützten Bereich hätten die Brillenpinguine die Möglichkeit, sich den Blicken der Zoobesucher zu entziehen. Kritik gibt es allerdings am Schwimmbecken. Dieses sei zu klein und für die schnellen Taucher daher «suboptimal».

Vom STS gibt es aber für die Tierhaltung im Basler Zoo nicht nur Lob. Die überaus kleinen Gehege der Malaienbärin sowie der beiden Wölfe seien nicht mehr zeitgemäss oder schlicht: zu klein. Samuel Furrer sagt, er habe den Zoo nach seiner jüngsten Inspektion mit einer Beschwerde konfrontiert.

Offenbar hat die Kritik gefruchtet. Seitens des Zollis heisst es, die Haltung der Wölfe werde beendet, sobald die beiden älteren Tiere gestorben seien. Kommunikationsassistentin Franziska Viscardi sagt: «Wölfe sind heute wieder einheimische Tiere. Der Zoo konzentriert sich auf exotische Tiere.» Diese Fläche werde dann einem anderen, «noch nicht definierten» Verwendungszweck zugeführt.

Ebenfalls keinen Ersatz plant der Zoo für die betagte Malaienbärin, die man einst von einem anderen Zoo übernommen habe. Auch das Bärengehege werde dereinst für etwas anderes genutzt, sagt Viscardi, ohne auf die Bestimmung einzugehen.

Seelöwen-Fütterung im Zolli Basel

Archivaufnahmen der Seelöwen-Fütterung im Zolli

Konflikte bei den Seelöwen

Konfliktpotenzial zwischen den Tierschützern und dem Zoo gibt es trotzdem, namentlich bei der Haltung der Seelöwen. Der STS stellt sich grundsätzlich auf den Standpunkt, dass Meeressäuger nicht Zoo-kompatibel seien. Die Tiere hätten zu wenig Platz zum ausgiebigen Schwimmen oder (von den Besuchern ungestörten) Sonnenbaden an Land. Der Zolli stellt sich gemäss Viscardi auf den Standpunkt, dass diesen Tieren in einem Zoo gute Strukturen gegeben werden können und man sie gut beschäftigen könne.

Trotzdem plant der Zoo für die Seelöwen bauliche Veränderungen. Heute sei die Haltung eines Bullen in Basel nicht möglich, weil es sich nicht von den Weibchen separieren liesse. Geplant sei deshalb eine Erweiterung der Anlage sowie der Becken. Damit können künftig Männchen und Weibchen «bei Bedarf» getrennt werden.