Es sind ganz neue Töne: «Wenn es irgendwie geht, wollen wir nach 23 Uhr überhaupt keine Flüge mehr», sagte Matthias Suhr, Direktor des Euro-Airport (EAP), am Montag an einer Medienkonferenz des Flughafens. Dabei stellte der EAP seinen Aktionsplan zur Fluglärmreduktion vor. Als erster Schritt soll die Anzahl der Starts in Richtung Süden über dicht besiedeltes Gebiet in der sensiblen Zeit zwischen 23 und 24 Uhr bis 2019 halbiert werden. Diese hatte sich seit 2014 verdoppelt.

Suhr berichtete von ersten positiven Signalen. So konnten ab Sommerflugplan 2018 rund 13 Prozent der zwischen 23 und 24 Uhr geplanten Flüge auf frühere Zeiten vorverlegt werden. In absoluten Zahlen entspricht dies 102 Passagier- und 45 Expressfrachtflügen.

Kein früheres Nachtflugverbot

Auf eine Ausweitung des Nachtflugverbots von 23 Uhr bis 6 Uhr, wie es die Anwohnerverbände fordern, will der EAP sich hingegen nicht einlassen. «Falls wir früher zumachen, schafft das Probleme für die Expressfracht und für die verspäteten Anflüge von Easyjet», argumentierte der Flughafendirektor. Verspätete Flüge müssten bis nach Lyon umgeleitet werden. Das seien dann vier bis fünf Stunden Fahrt mit dem Bus. Und überhaupt: «Wir müssten unser Betriebssystem ändern.» Der Euro-Airport arbeitet statt dessen an einer «Pünktlichkeitsoffensive» mit den Fluggesellschaften.

Unterstützt werden soll dies durch finanzielle Anreize wie einen Bonus für Pünktlichkeit oder für die Nutzung möglichst moderner lärmarmer Flugzeuge. Der EAP will mit den verschiedenen Partnern auf dem Flughafen eine Charta erarbeiten, welche Anstrengungen zur Lärmreduktion beinhaltet. Bei diesen kooperiere auch Wizz Air. Die ungarische Fluggesellschaft war mit unverhältnismässig vielen Starts nach 23 Uhr aufgefallen und baut ihr Angebot weiter aus (siehe Box).

Suhr erklärte, dass die publizierten Ankunft- und Abflugzeiten dem Zeitpunkt entspreche, an dem ein Flugzeug seinen Startvorgang auf der Piste beginnt oder auf der Piste aufsetzt.
So entstünde eine Differenz von rund 15 Minuten. «Am Abend verlier man diese, am Morgen gewinnt man sie.»

Als zweites Ziel will der EAP bis Ende 2019 die Gesamtanzahl der Flugbewegungen zwischen 23 und 24 Uhr stabilisieren. Das betrifft Starts wie Landungen nach Norden und Süden.
Langfristig aber setzt der Flughafen vor allem auf die Lärmbegrenzung. So sollen die französischen und schweizerischen Luftfahrtbehörden gemeinsam eine «begrenzende Lärmkurve» festlegen und einführen. Dies solle als «Lärmkorsett» dienen und «unabhängig von der Entwicklung der Flugbewegungen zu einer nachhaltigen Lärmbegrenzung führen», heisst es in der Medienmitteilung.

Die beiden Basel sind zufrieden

Positiv zum Aktionsplan äusserten sich die beiden für den EAP zuständigen Departemente in den Kantonen Basel-Stadt und Baselland in einer gemeinsamen Medienmitteilung. Regierungsrat Christoph Brutschin (SP), Vorsteher des Basler Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt, sowie der Vorsteher der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion, Regierungsrat Thomas Weber (SVP), kommentierten: «Damit wird ein wichtiger Schritt getan, um die Entwicklung des EAP auch in Zukunft erfolgreich und im Gleichgewicht mit dem notwendigen Schutz der Bevölkerung in der Nachbarschaft des Flughafens gestalten zu können.»

Der Flughafen rechnet mit einem weiteren Wachstum. So sollen die Passagierzahlen von heute knapp acht Millionen im Jahr 2030 auf elf bis dreizehn Millionen zunehmen. Das ist auch der Grund für den bis 2025 geplanten Ausbaus um 30 Prozent. Die heutige Fläche von 100 000 Quadratmetern soll um 30'000 Quadratmeter wachsen. Wie viel das kosten wird, wollte oder konnte der EAP noch nicht sagen. 30 bis 35 Millionen Euro wird er investieren, um seine Infrastruktur an den geplanten Bahnanschluss anzupassen.