1880 gründete ein 26-jähriger Coiffeur im sächsischen Rothenkirchen eine Firma für Haarpflegeprodukte. Mit Erfolg, seinen Urenkeln gehören heute zahlreiche Immobilien in Basel, und zwar an bester Lage. Sei es die Überbauung im Hirzbrunnenpark, auf einer Riesenparzelle mit 16 700 Quadratmetern, oder die Häuser an der Augustinergasse 1 und 3. Oder aber auch ein ganzes Ensemble an der Ecke Malzgasse-St. Alban-Vorstadt.

Denn aus der kleinen Firma in Sachsen machten die Söhne von Coiffeur Franz Ströher einen Weltkonzern namens Wella. Spätestens seit dem Verkauf der Wella-Aktienmehrheit an den US-Giganten Procter & Gamble für 6,6 Milliarden Euro im Jahr 2003, verfügten die Erbenfamilien Ströher und Pohl über grosse Mengen an Kapital. Und das investierte das Family Office, die Basler Univest, eben auch in Immobilien in Basel. Einige der Basler Liegenschaften, zu denen auch das Eckhaus Freie Strasse-Streitgasse gehört, sind denn auch direkt im Besitz der Familie Pohl, andere gehören der Univest, beispielsweise der Reinacherhof an der St. Johanns-Vorstadt 3.

Der Immobilienbesitz wird bewirtschaftet, nicht bloss gehalten, das zeigt der Verkauf einer Liegenschaft im Gerbergässlein 2011. Die Univest selbst möchte sich nicht zu ihren Geschäften und Kunden äussern. Über die Univest und ihren Sitz im «Neuen Kettenhof» an der St. Alban-Vorstadt läuft auch eine der Familienstiftungen. Es handelt sich dabei um die Ursula Ströher Stiftung, die im Jahr 2000 mit einem Dotationskapital von 10 Millionen aus der Taufe gehoben wurde.

Sie widmet sich der Unterstützung von Forschenden im Bereiche der Alterserkrankungen, Parkinson und Alzheimer. Ein Name taucht in vielen der Unternehmungen rund um die Pohls und Ströhers immer wieder auf, der in der Region durchaus bekannt ist: Paul Nyffeler, ehemaliger Regierungsrat des Kantons Baselland, hat diverse Verwaltungsratsmandate. Der mittlerweile 79-jährige Ex-Finanzdirektor des Landkantons sitzt auch bei der Univest im Boot.

Freunde der Künste

Mittlerweile sind die Univest und die ihr übergeordnete Kettenfels-Holding nicht mehr die einzige Interessensvertreterin der Familie, aber die wichtigste. Ströhers haben noch ein weiteres Family Office in Fribourg. Im kleinen Örtchen Ferpicloz ganz in der Nähe residierte Erika Pohl-Ströher bis zu ihrem Tod im Dezember 2016 im Alter von 97 Jahren. Die promovierte Biologin war, ganz in der Tradition ihres Vaters, eine grosse Mäzenin der Wissenschaften und der Kunst. Ihr Anteil aus dem Verkauf von Wella betrug rund eine Milliarde Franken, die sie für ihre Spendentätigkeit nutzte.

Vater Karl Ströher hatte massiv in Kunst investiert. Unter anderem trug er eine weltweit bedeutende Sammlung mit Werken von Joseph Beuys zusammen, von der Teile heute im Museum von Darmstadt zu sehen sind. Dort, in Südhessen, nahm die Wella nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Sitz. Die Söhne des Gründers waren aus der sowjetischen Besatzungszone in den Westen geflohen; Karl wurde in Abwesenheit von den Sowjets zu zehn Monaten Haft wegen seiner Beziehungen zu den Nazis verurteilt.

Doch die Verbindung zum Erzgebirge blieb. So vermachte die Naturwissenschaftlerin Erika Pohl ihre 80 000 Exponate umfassende Mineraliensammlung der Technischen Universität Freiberg (Sachsen) und baute dafür gleich noch ein Schloss um. In einem Nachbarort spendierte sie der alten Heimat zudem ein Museum für erzgebirgische Volkskunst. Auf dem Anwesen der deutsch-schweizerischen Doppelbürgerin im Kanton Freiburg ist heute noch der Sitz mehrerer Stiftungen und anderer familiennaher Unternehmen.

Neuorganisation des Erbes

Nun, 18 Monate nach ihrem Tod, sind die Erben offensichtlich dabei, die irdischen Besitztümer der Matriarchin zu verteilen. Dabei kommen die Besitzverhältnisse und Namen ein wenig ans Licht. Etwas, das die Pohls eigentlich gerne vermeiden. Von einigen Abkömmlingen der Ströhers gibt es nicht einmal Fotografien, ungewöhnlich für Schwerreiche in Zeiten des Internets.

Gemeinsam ist vielen Nachkommen, dass sie in den Familienstiftungen oder auf eigene Faust als Mäzene und Spender tätig sind. Auch einer der Söhne Erika Pohls ist nach wie vor karitativ tätig. Doch auch bei seiner Stiftung, der Martine und Bertram Pohl Foundation, blieb der Versuch einer Kontaktaufnahme erfolglos.