Basel
Wem nützt die BaZ-Kampagne gegen die SVP?

Die "Basler Zeitung", die SVP-Stratege Christoph Blocher gehört, hat in den letzten Tagen hart gegen SVPler in Basel-Stadt geschossen. Zuerst gegen SVP-Grossrat Joël Thüring, dann gegen SVP-Nationalrat Sebastian Frehner. Doch wem nützt die Kampagne?

Nicolas Drechsler
Nicolas Drechsler
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SVP-Nationalrat Sebastian Frehner wurde von der "Basler Zeitung" mit einer alten Geschichte konfrontiert, die längst gütlich beigelegt worden sei.

SVP-Nationalrat Sebastian Frehner wurde von der "Basler Zeitung" mit einer alten Geschichte konfrontiert, die längst gütlich beigelegt worden sei.

Keystone

«Was läuft hier?» ist die derzeit meistgehörte Frage im politischen Basel, wenn es um die Recherchen der «Basler Zeitung» rund um die SVP-Spitze geht. Die einfachste Erklärung wäre: Da hat sich ein Journalist mal wieder in wenig verbissen und kaut nun so lange darauf herum, bis etwas mehr herauskommt. Und kommt nichts dabei heraus, schreibt er es trotzdem. Der Journalist ist Christian Keller, der schon Basta-Grossrätin Sibel Arslan an den Pranger gestellt hat, die Baselbieter SVP-Politikerin Daniela Gaugler öffentlich hinrichtete und dabei jeweils die Grenzen zwischen Fakten und Interpretation eher grosszügig auslegte. Kann Keller jemandem einen Fehler nachweisen – und sei er noch so klein –, leitet er daraus für sich das Recht ab, die Person als Ganzes ins Fadenkreuz mitleidloser Kritik zu nehmen.

Doch das erklärt nur die Thüring-Story. Eine nach Lehrbuch geführte Kampagne; schön bröckchenweise draufhauen. Die Spendengeschichte ist offensichtlich nicht die Arbeit eines Tages. Hier wurde von längerer Hand ein harter Schlag gegen Frehner vorbereitet.

Steckt also doch mehr dahinter? Warum schiesst die Zeitung, die SVP-Patron Christoph Blocher gehört, kurz vor den nationalen Wahlen dermassen auf die lokale SVP-Parteispitze? Und woher kommen die Informationen der BaZ? Die zweite Frage lässt sich relativ leicht beantworten: Aus parteiinternen Quellen aus dem Umfeld von Schweizer und seinen Mit-Putschisten. Der Einzige von ihnen, der auch 2015 für die Nationalratswahlen antritt, ist Patrick Hafner. Erhofft er sich einen Vorteil? Oder kühlt ein anderer Gegner Frehners hier nach vier Jahren noch sein Mütchen? Etwa Grossrat Michel Rusterholz?

Oder will Mehrfach-Parteiwechsler Felix Meier (momentan CVP) seinem jetzigen Parteikollegen und Nationalratskandidaten Markus Lehmann helfen, indem er seine ehemalige Partei in Schieflage bringt? Er protokollierte damals die Sitzungen zu den Spendengeldern. Stellt man sich die Frage aller Fragen bei Ermittlungen, nämlich «cui bono», also «wem nützt’s», ist Hafner der Hauptverdächtige. Fällt Frehner, hat Hafner die besten Aussichten auf den Nationalratssitz. Um den Sitz selbst muss die SVP nicht bangen, da sieht es bei der FDP und vor allem der CVP wesentlich kritischer aus. Allerdings deuten einige der zitierten Mails darauf hin, dass eher jemand aus dem engen persönlichen Umfeld von Schweizer dahintersteckt.

Oder haben wir es mit einer interkantonalen Verschwörung zu tun? Hat Schweizer seinem Mit-BaZ-Verwaltungsrat Christoph Buser (FDP BL) vor seinem Tod Informationen zugespielt, die dieser nun über den Co-Ressortleiter Baselland Keller in der BaZ unterbringt? Und wenn ja, warum? Und wieso erst jetzt?

Oder gibt es gar einen nationalen Aspekt? Hat sich Frehner in Bern mit Parteigranden angelegt, die ihn nun über Blochers Zeitung kaltstellen wollen? Wohl kaum. Auf nationaler Ebene ist der SVP wohl wichtiger, dass die Basler einen Sitz machen, als wer den Sitz im Endeffekt einnimmt. Wollte man Frehner ersetzen, wäre wohl eine Attacke nach den Wahlen sinnvoller gewesen.

Bevor im Reigen der Verschwörungstheorien auch noch die Tempelritter und die Freimaurer ihren Auftritt bekommen, sei ehrlich zugegeben: In dieser Geschichte sehen weder die Betroffenen noch die übrigen Befragten wirklich völlig durch, wer hier welche Fäden spinnt.

Unter dem Strich hat Joël Thüring durch eigenes Verschulden, aber vor allem durch den massiven Beschuss der BaZ, persönlich, politisch und geschäftlich Schaden genommen. Die Trennung schwächt aber auch Frehner, der in Thüring einen nimmermüden, absolut loyalen Mitstreiter hatte. Etwas gewonnen hat bis jetzt niemand. Aber vielleicht ist die Kampagne ja noch nicht zu Ende.