Birsfelden, Münchenstein oder Oberwil – Hauptsache Land

Roger Federer mag in der Stadt geboren sein und Tennis gespielt haben – den Anfang von Leben und Karriere machte er auf dem Land

Es mag auf den ersten Blick verwirrend erscheinen: Ich arbeite im Ressort Basel-Stadt. Ich lebe in der Stadt. Und ich liebe sie. Und dennoch vertrete ich an dieser Stelle das Land. Denn wenn es um die Herkunft des grössten Tennisspielers aller Zeiten geht, kenne ich keinen Spass und besinne mich ausnahmsweise auf meine Wurzeln auf dem Land, wo ich aufgewachsen bin. Denn egal, was die Städter glauben mögen: Roger Federer ist Baselbieter. Durch und durch.

Er mag in der Stadt geboren sein, ja. Das sind aber noch viele Männer und Frauen – so auch ich. Das macht mich aber mitnichten zu einer Städterin. Das muss ich mir auf der Redaktion schliesslich immer wieder anhören. Federers Vater sagte einst, Roger fühle sich weder als Städter noch als Baselbieter, sondern einfach der Region zugehörig. Das zeugt von seiner Diplomatie. Aber Federer ist Baselbieter. Als Klein Roger, noch nicht ahnend, dass er dereinst King Roger werden würde, geboren wurde, lebten seine Eltern in Birsfelden. Und wo liegt das? Auf dem Land. Ja, die Familie ist später nach Riehen gezogen. Na und? Das Tennisspielen erlernte der Maestro nämlich entgegen allen Annahmen nicht erst im Tennis-Club Old Boys auf der Schützenmatte, sondern als Mitglied des TC Ciba Allschwil.

Und wo liegt Allschwil? Auf dem Land. Der spätere Wechsel zum TCOB macht ihn noch lange nicht zu einem Städter. Oder ist jeder, der auf Stadtboden einen Sport ausübt, automatisch Städter? Eben. Ihren Lebensmittelpunkt hatte die Familie Federer nach dem Abstecher nach Riehen ausserdem in Münchenstein. Auf dem Land also. Und dort war King Roger auch noch wohnhaft, als er den Durchbruch zu seiner sensationellen Karriere schaffte. Und als er bereits die Tennis-Courts der Welt eroberte, besass er eine Wohnung auf – Sie dürfen dreimal raten – dem Land. In Oberwil, genauer gesagt. Nicht, weil er sich eine Wohnung in der feudalen City nicht hätte leisten können. Sondern, weil er sich schlicht für seine Herkunft entschied. Das Baselbiet. Die Städter können noch lange behaupten, der Schweizer Jahrhundertsportler gehöre ihnen. Sollen sie nur. Dass sie das erst tun, seit er weltberühmt ist, passt. Aber wir wissen es besser. Roger Federer ist Baselbieter.

Natürlich ist der weltgewandte King Roger ein Basler

Auch wenn Roger Federer die Kantonsgrenze gemäss eigener Aussage egal ist, hier muss es mal klar gesagt werden.

Roger Federer bezeichnet sich selbst als «Basler». Damit könnte ich nun auch aufhören, hier zu argumentieren. Aber da Undankbarkeit der Welten Lohn ist und meine Kollegin sich plötzlich auf ihre ländlichen Wurzeln besinnt, kann ich es nicht. Sie, die wir aus der bukolischen Tristesse von Lupsingen ins Stadtressort gerettet haben, sieht in Federer einen Landschäftler. Weil er in seiner Jugend in Münchenstein wohnen musste. Und dann auch noch in Bottmingen. Als ob er eine Wahl gehabt hätte. Er war doch noch ein Kind!

Nun, Roger Federer wurde am 8. August 1981 – hier schon mal vorzeitige Glückwünsche – in BASEL geboren. Er verbrachte die ersten fast zehn Jahre seines Lebens in RIEHEN. Seine Liebe gehörte dem legendären Spielsalon «Domino’s» in der STEINENVORSTADT. Er lernte auf der SCHÜTZENMATTE Tennis spielen. Er liebt den FC BASEL. Sein Heimatturnier sind die BASLER Swiss Indoors. Als Journalist in dieser Region, der sich auch immer wieder mal mit Sport befassen muss, weiss ich: King Rogers angeblich ländlicher Ursprung ist den Baselbieter Politikern heilig. Auch ich hatte das Vergnügen, mich von Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten belehren zu lassen, der Roger sei dann übrigens ein Münchensteiner. Oder ein Oberwiler. Oder gar ein Birsfeldiger. Alles Mumpitz. Wer sich als Basler fühlt und diese Stadt liebt, ist Basler. Besonders wenn er dann auch noch hier geboren wurde, hier Tennis spielen lernte … hatten wir schon.

Dass das Baselbiet, wo die Menschen von Weltruhm eher dünn gesät sind, sich hier kollektiv so aufregt, ist klar. Ich freue mich jetzt schon auf zahlreiche Mails aus dem Speckgürtel und von hingefür. Aber ganz ruhig. Die Degen-Zwillinge wurden in Liestal geboren, das sind Baselbieter. Auf die dürft ihr stolz sein. Und auf Oskar Bider. Und auf Sarah-Jane. Aber Roger Federer ist ein Basler, ein urbaner Mensch. Ein Typ, dessen Zuhause die Welt ist. Darum darf er auch mal im Kanton Schwyz und mal in Dubai wohnen, wenn er sich dort wohl fühlt. Ein Bebbi ist und bleibt er trotzdem. Stolz sein auf ihn dürfen die Baselbieter trotzdem. Das ist eine weitere zentralörtliche Leistung, die die Stadt erbringt und für die Baselland nichts bezahlt.